BAUPROJEKT: Ringen um die Akzeptanz des Arenenberg-Stalls

Der Grosse Rat diskutiert engagiert über den geplanten Stallneubau an der landwirtschaftlichen Schule auf dem Arenenberg. Für die einen ist er unnötig, für andere hingegen ein Leuchtturm, der über den Kanton strahlt.

Silvan Meile
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Zu klein und zu alt: Der Stall des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg erfüllt die heutigen Anforderungen nicht mehr. (Bild: Reto Martin)

Zu klein und zu alt: Der Stall des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg erfüllt die heutigen Anforderungen nicht mehr. (Bild: Reto Martin)

Zweimal ist Moritz Tanner ver­gebens nach Weinfelden gereist. Zweimal beendete der Thurgauer Grosse Rat die Sitzung, ohne die Interpellation «Wie weiter mit dem Milchviehstand Arenenberg» des zurückgetretenen SVP-Kantonsrats und Bauern zu behandeln. Zu teuer und zu weit weg von der Praxis sei der geplante Milchviehstall des landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg, lautet seine Kritik. Ausserdem sei unklar, weshalb nicht der nun vom Kanton betriebene Stall am Forschungsstandort Tänikon als Schulungsstall genutzt werden könne.

Gestern stand der Vorstoss ein drittes Mal auf der Traktandenliste. Und Tanner ist wieder aus dem Oberthurgau angereist, um die Diskussion seines An­liegens auf der Zuschauertribüne zu verfolgen. Die Redner waren zahlreich. «Ich bin froh, dass die Kritik angekommen ist und nicht einfach blindlings ein Luxusstall gebaut wird», sagte Tanner zum Schluss der Debatte.

Das Thema bewegt im Landwirtschaftskanton

2,8 Millionen Franken waren ursprünglich für den neuen Stall vorgesehen. Er soll den zu kleinen und veralteten 25-jährigen Stall ablösen. Heute sind noch 1,9 Millionen dafür im kantonalen Finanzplan vorgesehen.

Das Thema bewegt im Landwirtschaftskanton Thurgau. Gestern rannte Tanner im Grossen Rat offene Stalltüren ein. Jede Fraktion hatte etwas zur Diskussion beizutragen. Die Freisinnigen lehnen einen landwirtschaftlichen Staatsbetrieb auf dem Arenenberg ab. Man habe sich in bäuerlichen Kreisen umgehört, sagte Fraktionssprecherin Cornelia Zeccinel (FDP, Kreuzlingen). Statt in einem neuen Neubau soll die Ausbildung in privaten Ställen stattfinden. Das sah Marlise Bornhauser (EDU, Weinfelden) ähnlich. Ein ehemaliger Lehrling habe ihr gesagt, dass er während seiner Ausbildung auf dem Arenenberg nur gerade zweimal dort im Stall war, wusste sie zu berichten. Die verschiedenen Melksysteme habe dieser hingegen auf verschiedenen Praxisbetrieben kennen gelernt.

Bei den Grünen seien die Meinungen geteilt, ob es tatsächlich einen neuen Milchviehstand brauche, sagte Jost Rüegg (Kreuzlingen). Skeptisch zeigte sich auch Manuel Strupler (SVP, Weinfelden). Zu wenig sei das Bedürfnis ausgewiesen, zu viele Fragen – auch bezüglich möglicher Synergien mit Tänikon – blieben offen. Egon Scherrer (SVP, Egnach) sieht ebenfalls einen Erklärungsbedarf, wieso es den neuen Stall wirklich brauche.

Jetzt kommen die ­Befürworter zu Wort

Doch auch die Befürworter versteckten sich nicht. «Das erfolgreiche Thurgauer Ausbildungsmodell in der Landwirtschaft soll mit einem neuen Milchviehstall gestärkt werden», sagte Hans-Peter Wägeli (SVP, Buch b. Frauenfeld).

Andreas Guhl (BDP, Oppikon) sieht darin «ein Bekenntnis zur Thurgauer Landwirtschaft». Und er fügte an, was gestern ei­nige dachten: «Die Verpachtung des Betriebs wäre eine konkrete Option.»

Klemenz Somm (GLP, Kreuzlingen) appellierte gar, bei den Kosten keine Thurgauer Bescheidenheit an den Tag zu legen, sondern «mutig und visionär zu bauen» und dabei nicht kleinlich zu sparen. Die CVP blieb hingegen mit der Forderung eines «praxisnahen Stalls», der die heutigen Chancen und Probleme der Bauern berücksichtige, auf dem Boden der Realität. «Wir begrüssen auch die Zusammenarbeit mit Bauernbetrieben», sagte CVP/EVP-Fraktionssprecher Josef Gemperle (CVP, Fischingen).

Regierungsrat Walter Schönholzer sieht im Stallprojekt am Untersee gar einen Leuchtturm für den Kanton, in dem jeder sechste Arbeitsplatz in der Land- und Ernährungswirtschaft angesiedelt sei. Vor dem Hintergrund dieses bedeutenden Wirtschaftszweigs brauche es auch an der landwirtschaftlichen Schule des Kantons einen praxisnahen Unterricht in der Nähe des Schulzimmers. Der Stall wird also kommen. «Wir planen jetzt im Detail.» In der entsprechenden Budgetdebatte könnte diese Diskussion erneut aufflammen.

Moritz Tanner selber hat sich mittlerweile vom schärfsten Kritiker zum Befürworter gewandelt. Ein praxisnaher Stall soll gebaut werden, aber eben kein Luxusbau, sagte er: «Ich habe mein Ziel erreicht. Die Kritik ist angekommen. Es soll etwas gebaut werden, das in der Bevölkerung akzeptiert wird.»

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch