«Baumeister wollen harte Linie»

Er habe in Bern einiges erreichen können, sagt alt Nationalrat Werner Messmer – und fordert seine Partei, die FDP, zu klareren Aussagen auf. Der vertragslose Zustand auf dem Bau ist seit gestern abend Tatsache.

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«Die Unia muss ihren aggressiven Stil ändern»: Baumeisterpräsident Werner Messmer. (Bild: ky/Walter Bieri)

«Die Unia muss ihren aggressiven Stil ändern»: Baumeisterpräsident Werner Messmer. (Bild: ky/Walter Bieri)

Wie schwer fällt nach 12 Jahren der Abschied von Bern, gerade mit Blick auf die Bundesratswahlen?

Werner Messmer: Er fällt mir nicht schwer. Ich war gerne Nationalrat. Für mich war aber schon vor vier Jahren klar, dass ich in die letzte Legislatur starte. Dazu kommt, dass ich erneut zum Präsidenten des Schweizerischen Baumeisterverbandes gewählt wurde und mich weiterhin voll engagieren werde.

Sie haben turbulente Jahre in Bern hinter sich. Was konnten Sie in dieser Zeit bewirken?

Messmer: Zuerst will ich vorausschicken, dass mich das Doppelmandat Nationalrat/Baumeisterpräsidium manchmal an die Grenzen brachte. Ich hätte gerne mehr gemacht, vor allem für die FDP. Aber dann hätte ich den Verband aufgeben müssen. Im Nationalrat konnte ich mithelfen, über die Parteigrenzen hinweg Lösungen zu finden. So bei den bilateralen Verträgen: Im bürgerlichen Lager warb ich erfolgreich für flankierende Massnahmen. Der Schutz der einheimischen Arbeitskräfte funktioniert.

Sie waren aber nie gut für grosse Schlagzeilen.

Messmer: Das war auch nie mein Ziel. In Bern bewirken nicht die Parlamentarier am meisten, die sich oft und gern in den Medien zeigen. Am meisten bewirken Brückenbauer hinter den Kulissen, die Kompromisse ermöglichen. Ich versuchte das zu erreichen, auch nach christlichen Grundsätzen. So setzte ich mich für die Förderung der erneuerbaren Energien und gegen die Privatisierung der Suva ein.

Gab es Tiefpunkte?

Messmer: Erfolgsdenken und Egoismus wurden durch die Parlamentarier-Ratings gefördert. Das ist keine gute Entwicklung, ebenso wenig das Parteidenken. Die Suche nach Kompromissen wird schwieriger. Auch die neuen Kleinparteien erschweren die Arbeit. Sie müssen sich profilieren, was die Blockierung fördert.

Ihre Partei, die FDP, konnte ihre Bundesratssitze halten. Zufrieden?

Messmer: Nur bedingt. Die bisherige Zauberformel funktioniert nicht mehr, und ich bedaure, dass die SVP nicht den zweiten Sitz im Bundesrat erhielt. Die Leistung von Eveline Widmer-Schlumpf ist unbestritten. Aber eine 5-Prozent-Partei hat keinen Anspruch auf ein Bundesratsmandat. Allerdings ging die SVP ungeschickt vor und setzte die FDP, den einzigen Verbündeten, unter Druck. Mich hat auch Peter Spuhler enttäuscht, weil er der FDP drohte.

Wird die Allianz SVP und FDP auseinanderbrechen?

Messmer: Sie ist gefährdet. Die SVP nimmt quasi einen vertragslosen Zustand in Kauf. Sie muss personelle Änderungen an der Spitze herbeiführen, um die Partnerschaft zwischen SVP und FDP weiterzuführen. Es muss weiter möglich sein, eine Wirtschafts- und Finanzpolitik zum Wohl des Landes zu betreiben.

Bei den Nationalratswahlen verlor die FDP. Was muss sie ändern?

Messmer: Unsere Massnahmen zeigen langsam Wirkung. Die Weissgeldstrategie, die ich mit durchgesetzt habe, zeigt, dass die FDP keine Partei der Geldsäcke, sondern eigenständig ist.

Genügt das?

Messmer: Die FDP hat ein gutes Parteiprogramm, davon bin ich überzeugt. Aber sie muss ihre Botschaften klarer formulieren und wieder mehr Persönlichkeiten gewinnen, die das Programm überzeugend vertreten können. Unsere Parteispitze engagierte sich enorm, war aber kommunikativ nicht immer auf der Höhe.

Zurück zu Ihrem Verband: Warum diese Eskalation des Streits mit den Gewerkschaften?

Messmer: Es ist nicht nur ein Ereignis, das uns Baumeister veranlasst, eine harte Linie einzuschlagen. Die Gewerkschaft Unia hat sich in den letzten Jahren immer stärker von der Sozialpartnerschaft abgewendet und begonnen, uns zu diffamieren. Die Unia ist nicht gesprächsbereit.

Der Streit schadet aber dem Bau.

Messmer: Wir lassen es schweren Herzens auf eine Eskalation ankommen. Die Unia muss ihren aggressiven Stil ändern. Sie versteht nur eine klare Sprache.

Die Gewerkschaften kommen den Baumeistern freilich entgegen.

Messmer: Nach den Gesprächen vom Montag muss ich leider feststellen, dass die Kompromissbereitschaft zu klein ist. Die Baumeister stellten wenige Bedingungen, vor allem die Verlängerung des alten Vertrags, um die Arbeitnehmer weiter zu schützen. Ihr eigenes Wohl scheint den Gewerkschaften aber wichtiger zu sein als das der Arbeitnehmer. Ich kämpfe dafür, dass wir wieder eine Sozialpartnerschaft erhalten, die diesen Namen verdient.

Sie hatten zum Schluss der Amtszeit Probleme mit dem Herzen. Gönnen Sie sich jetzt mehr Freizeit?

Messmer: Bedingt. Ich werde mich noch mehr im Baumeisterverband und in den Vorständen der Wirtschaftsverbände engagieren. Daneben spiele ich aber wieder in einer Brassband, nachdem ich früher schon zwei gegründet habe. Ich übe jeden Tag mindestens eine halbe Stunde mit dem Flügelhorn, um die nötige Qualität zu erreichen. Das tut mir gut.

Interview: Marc Haltiner