Bauern bangen um Beiträge

Der Bundesrat will die Direktzahlungen für die Landwirtschaft umgestalten. Nicht mehr intensive Produktion, sondern Umweltschutz und Nachhaltigkeit sollen gefördert werden. Das trifft die Landwirtschaft im Thurgau besonders.

Christof Widmer
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Für Kühe will der Bundesrat keine Beiträge mehr ausrichten. (Archivbild: Susann Basler)

Für Kühe will der Bundesrat keine Beiträge mehr ausrichten. (Archivbild: Susann Basler)

Frauenfeld. Was der Bundesrat Ende März präsentierte, ist gar nicht nach dem Geschmack der Thurgauer Bauern. Mit der neuen Agrarpolitik will er das System der Direktzahlungen radikal umstellen – weniger pauschale Beiträge an Tiere und Flächen, dafür stärkere Ausrichtung auf konkrete Leistungen. Streichen will der Bundesrat die Tierbeiträge. Neu soll es dafür Kulturlandschaftsbeiträge, Ressourceneffizienzbeiträge oder Biodiversitätsbeiträge geben. So will der Bundesrat die Bauern zu mehr Umweltschutz, Landschaftsschutz und Nachhaltigkeit anhalten.

Die geplante Umstellung trifft die Thurgauer Landwirtschaft laut Bauernvertretern besonders negativ. «Die Thurgauer Bauern werden unter Druck geraten», sagt Nationalrat Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbands. Sie produzieren auf kleinen Flächen intensiv. Gebe der Bund künftig mehr Anreize für die extensive Bewirtschaftung pro Flächeneinheit, hätten sie das Nachsehen, sagt Walter. Im Extremfall gebe es für sie weniger Beiträge. Profitieren würden etwa die Bauern im Jura, die auf grossen Flächen extensiv produzierten.

Gegen Extensivierung

Der Thurgau habe die zweitproduktivste Landwirtschaft in der Schweiz, sagt Markus Hausammann, Präsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL). «Mit der Stossrichtung des Bundesrats geht Produktivität verloren», warnt er.

Hausammanns Verband fordert, dass die Tierbeiträge wie bisher bleiben. Ihn stört, dass die Direktzahlungen künftig auf die Extensivierung der Flächen ausgerichtet werden sollen. Das fördere die nebenberufliche Landwirtschaft und erhöhe den Druck auf die Landpreise und Pachtzinsen. Für den Thurgau, wo der Pachtanteil bei 44 Prozent liege, sei das entscheidend.

Produktivität unterstützen

Besser sei, wenn die neu vorgesehenen Beiträge für die Versorgungssicherheit erhöht werden, heisst es beim VTL. Diese Direktzahlungsart belohnt jene Bauern, die ihr Land produktiv nutzen. Da der Verband grundsätzlich gegen den Systemwechsel ist, braucht es für ihn konsequenterweise auch keine personenbezogenen Anpassungsbeiträge. Diese Mittel sollen in die Sparte Versorgungssicherheit fliessen, fordert Markus Hausammann.

Der Bund berücksichtige mit den an die Fläche gebundenen Beiträgen zudem die arbeitsintensiven Spezialkulturen zu wenig, sagt Hausammann. Neben der Betriebsfläche müsse auch der Faktor Arbeit als Kriterium festgelegt werden. Zudem schlägt der VTL Förderbeiträge für Beeren, Gemüse, Obst und Reben vor.

Bewusstseinswandel gefordert

Dass der Systemwechsel die befürchteten Folgen für den Thurgau haben könnte, schliesst das kantonale Landwirtschaftsamt nicht aus – sollten die Pläne des Bundesrats so umgesetzt werden. «Gewisse Befürchtungen sind nicht von der Hand zu weisen», sagt Amtschef Markus Harder.

Der Bundesrat verlange von den Bauern einen Bewusstseinswandel, sagt Harder. Landwirtschaftliche Produktion werde demnach nicht nur in Kilogramm Milch oder Gemüse berechnet, sondern auch in ökologischen Leistungen. Die entscheidende Frage sei, ob zum Beispiel der Verzicht auf intensive Milchproduktion durch Beiträge für ökologische Leistungen ausgeglichen werde.