Bauen kostet eher mehr als Mieten

Der Bau eines Ergänzungsbaus zum Thurgauer Regierungsgebäude bringt keine Einsparung gegenüber den jetzigen Mietkosten. Noch nicht eingerechnet sind betriebliche Synergien. Der Regierungsrat erwartet ausserdem einen realen Wert über dem Buchwert.

Thomas Wunderlin
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FRAUENFELD. Wie Konfetti sind die Büros der Thurgauer Kantonsverwaltung in Frauenfeld verteilt. Zu den kantonseigenen Gebäuden kommen nicht weniger als 31 Mietstandorte, wie aus der regierungsrätlichen Antwort auf eine Einfache Anfrage hervorgeht. Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld) und Walter Marty (SVP, Siegershausen) verlangten damit genauere Angaben zum geplanten Erweiterungsbau des Regierungsgebäudes.

100 000 Franken mehr pro Jahr

Auf den gemieteten 28 750 Quadratmetern arbeiten 860 Kantonsangestellte. Die jährliche Nettomiete beträgt 5,712 Millionen Franken. Der Ergänzungsbau würde nicht alle Konfetti aufnehmen: Geplant sind etwa 180 Arbeitsplätze auf einer Fläche von 5900 Quadratmetern. Der eingesparte Mietzins beträgt 1,5 Millionen Franken. Der Neubau kostet gemäss Regierungsrat jedoch 1,6 Millionen Franken jährlich, wenn man die Kapitalkosten mit einem Zinssatz von 4,5 Prozent rechnet, dazu Unterhalt und lineare Abschreibung.

Nicht eingerechnet sind Einsparungen aufgrund betrieblicher Synergieeffekte; diese können laut Regierungsrat noch nicht beziffert werden. Es sei vorgesehen, die Wirtschaftlichkeit des Projekts weiter zu verbessern. Ein «gut gebautes und gut erhaltenes Bauwerk» erhalte ausserdem mit der Zeit einen realen Wert, der den Buchwert übersteige. Die Regierung geht von Gebäudekosten von 35 Millionen Franken aus. Bei der ersten Präsentation der Projektidee hatte Regierungsrätin Carmen Haag von 40 bis 50 Millionen Franken gesprochen – mit der Einschränkung, dass die konkrete Summe davon abhänge, welches Projekt aus dem Wettbewerb hervorgehe (Ausgabe vom 10. Juni). Die Wahl des Standorts begründet der Regierungsrat damit, dass der Kanton diesen schon vor Jahrzehnten gewählt habe. Er habe schrittweise hinter dem Regierungsgebäude Grundstücke in der Zone für öffentliche Bauten erworben, um ein arrondiertes Gebiet für die Zentralverwaltung zu sichern. Dank des nahen Bahnhofs sei es hervorragend mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar. An einer Tiefgarage wolle sich die Stadt Frauenfeld beteiligen, die dafür oberirdische Parkplätze aufhöbe. Nichts hält der Regierungsrat davon, einen Parlamentssaal zu integrieren; das habe er schon 2009 in einer Interpellationsantwort festgestellt. Das würde bedeuten, dass der Grosse Rat nicht mehr an zwei Standorten tagen würde – im Sommer in Frauenfeld, im Winter in Weinfelden, was der Regierungsrat ohne Erklärung «als essenziell für den Thurgau» bezeichnet. Beim Einbau eines Parlamentssaals sei mit «insgesamt deutlich höheren Kosten zu rechnen». Es würde Raum beansprucht, der für die Arbeitsplätze fehlen würde. Der Grosse Rat wird im Budgetverfahren Stellung nehmen können – vor der Ausschreibung eines Projektwettbewerbs.

Weiterhin Bedenken

Die Bedenken von Kantonsrat Huber sind nicht ausgeräumt: «Unserer Ansicht nach muss der Kosten-Nutzen-Faktor bei einem Neubau eindeutig positiv ausfallen, damit die Investitionen gerechtfertigt werden können.» Der Regierungsrat habe zwar die Platzverhältnisse im Zentrum Frauenfelds als Einschränkung erkannt. Er ziehe daraus aber nicht die Konsequenz, eine Alternative «auf der grünen Wiese» zu prüfen. Die Frage nach einem Parlamentssaal stellt sich laut Huber anders als 2009, da es nun um einen Neubau gehe. «Es wäre schade, wenn hier eine Chance vertan würde, denn es wäre für Jahrzehnte die letzte.»