Basteln bei Bernhard

An der Freie Strasse entsteht ein öffentlicher Werkraum. Initiant Bernhard Berchtold will Kinder und Eltern zum gemeinsamen Handwerken animieren. Zweimal pro Woche öffnet er dafür seine Türen.

Donat Beerli
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Bernhard Berchtold in seiner fertig eingerichteten Werkstatt. (Bild: Donato Caspari)

Bernhard Berchtold in seiner fertig eingerichteten Werkstatt. (Bild: Donato Caspari)

Donat Beerli

donat.beerli@thurgauerzeitung.ch

Seine Werk-Welt ist bereit. Band- , Kreis- und Kappsäge-, Dickenhobelmaschine und Tellerschleifmaschinen stehen sorgfältig aufgereiht auf dem frisch gemachten Holzboden. Es sieht aus wie in einem Bastelraum eines Einfamilienhauses – nur exklusiver. Vieles besitzt der passionierte Hobbyhandwerker schon länger, die grossen Maschinen gehören Bernhard Berchtold aber erst seit kurzem. Eine 80-jährige, ehemalige Winterthurer Modellbauerin hatte sie in einer Zeitschrift ausgeschrieben – und Berchtold schlug zu. «Die Maschinen sind über 30 Jahre alt, aber funktionieren einwandfrei.»

«Es ist mein Seniorenprojekt»

Der Kauf der Maschinen war der endgültige Startschuss für die Idee des Frauenfelders: Eltern einen Ort bieten, wo sie gemeinsam mit ihren Kindern werken können. Die Augen hinter Berchtolds schwarzer Hornbrille leuchten auf, wenn er davon erzählt. «Ich möchte die Begeisterung, die ich beim Werken empfinde, an die Kinder weitergeben.» Mit seinem heute erwachsenen Nachwuchs hat Berchtold damals drei Baumhütten gebaut. «Doch nicht alle Familien haben diese Möglichkeit in ihren Räumen.»

Auch in seiner Wohnsiedlung wurde der Bastelraum irgendwann stark reduziert. Berchtold musste sich nach Alternativen umsehen. «Dann hat sich alles so ergeben», erzählt der 60-Jährige. Die freigewordenen Räume an der Freie Strasse 21 und 23 seien ein Glücksfall. Nun hat der selbstständige Sanitärplaner sein Büro im Hinterraum der Werkstatt, seine Frau verkauft im angrenzenden Laden Lampen und andere Fundstücke. «Für mich ist das alles ein Seniorenprojekt», schmunzelt er. Denn Geld verdienen könne man damit nicht.

120 Franken Jahresbeitrag für Mitglieder

Für seinen «WerkRaum» hat er einen neuen Verein gegründet. Wer beitritt, zahlt 120 Franken pro Jahr. Und kann dann immer mittwochs von 14 bis 18 und samstags von 10 bis 16 Uhr die Werkstatt benützen. Auch Nichtmitglieder könnten dies, sagt der Initiant. «Da werden wir uns schon einigen können.» Und wenn niemand komme, dann brauche er die zwei Tage halt für sich. «Ideen habe ich ja genug.»

Berchtold hat sich vor kurzem noch weitergebildet und zusammen mit lernenden Möbelschreinern einen Kurs besucht. «Schreiner werden könnte ich nicht, dafür bin ich zu ungenau.» Gelernt habe er trotzdem viel. Muss er auch, denn er hat Pläne: Falls das Projekt gut anläuft, möchte er später in seiner Werkstatt selber Kurse für Kinder anbieten. Fräsen, bohren, schreinern. Denn mit ihren Daumen würden die Kinder zwar unheimlich schnell und raffiniert auf ihren Handys herumdrücken können, so Berchtold. Leider gingen dabei die handwerklichen Fertigkeiten immer mehr verloren.

«Es wird auf alle Fälle spannend», ist sich der Vereinsgründer sicher. Er habe den Standort an der Freien Strasse zwar nicht explizit ausgesucht, aber er sei ideal. «Ausserhalb hätte ich so etwas nie in Angriff genommen.» Doch nun könnten die Kinder sogar zu Fuss in die Werkstatt kommen. Er möchte aber nicht nur Werkraum sein, sonder vor allem auch ein Ort, wo man sich austauscht. «Ich freue mich unglaublich auf die neuen Begegnungen.» Hoffentlich könne man die Strasse etwas beleben.

Eröffnung

Samstag, 1. April, 10 Uhr.