Basisstufe soll Dorfschule retten

FRAUENFELD. Die Schulgemeinden sollen Kindergarten und erste Primarklassen zusammenlegen können. Für die umstrittene Vorlage zeichnet sich im Grossen Rat eine Mehrheit ab. Das soll helfen, gefährdete Schulen zu erhalten, sagen die Befürworter.

Christof Widmer
Merken
Drucken
Teilen
Regierungsrätin Monika Knill will die freiwillige Basisstufe. (Bild: Nana do Carmo)

Regierungsrätin Monika Knill will die freiwillige Basisstufe. (Bild: Nana do Carmo)

Aktueller hätte die Debatte nicht sein können. Während im Thurgau Hunderte Kinder in diesen Tagen ihre Kindergarten- oder Primarschulkarriere starten, stritt der Grosse Rat gestern heftig über den Schuleintritt. Anlass ist die von der Regierung geplante Einführung der Basisstufe – also die Zusammenlegung von Kindergarten und dem ersten Primarschuljahr respektive den ersten beiden Schuljahren. Die Regierung will es den Schulgemeinden erlauben, die Basisstufe einzuführen. Kantonsweite Pflicht wäre sie aber nicht.

Schonender Übergang?

Eigentlich wäre die Basisstufe gedacht, um die Kinder altersdurchmischt individueller fördern zu können und den Übertritt vom Kindergarten in die Primarschule abzufedern. Die Ergebnisse eines kantonsübergreifenden Schulversuchs fielen aber eher ernüchternd aus. Das bot Verena Herzog (SVP, Frauenfeld) gestern Gelegenheit, vom Leder zu ziehen. «Macht es Sinn, etwas einzuführen, das nur Mehrkosten verursacht, aber keinen Mehrwert bringt?», fragte sie mit Blick auf das Zusatzpersonal und die baulichen Anpassungen für die Basisstufe.

EDU-Kantonsrat Daniel Wittwer wollte darum gar nicht erst auf das Geschäft eintreten. Die freiwillige Einführung würde zudem zu einem Jekami der Schulgemeinden führen, kritisierte er. Sein Antrag wurde aber mit 24 zu 91 Stimmen abgelehnt.

Selbst Befürworter der Vorlage räumten ein, dass der Lernerfolg nicht vom Schulmodell abhängt. «Die Basisstufe ist weder besser noch schlechter», sagte Erziehungsdirektorin Monika Knill. Vor allem die Bürgerlichen stellten das Argument ins Zentrum, dass die Basisstufe gefährdeten Dorfschulen helfen könnte – werden Kindergärtler und Primarschüler zusammengefasst, reicht es unter Umständen für eine Klasse. Die Basisstufe erleichtere kleinen Schulen das Überleben, sagten Regula Streckeisen (EVP, Romanshorn) und Hanspeter Wehrle (FDP, Münchwilen). Die eigene Schule sei wichtig für die Identität im Dorf, sagte Monika Weber (CVP, Eschenz). «Wir wollen die Schule im Dorf behalten», sagte Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen), die auch die Vorzüge altersdurchmischter Klassen hervorhob. Überzeugt von den pädagogischen Vorteilen zeigte sich Silvia Schwyter (GP, Sommeri).

Nicht nur für Schul-Erhalt

Auf der anderen Seite wollte SVP-Kantonsrätin Herzog die Basisstufe nur dann tolerieren, wenn damit eine Dorfschule gerettet werden kann. Ihr Antrag für diese Einschränkung lehnte der Rat mit 72 zu 38 Stimmen ab. Man solle es den Schulgemeinden ohne Einschränkung überlassen, ob sie die Basisstufe einführen wollen oder nicht, befand die Mehrheit. Erziehungsdirektorin Monika Knill hatte ohnehin Mühe mit dem Fokus auf den Erhalt der Schulen. Wenn eine Gemeinde die Basisstufe einführe, brauche es dazu ein Konzept, damit die elementaren Voraussetzungen eingehalten werden, mahnte sie.

Mit 87 zu 8 Stimmen abgelehnt wurde ein Antrag von BDP-Kantonsrat Roland Huber (Frauenfeld). Er wollte, dass die Schulgemeinden nur die vierjährige Basisstufe einführen können und nicht auch die dreijährige.