Bank wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Geschädigten der Vermögensverwaltungsfirma Infina wollen morgen vor der St. Galler Kantonalbank demonstrieren. Bis anhin hat die Bank zu den Vorwürfen, sie trage eine Mitschuld, geschwiegen. Nun erklärt sie sich erstmals.

Markus Scherrer
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Die Infina-Geschädigten wollen morgen vor dem Hauptsitz der St. Galler Kantonalbank demonstrieren. (Bild: Urs Bucher)

Die Infina-Geschädigten wollen morgen vor dem Hauptsitz der St. Galler Kantonalbank demonstrieren. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN. Es war einer der grössten Betrugsfälle in der Ostschweiz. Zwei Brüder hatten mit ihrer Firma Infina über 50 Millionen Franken von 686 Anlegern verspekuliert. Was einst in den 1990er-Jahren als Inkassofirma begann, mündete in ein Vermögensverwaltungsgeschäft. Nach dem Börsencrash 2001 blieben jedoch die Renditen aus. Die Brüder begannen, Einlagen neuer Kunden an ältere auszuzahlen. 2009 reichte das Brüderpaar mit österreichischem Pass Selbstanzeige ein, all ihre Firmen gingen in Konkurs. Mittlerweile sind die Brüder verurteilt.

Im Soge dieses Betrugsfalls geriet auch die St. Galler Kantonalbank (KB) immer wieder in den Fokus. Denn nach Ansicht der Infina-Opfer trägt die Bank eine Mitschuld. Bis anhin äusserten sich die Verantwortlichen der St. Galler Kantonalbank aber nicht zu den Vorwürfen. Sie taten es nicht, weil sie mit den Liquidatoren der Finma (Eidg. Finanzmarktaufsicht) einen Vergleich erarbeitet hatten, welcher den Geschädigten «eine Kulanz-Zahlung» anbot – ein Prozent der Schadenssumme. Bis Mittwochabend hatten die Infina-Opfer Gelegenheit, der Vereinbarung zuzustimmen. Die Geschädigten lehnten ab und wollen nun morgen zwischen 11 und 12 Uhr vor dem Hauptsitz der St. Galler Kantonalbank demonstrieren. Die Bewilligung der Polizei liegt vor: Die Infina-Geschädigten erwarten gemäss eigenen Angaben gegen 1000 Demonstranten.

Keine rechtliche Haftung

In Anbetracht dieser Entwicklung sehen sich die Verantwortlichen der St. Galler Kantonalbank nun veranlasst, erstmals zum Fall Infina eingehender Stellung zu beziehen. «Es hat in der Tat eine grosse Anzahl geschädigter Personen gegeben. Und wir bedauern, dass es Verluste gegeben hat», sagt Albert Koller, Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich für die Privat- und Geschäftskunden. Die St. Galler Kantonalbank habe die Abläufe genauestens durchleuchtet und überprüft. «Dabei hat sich gezeigt, dass wir keine rechtliche Haftung für den von der Infina angerichteten Schaden haben», sagt Koller weiter. Zu diesem Schluss kommen im übrigen gemäss dem KB-Geschäftsleitungsmitglied auch die Liquidatoren der Finma.

Laut Koller hatte die Infina lediglich ein Kontokorrent-Konto bei der St. Galler Kantonalbank. Neben dem üblichen Zahlungsverkehr sei auf dieses teilweise auch bar einbezahlt worden. Das wertet Koller als Indiz dafür, dass Anleger den Firmeninhabern auch Gelder bar anvertraut haben. Sonst gab es keine weitere Verbindungen zur Infina. Gemäss Koller war die Kantonalbank weder Depotbank, noch hat sie Produkte der Firma empfohlen. Und insbesondere waren die Infina-Geschädigten nicht Kunden der St. Galler Kantonalbank.

In Absprache mit der Finma

Die Infina gab Prospekte heraus, mit denen sie Anleger für sich gewinnen wollte. So gab es zum Beispiel ein Anlagevehikel namens «Swiss Dynamic», das eine Rendite von 40 Prozent versprach. «Wäre jemand damit zu uns gekommen, wir hätten dringend davon abgeraten», sagt Koller und fügt bei: «In keinem der Prospekte taucht der Name von unserer Bank auf.» Geblendet von einer solch hohen Rendite, übersahen die Anleger offensichtlich auch jenen Zusatz auf der hinteren Seite, in welchem die Aufteilung eines allfälligen Gewinnes festgehalten wurde: 40 Prozent für die Infina, 60 Prozent für den Anleger.

Obwohl die Kantonalbank die Sorgfaltspflicht nicht verletzt haben soll und obwohl sich die Verantwortlichen keiner Schuld bewusst sind, boten sie eine «Kulanz-Zahlung» an, wie es Koller nennt. Das geschah auch in Absprache mit den Liquidatoren der Finma, die es als eine «gute Lösung» bezeichneten und den Geschädigten empfahlen, darauf einzugehen. Doch die Infina-Opfer schlugen die Vereinbarung aus. Deshalb sagt Koller nun: «Der Fall ist erledigt. Es wird kein Angebot mehr geben, es werden keine weiteren Verhandlungen geführt.»

Albert Koller Mitglied der Geschäftsleitung der St. Galler Kantonalbank (Bild: pd)

Albert Koller Mitglied der Geschäftsleitung der St. Galler Kantonalbank (Bild: pd)