Band mit Nazi-Symbol im Namen

Im Namen der Thurgauer Band Vargr i Veum sind Runen enthalten. Diese Symbole wurden von den Nazis verwendet und stehen heute für eine rechte politische Codierung. Das Opernhaus Zürich engagiert einen Sänger mit Runen-Tattoo.

Inge Staub
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Lebensborn-Abzeichen: Im Kreis die Lebensrune, das SS-Zeichen und die Initialen HH für Heinrich Himmler, Reichsführer SS.

Lebensborn-Abzeichen: Im Kreis die Lebensrune, das SS-Zeichen und die Initialen HH für Heinrich Himmler, Reichsführer SS.

FRAUENFELD. Die Thurgauer Band Vargr i Veum ist nicht nur an rechtsextremen Veranstaltungen und Festen von Neonazis anzutreffen, mit der Art, wie die Band ihren Namen schreibt, signalisiert sie, dass sie sich mit der rechtsextremen Szene verbunden fühlt.

Die beiden V von Vargr und Veum werden als Runen dargestellt. Es handelt sich dabei um die sogenannte Lebensrune – ein senkrechter Strich, in den drei kürzere Striche münden. Laut dem deutschen Verfassungsschutz wird dieses Zeichen von Rechtsextremisten verwendet und ist Teil einer Symbolsprache.

Von Nazis glorifiziert

Die Nationalsozialisten übernahmen eine Reihe von ursprünglich altgermanischen Symbolen für ihre Zwecke. Diese wurden als heilige Zeichen glorifiziert und als Parteisymbole verwendet. Die Lebensrune war für die Nazis Symbol für die Kraft des Volkes und der völkischen Bewegung. Sie war Kennzeichen der NS-Frauenschaft und der Organisation «Lebensborn» (siehe Kasten). Es handelt sich dabei also um ein Zeichen, das durch den Völkermord und die Rassenpolitik der Nationalsozialisten schwer belastet ist.

Im Juli dieses Jahres kam es in Bayreuth zum Eklat, als bekannt wurde, dass der russische Heavy-Metal-Musiker und Opernsänger Evgeny Nikitin ein Tattoo in Form einer Lebensrune auf seinem Oberkörper hat. Der Sänger verzichtete daraufhin auf die Rolle des «Holländers» bei den Bayreuther Festspielen. Das Opernhaus Zürich scheint sich am Lebensrunen-Tattoo von Nikitin nicht zu stören. Es hat den 38jährigen Russen verpflichtet. Er soll 2013 im «Parsifal» singen.

Die Verwendung der Lebensrune war in Deutschland lange Zeit nur dann strafbar, wenn sie mit Bezug zu einer verbotenen Organisation verwendet wurde. 2008 entschied der Bundesgerichtshof, dass solche Kennzeichen nicht öffentlich zur Schau gestellt werden dürfen.

In der Schweiz sind Nazi-Symbole nicht verboten. Über sieben Jahre lang wurde im Bundeshaus über ein Verbot rassistischer Symbole debattiert. 2010 befand der Bundesrat schliesslich, auf die Strafnorm sei zu verzichten. Man könne zu wenig genau definieren, welche Symbole verboten werden sollen. Stände- und Nationalrat schlossen sich an. Die Thurgauer Regierung hatte in ihrer Stellungnahme ein Verbot befürwortet.

Der Schriftzug der Band Vargr i Veum enthält die Lebensrune, oben und unten gespiegelt. Diese Rune wird von Nazis verwendet. (Bild: Rudolf Steiner)

Der Schriftzug der Band Vargr i Veum enthält die Lebensrune, oben und unten gespiegelt. Diese Rune wird von Nazis verwendet. (Bild: Rudolf Steiner)

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