Balterswiler lassen sich kaum begeistern

Die Pädagogische Hochschule Thurgau tourt durch die Sekundarschulen des Kantons und wirbt für naturwissenschaftliche und technologische Berufe. Die Schulklassen reagieren darauf unterschiedlich. Zum Saisonabschluss hielt das Projekt in Balterswil.

Christof Lampart
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BALTERSWIL. Die Pädagogische Hochschule Thurgau (PHTG) will bei Lehrkräften und Schülern das Interesse für naturwissenschaftliche und technologische Berufe wecken. Mit dem Berufswahlangebot «Triff deine Natechzukunft» besuchte die Hochschule seit Mai 2014 sieben Thurgauer Sekundarschulen.

Ein eingespieltes Team

Viermal standen in diesem Projekt die Kantonsschülerin Andrea Horvath und die lernende Polymechanikerin Anja Hasenfratz vor Klassen im Einsatz. Sie reisen gemeinsam durch den Thurgau, um den nur wenige Jahre Jüngeren von Angesicht zu Angesicht von Chemie, Physik und Biologie vorzuschwärmen. Begleitet werden die beiden jungen Frauen von Patric Brugger, der an der PHTG als Co-Projektleiter der Initiative «Natur und Technik» amtet. Welches Fazit zieht er nach dem ersten Jahr? «Die unkonventionelle Informationsstunde kommt bei den Schülerinnen und Schülern gut an», so Brugger. Anja Hasenfratz bestätigt dies. Jedoch reagierten die Klassen ganz unterschiedlich auf ihren Auftritt: «Es gab schon Klassen, die wollten uns gar nicht mehr gehen lassen und löcherten uns bis in ihre Pause hinein mit Fragen», erzählt Hasenfratz.

Wer nicht lernt, fliegt

Im Oberstufenzentrum Lützelmurg in Balterswil präsentiert sich die Situation leicht anders. Die Schüler der zweiten und dritten Sekundarschule geben sich an diesem Vormittag scheu und zurückhaltend. Und wenn sie einmal den Mund öffnen, dann nur, um auf eine gezielte Frage zu antworten, nicht um eigene Fragen zu formulieren. Ob sie denn nun verstanden hätten, was sie als Polymechanikerin mache, will Hasenfratz am Ende der Lektion wissen. «Teile fräsen», meint schliesslich ein Junge; der Rest schweigt eisern. Gelächter gibt es, als Andrea Horvath in einem Film zeigt, wie sie in einer Projektwoche an der Kantonsschule Kreuzlingen Schnecken mit Kreatin «dopten». Da Schnecken, welche in Kreatin badeten, einen flüssigeren Schleim aufwiesen als solche ohne «Bad», konnten sie schneller kriechen, erfahren die Sekschüler in einem kurzen Film.

Der Berufswunsch ist bei den allermeisten schon vorhanden. Einer lernt Elektroinstallateur, eine geht in den Detailhandel. Die meisten anderen sind aber noch auf der Suche.

Für eine weiterführende Schule scheint sich an diesem Tag jedoch niemand wirklich zu interessieren, zumal Horvath alle darauf hinwies, dass in der Kanti die Lehrer einen nicht dazu anhielten, die Hausaufgaben zu machen oder für die Prüfungen zu lernen. «Wer keine Selbstdisziplin aufbringt und fleissig lernt, der fliegt früher oder später von der Schule und steht dann ohne Ausbildung da», so die Kantonsschülerin. Ebenso nimmt auch nur ein Junge an diesem Vormittag einen Polymechaniker-Prospekt mit.