BALTERSWIL: Vom Rennvelo auf den Rasenmäher

Der Balterswiler Guido Amrhein fuhr sechsmal die Tour de Suisse und gründete später den Veloclub Fischingen. Seit drei Jahrzehnten ist er Hauswart an der Sekundarschule Lützelmurg in Balterswil. Nun geht er in Pension.

Ruth Bossert
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Noch bis Ende des Schuljahres ist Guido Amrhein Hauswart der Sek Lützelmurg. (Bild: Ruth Bossert)

Noch bis Ende des Schuljahres ist Guido Amrhein Hauswart der Sek Lützelmurg. (Bild: Ruth Bossert)

BALTERSWIL. Nur noch ein paar Wochen und für Guido Amrhein wird sich der Alltag komplett ändern. Er wird pensioniert – nach 30 Jahren als Hauswart der Balterswiler Sek Lützelmurg.

Gewisse Routinearbeiten seien einfacher geworden in den vergangenen drei Jahrzehnten, erklärt der gelernte Sanitärinstallateur. Die Gerätschaften und Putzmittel wurden effizienter, die technischen Anlagen hingegen wurden komplizierter und anspruchsvoller. Für den 62jährigen Guido Amrhein war dies aber nie ein Problem: «Ich liebe die Technik und habe mich mit den Neuerungen immer schnell angefreundet.» Trotzdem habe er sich ständig weitergebildet und regelmässig Kurse besucht. So war es für ihn auch selbstverständlich, den ersten Lehrgang zum eidgenössisch diplomierten Hauswart zu besuchen, den es überhaupt gab.

Profivertrag mit 23

Als sich Guido Amrhein im Jahr 1986 zusammen mit seiner Frau Bea von der damaligen Sekundarschulgemeinde anstellen liess, hat er kurz davor seine aktive, sehr erfolgreiche Laufbahn als Profi-Velorennfahrer an den sprichwörtlichen Nagel gehängt. Als taktischer Allrounder fiel der junge Fischinger rasch auf, kam in die Nationalmannschaft, wurde Elite-Amateur und bekam als 23-Jähriger seinen ersten Profivertrag. Sechsmal fuhr er die Tour de Suisse, gewann an den Schweizer Meisterschaften die Bronzemedaille und war als Mannschaftshelfer auch an den Erfolgen von Gody Schmutz und Beat Breu, welche zur selben Zeit aktiv Velorennen fuhren, dabei. «Es war eine sensationelle Zeit», sagt er rückblickend und sieht diese auch als Lebensschule. Er habe im Sport gelernt, zielorientiert zu arbeiten und das habe ihm später im Beruf, aber auch als Gründer des Veloclubs Fischingen und bei all seinen Chargen, die er beim VC inne hatte, viel geholfen.

Fahrer wie Alex Zülle und Stephan Küng und andere habe er auch als Trainer zu Weltklassefahrern begleiten dürfen. Vor zwei Jahren hat er alle seine Ämter abgegeben. Velofahren sei ihm heute nicht mehr so wichtig, viel lieber sind ihm lange Fussmärsche, Wanderungen über die Berge und der Jakobsweg.

Schüler sind anständiger

Wenn Guido Amrhein von seinen Freizeitaktivitäten erzählt, fällt auf, dass er immer wieder sagt «wenn ich pensioniert bin, wenn ich dann mehr Zeit habe». Doch weshalb will er bereits in ein paar Wochen aufhören? «30 Jahre sind genug», sagt er lachend und findet, die Pension passe eben richtig zum Arbeitsjubiläum von ihm und seiner Frau Bea, die ihn während dieser Jahre immer tatkräftig unterstützt habe. «Wir sind jetzt noch gut zwäg, können noch viel unternehmen», erzählt er und verschweigt aber auch nicht, dass es vielleicht dann doch nicht ganz so einfach sei aufzuhören. «Ich wohne gar nahe an der Schule, die mir in den vergangenen Jahren so sehr ans Herz gewachsen ist.» Und schon beginnt er zu erzählen, von den unzähligen Lagern, die er begleitet habe. Als Ski-, später als Snowboardlehrer, im Sommer mit den Velos, beim Zelten und beim Wandern.

Aber auch der Schulalltag mit den 100 Schülerinnen und Schülern sei ihm nicht verleidet. Seit die Kinder altersdurchmischt unterrichtet werden, haben sie viel weniger Streit untereinander. Er findet überhaupt die Kinder heute anständiger, auch wenn er nicht verheimlichen will, dass auch hin und wieder Schabernack getrieben wurde. Von Respektlosigkeit, Ärger oder Hinterhältigkeit will Amrhein aber nichts wissen. «Ich war nie ein böser Hauswart und deshalb waren die Kinder wohl auch zu mir nie böse.»