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BALTERSWIL: Die Pferdeprofis aus der Lochwies

Alois Seiler widmete 41 Lebensjahre der Pferdezucht. Sein selbst gezogener Zuchthengst Comet ist Vater zahlreicher Schweizer Prämienzuchtstuten und der ganze Stolz des Hinterthurgauers.
Jörg Rothweiler
Stolzer «Pferdevater»: Alois Seiler mit seinem Zuchthengst Comet. (Bild: Jörg Rothweiler)

Stolzer «Pferdevater»: Alois Seiler mit seinem Zuchthengst Comet. (Bild: Jörg Rothweiler)

Jörg Rothweiler

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Der Pferdevirus grassiert heftig auf dem Hof der Familie Seiler in der Lochwies in Balterswil. Vater Alois Seiler widmete einen Grossteil seines Lebens der Zucht von Schweizer Warmblütern. Sohn Roger, der den Hof 2015 übernahm, betreut neben zehn bis zwölf Mutterkühen ein Dutzend Pensionspferde und fünf Zuchtpferde des Vaters. Rogers Bruder Philipp ist gelernter Sattler und wie Gattin Marianne begeisterter Sportreiter. Auch Philipps Schwägerin Sandra reitet. Und immer häufiger sitzen Alois’ Enkelkinder im Sattel.

Begonnen hat alles zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, erzählt Alois Seiler: «Mein Vater war Milchbauer. Täglich kam der Milchwagenfahrer mit dem Pferdefuhrwerk – und ich durfte ab und zu auf dessen Pferden reiten. Zudem lernte ich schon als Siebenjähriger, wie man mit Pferden Holz rückt, selbst dickste Stämme aus den Wäldern transportiert.» Er blieb den Pferden auch zugetan, als er 1970 den Hof übernahm.

«In der Ausbildung zum Landwirt in Rorschacherberg lernte ich von meinem Lehrmeister Max Sigenthaler alles, was es über Vererbungslehre und Viehzucht zu wissen gibt», sagt Alois Seiler. Darum widmete er sich zunächst der Nutztierzucht und der Milchwirtschaft. «Die Geschäfte liefen ordentlich. Bis die 1977 eingeführte Milchkontingentierung alles veränderte», erinnert sich Seiler. Seine Lösung: Pferde- und Milchviehzucht. Zudem widmete er sich bis 2011 der Zucht von Red-Holstein-Milchvieh.

Hengst als Krönung eines Lebenswerkes

Die aufgezogenen Pferde ritt Seiler in der Regel selbst an, liess ihnen eine fundierte Grundausbildung angedeihen und verkaufte sie als Dreieinhalbjährige an Auktionen. Bei der Wahl der Hengste achtete er auf sportliches Talent, vor allem für das Springreiten. Ab 1979 war er selbst aktiver Springreiter und erfolgreichster Teilnehmer am ersten CSI St. Gallen.

In den 1990er-Jahren liess er ein frisch erworbene Stute vom für die Vererbung guter Springanlagen bekannten Hengst Godewind decken und setzte das Fohlen Retina für die weitere Zucht ein. Ein Volltreffer! Retinas 2000 geborenes Hengstfohlen Well Done wurde 2003 ebenso zum Schweizer Zuchthengst gekürt wie der ein Jahr später geborene Retina-Sohn Comet.

Während er Well Done verkaufte, behielt Seiler Comet für den Sport und die Fortführung der Zucht. Bis heute hat der bei zahlreichen Turnieren siegreiche Zuchthengst rund 120 Nachkommen gezeugt, darunter mehrere Schweizer Prämienzuchtstuten, die ebenfalls im Springsport überzeugen. Seiler brachte dies 2008 den Titel als Züchter des Jahres ein. Die meisten der selbst aufgezogenen Comet-Nachkommen hat Seiler verkauft. Die 2009 geborene Prämienzuchtstute Donna Pierra aber behielt er. Philipp Seiler bildete sie aus und setzt sie erfolgreich im Sport ein. Im August, beim Turnier in Aadorf, eroberten Marianne Seiler auf Comet und Philipp ­Seiler auf El Camino und ­Donna Pierra die Ränge 1, 2 und 5.

Seiler weiss: Die Ära seiner Zucht neigt sich dem Ende zu. «Ich habe jahrzehntelang Pferde gezüchtet, mit ihnen Turniere bestritten, Härdöpfel ausgefahren, Holz gerückt und Kutschfahrten gemacht. Bisher habe ich 58 Fohlen aufgezogen. Nun bin ich 70 und mein Ziel wäre 60 Fohlen», sagt er. Dann dreht er sich um und stapft in den Stall, wo seine fünf Pferde stehen. Eines davon, eine knapp vierjährige Zuchtstute, könnte die Mutter von Fohlen Nummer 59 oder 60 werden.

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