Ballenberg statt Bruchbude

Die beiden alten Häuser von Basadingen, in denen Dorforiginal Züsä Noldi lebte, werden restauriert. Von aussen sehen sie verwahrlost aus, im Inneren herrschen noch Gotthelfs Zeiten.

Gudrun Enders
Drucken
Teilen
Dieses Gebäude-Ensemble steht im Dorfkern von Basadingen und soll bald restauriert werden. (Bild: Reto Martin)

Dieses Gebäude-Ensemble steht im Dorfkern von Basadingen und soll bald restauriert werden. (Bild: Reto Martin)

BASADINGEN. Die Zeit ist stehen- geblieben in den zwei alten Hausteilen. «So unverfälscht ist das sehr selten im Thurgau», sagt der Frauenfelder Architekt Gabriel Müller, der die Restauration begleiten wird. Vor eineinhalb Jahren betrat er die Liegenschaften Hemmental 6 und 8 in Basadingen das erste Mal. «Ich war hin und weg. Solche Räume sieht man noch im Ballenberg.» Müller schätzt, dass einige Räume seit 100 Jahren praktisch unberührt geblieben sind. Art und Alter vergleicht er mit den Romanshornern Fischerhäusern.

Dorforiginal lebte darin

Es handelt sich um das Elternhaus von Züsä Noldi, einem Dorforiginal. «Wenn wir eine alte Wasserleitung gesucht haben, dann wusste er meistens, wo wir graben mussten», sagt Gemeindeammann Peter Mathys. Züsä Noldi wurde über 90 Jahre alt und lebte beinahe bis zu seinem Tod im Elternhaus, zum Schluss von der Spitex betreut. Es sei noch ein Badezimmer in die Scheune eingebaut worden, sagt Mathys. Ein Hausteil des Ensembles wurde aber gar nicht mehr bewohnt. Im anderen gab es in der Küche Strom und fliessend Wasser. Geheizt wurde mit Kachelofen und Holzherd.

Älter als gedacht

Nach dem Tod des Dorforiginals vor wenigen Jahren wollte die Erbengemeinschaft verkaufen. Doch zuerst rückten Denkmalpfleger und Archäologen an. Seit 1979 finden sich das Ensemble als wertvoll eingestuft im Hinweis-Inventar. Ursprünglich sollen ehemalige Trottenleute des Klosters Katharinental dort untergebracht worden sein. Der Gebäudekern wurde dem 17. Jahrhundert zugerechnet. Doch 2012 stellten die Experten fest, dass die Häuser älter sind. Das Holz im Gebäudekern stammt aus dem Jahr 1535, Anbauten folgten in den nächsten Jahrzehnten. «Man sieht sogar geschwärzte Dachbalken», sagt Architekt Müller. Denn ursprünglich entstand das Gebäude ohne Kamin, der Rauch stieg durchs Giebeldach auf.

Zunächst fand sich kein Käufer für diese besondere Liegenschaft. «Es konnte sich niemand vorstellen, etwas daraus zu machen», sagt Architekt Müller. Auch eine Machbarkeitsstudie seitens der Denkmalpflege brachte keinen Durchbruch. Doch inzwischen gehört das Ensemble Thomas Leu aus dem Kanton Schaffhausen. Mit seiner Firma für Altbausanierungen hat er in diesem Winter die Hausteile gesichert und unterfangen. «Die Baueingabe wird vorbereitet», sagt Architekt Gabriel Müller.

Geplant ist, die alte Bausubstanz zu erhalten, so weit das möglich ist. «Die Restaurierung kostet etwa so viel wie ein Neubau», sagt Müller. Lediglich die Scheune sei in einem derart desolaten Zustand, dass nur noch die Fassade zur Strassenseite erhalten werden könne. Doch auch wenn die Räume dank der Restauration ihren historischen Charme behalten, so versichert Müller: «Es gibt modernen Komfort und alle Annehmlichkeiten.» In dem Ensemble sollen zwei Wohnungen entstehen. Auf der Südseite hinter dem Haus ist ein Bauerngarten mit Buchs-Einfassungen geplant. Ein Jahr Bauzeit beraumt Müller an. Das Ziel: «Wir wollen die Seele des Hauses erhalten.» Für ihn ist das Projekt ein Glücksfall. Dabei ist er auf solche Projekte spezialisiert. Er leitete die Restaurierungen im Klösterli in Frauenfeld, auf Schloss Wellenberg oder an der Gerbergasse 6 in Bischofszell. Auch dem Haus Ergarten in Frauenfeld verhalf er zu neuem Glanz.

Gute Lösung zeichnet sich ab

«Es zeichnet sich eine gute Lösung ab», sagt Gemeindeammann Mathys. Die Angst sei vorhanden gewesen, dass nichts passiere, das Haus weiter zerfalle und eine Restauration zu teuer komme. Auch Denkmalpflegerin Monika Zutter ist angetan: «Die Denkmalpflege freut sich ausserordentlich, dass sich der neue Eigentümer und der mit Altbauten bestens vertraute Architekt gefunden haben.»

Stube mit Holztäfer, Bohlenbalkendecke und klassizistischem Ofen. (Bilder: Lukas Fleischer, Amt für Denkmalpflege)

Stube mit Holztäfer, Bohlenbalkendecke und klassizistischem Ofen. (Bilder: Lukas Fleischer, Amt für Denkmalpflege)

Stube mit historischem Ofen, Dielenboden und Fenster zum Gang. (Bild: Lukas Fleischer 8570 Weinfelde)

Stube mit historischem Ofen, Dielenboden und Fenster zum Gang. (Bild: Lukas Fleischer 8570 Weinfelde)

Aktuelle Nachrichten