Bald sammeln die Kehrichtwagen auch Kunststoff

Bisher werden in den schweizerischen Kehrichtöfen munter Kunststoffe verbrannt – auch in Weinfelden und in Bazenheid, wo der Thurgau seine brennbaren Abfälle entsorgt. Doch nun könnte ein Umdenken auf grosser Ebene stattfinden. Politiker erwägen die Kehrichtwagen auf Kunststoffsammeltouren zu schicken.

Christof Lampart
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Markus Tonner Geschäftsführer der Innorecycling Eschlikon

Markus Tonner Geschäftsführer der Innorecycling Eschlikon

ESCHLIKON. 240 Franken pro Tonnen zahlt die Innorecycling AG den Gemeinden für Kunststoffabfälle, die in Innorecycling-Plastiksäcken gesammelt worden sind. Die Eschliker Firma will den Vernichtungskreislauf des Kunststoffs durchbrechen. Dafür will sie in den Gemeinden nicht nur Sammelstationen einrichten, sondern ihnen auch etwas für den Kunststoff zahlen.

45 Gäste aus der Politik und der Abfallindustrie fanden sich am Freitag zu einer Informationsveranstaltung in Eschlikon ein. Der CEO der Innorecycling AG, Martin Model, legte dar, dass in der Schweiz das Kunststoffrecycling noch «riesiges Potenzial» habe, denn von rund einer Million Tonnen an Kunststoffabfällen würden nur gerade 90 000 Tonnen wiederverwertet.

Die Schweiz übe beim Kunststoffrecycling keine Vorbildfunktion aus. Selbst beim PET-Sammeln, in welchem sich die Schweizer ja als vorbildlich wähnten, hinke die Schweiz EU-Ländern wie Deutschland, Österreich, Holland und Belgien hinterher. Dies habe damit zu tun, dass in der EU schon seit den frühen 90er-Jahren auf die Wiederverwertbarkeit von Kehricht gesetzt, in der Schweiz hingegen aufs Entsorgen desselben gesetzt worden sei.

Bis 70 Prozent wiederverwerten

Laut Innorecycling-Geschäftsführer Markus Tonner können von den gesammelten Kunststoffen 50 bis 70 Prozent wiederverwertet werden. 30 bis 40 Prozent könne man als hochwertigen Ersatzbrennstoff noch ans Zementwerk verkaufen und nur gerade fünf bis zehn Prozent müssten in einer KVA verbrannt werden.

Man sehe sich, sagte Model, nicht als Konkurrenz zu den Kehrichtzweckverbänden, sondern als ergänzendes Angebot.

Die Gemeinde Amlikon-Bissegg sammelt bereits. Für Gemeinderat Beat Buchmann ist das 14tägige Sammeln eine Erfolgsgeschichte: «Seit kurzem verkaufen wir auf der Gemeindeverwaltung mehr Kunststoff- als normale Abfallsäcke.»

Gemeinsame Lösung anbieten

In der Diskussion zeigten sich viele Politiker von der Idee angetan – allerdings wollte die grosse Mehrheit die bestehenden Strukturen – also die KVA in Weinfelden und in Bazenheid – beim Sammeln mit einbezogen wissen. So erklärte Regierungsrätin Carmen Haag gegenüber der Thurgauer Zeitung, dass «ich es mir gut vorstellen könnte, dass die beiden KVA den Kunststoff selber sammeln und dann der Innorecycling zum Kauf anbieten».

Ähnlich tönte es auch aus dem Mund des Sirnacher Gemeindeammanns Kurt Baumann, welcher auch Verwaltungsratspräsident der KVA Bazenheid ist. «Wir befinden uns in dieser Frage in Gesprächen mit Innorecycling als auch mit dem Verein Kunststoffrecycling Schweiz, um eine gemeinsame Lösung anbieten zu können.»

«Für jedes Kilo Kunststoff, das recycelt anstatt verbrannt wird», rechnete GP-Kantonsrat Kurt Egger vor, «kann man zwischen 1,5 und 3 Kilo CO2 einsparen und man hat danach immer noch einen Rohstoff.»

Nicht jede Gemeinde für sich

Der Wilener Gemeindeammann Kurt Enderli sieht die KVA am Zug. «Es bringt nichts, wenn jede Gemeinde nun in Sachen Kunststoff mit einem eigenen Sammelfahrzeug tourt und Kunststoffe nach Eschlikon bringt. Ich denke, dass das ökonomisch vorteilhaft wäre, wenn das ZAB und die KVA dies übernehmen würden, denn diese verfügen schon über gut ausgerüstete Fahrzeuge und könnten grössere Touren fahren, was das Sammeln sicherlich effizienter und günstiger werden liesse.»

Martin Model Gründer und Inhaber der Innorecycling Eschlikon

Martin Model Gründer und Inhaber der Innorecycling Eschlikon

Auf dem Gelände der Innorecycling lagern tonnenweise Kunststoffe. (Bilder: Christof Lampart)

Auf dem Gelände der Innorecycling lagern tonnenweise Kunststoffe. (Bilder: Christof Lampart)

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