"Badizeit ist Glacezeit"

FRAUENFELD. Die Ostschweizer sind heiss auf Eis. Bei der jetzigen Hitze wird so viel geschleckt, dass mancherorts das Glace knapp wird. Nicht nur die Hersteller im Thurgau melden steigende Umsatzzahlen, sondern auch die Grossverteiler. Derweil kommen Glacemaschinen – zum Beispiel an den Soft-Ice-Ständen – an ihre Grenzen.

Samuel Koch
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Eine süsse Abkühlung bei dem heissen Wetter: Das Glace. (Bild: Keystone/Symbol)

Eine süsse Abkühlung bei dem heissen Wetter: Das Glace. (Bild: Keystone/Symbol)

Es wird geschleckt, was das Zeug hält. Glacemaschinen im Thurgau arbeiten auf Hochtouren und Eis am Stiel oder solches im Cornet wird im Minutentakt verkauft. Der Hitzesommer 2015 sorgt bei Glaceverkäufern für mehr Umsatz, aber auch für mehr Arbeit.

Seit dem letzten Jahr steht über die Sommermonate an der Bahnhofstrasse in Frauenfeld der Glacewagen «Gelati di sogno». Geschäftsführer Thomas Maier verkauft in den letzten Wochen nicht nur traumhaftes Glace, wie er mit dem Namen an seinem Stand anpreist, sondern auch «definitiv» mehr als letztes Jahr. Obwohl Maier merkt, dass zurzeit viele in die Ferien verreist sind, habe er etwa ein Drittel mehr Glace verkauft.

Seine Glace produziert er nahe der Grenze zum Thurgau in Eigenregie. «Unsere Glace ist ohne künstliche Aroma- und Farbstoffe», meint Maier. In einem ehemaligen Milchhüsli in Ellikon an der Thur mixt er Sorten wie Aprikose oder Mango zusammen. «Unsere Gäste stehen total auf den Wochenhit mit einem Mix aus fruchtigen Glacesorten», sagt Maier. Ansonsten laufen Klassiker wie Vanille, Erdbeere oder Schoggi am besten.

Soft-Ice bis 30 Grad

Auch das Soft-Ice der Martin Confiserie aus Leimbach ist seit Jahren an Festen im Thurgau erhältlich. Die Standbetreiber des Soft-Ice erlebten in diesem Jahr bisher einen Spiessrutenlauf, obwohl Marketingchef Fabian With klarstellt: «Im Juli ist es für Soft-Ice-Fans fast zu warm.» Sobald die Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke liegen, würde nicht mehr viel cremige Glace auf den Cornets verkauft. «Die Leute gehen dann lieber in die Badi», meint With. Zudem könnte das Soft-Ice aufgrund der überhitzten Kompressoren nicht mehr auf minus 18 Grad heruntergekühlt werden. «Die Maschinen kommen ab 30 Grad total an ihre Grenzen», sagt With.

Viel mehr als letztes Jahr

Er will sich aber nicht beklagen, denn sein Kerngeschäft konzentriert sich auf den Frühling. Das meiste Soft-Ice bringt er in den Monaten März und April unter die Leute. «Sobald es im Frühling das erste Mal warm wird, entsteht jeweils ein richtiger Run, weil die Leute lange kein Soft-Ice mehr gesehen haben», sagt er.

Anhand der verkauften Cornets weiss With, dass er bereits jetzt mehr Umsatz erzielt hat als im Vorjahr. «Vor zwei Wochen haben wir bereits so viele Cornets verkauft wie im gesamten letzten Jahr zusammen», sagt er. Da es erst Ende Juli ist, rechnet With mit einem deutlich besseren Resultat als noch 2014.

Das Schweizer Glaceunternehmen Frisco aus Rorschach ist auf dem Schweizer Glacemarkt führend. Mediensprecherin Cassandra Buri stellt fest, dass vor allem in Regionen wie dem Thurgau mit dem Bodensee und vielen anliegenden Badis ihre Glaces sehr beliebt sind. «Badizeit ist Glacezeit», meint Buri. Die Rakete, die Extrême-Cornets sowie die Pralinato würden aktuell am besten laufen.

Produktion auf Hochtouren

Über Umsatzzahlen will sie jedoch nichts sagen und von Lieferengpässen weiss Buri nichts. Frisco hat bisher keinerlei Probleme mit der Hitzeperiode. «Natürlich arbeiten wir auf Hochtouren, um unsere Kunden täglich zu beliefern», sagt sie. Sie seien aber gut auf den heissen Sommer eingestellt.

Bei der Migros tönt es ähnlich. Gemäss Mediensprecher Andreas Bühler sind in den Ostschweizer Migros-Filialen Glaces nie ausverkauft gewesen. Geschweige denn seien Lieferengpässe bekannt. Auch Grossverteiler Coop bewältigt den Andrang an den Kühlregalen vorerst ohne Probleme. «Klar wird jetzt viel mehr Glace gegessen als sonst», meint Coop-Mediensprecher Urs Meier. Die Produktion wurde aber entsprechend und erfolgreich hochgefahren.

Beliebtes Thurgauer Glace

Lokale Glacehersteller wie die Tomela AG in Langrickenbach spüren den Hitzesommer gleichermassen. Thomas Ehrbar und seine Familie beliefern Restaurants in der Region Weinfelden, Romanshorn und Kreuzlingen. «Wir spüren den heissen Sommer definitiv», meint Ehrbar. Er verkaufe bis zu viermal mehr cremige Masse als im letzten Jahr und produziere jeden Tag neues. Wie beim Soft-Ice-Mann With kommen auch bei der Tomela AG die Kühler an ihre Grenzen. Das Problem seien die warmen Nächte.

Da kommt die aktuelle Abkühlung gerade recht. Laut Wetterberichten pendeln sich die Temperaturen übers Wochenende um 25 Grad ein. Für die Glace- und Soft-Ice-Hersteller in der Region also das optimale Wetter für mehr Umsatz.