Bachputzete statt Open Air

MATINGEN. Zwei Samstage für das Gemeinwohl: Eine Gruppe Jugendlicher aus Matzingen hat den Tuenbach bei einem Freiwilligeneinsatz von Schwemmholz befreit.

Claudia Koch
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Die Jugendlichen sammeln das Schwemmholz und deponieren es möglichst weit weg vom Bach. (Bild: Claudia Koch)

Die Jugendlichen sammeln das Schwemmholz und deponieren es möglichst weit weg vom Bach. (Bild: Claudia Koch)

Matzingen. Bekleidet mit kurzen Hosen, T-Shirts und Gummistiefeln sieht die Gruppe Jugendlicher gerade so aus, als wenn sie sich für das Open Air in Frauenfeld hergerichtet hat. Doch der Treffpunkt im Wald wie auch das mitgebrachte Werkzeug, Äxte und Baumscheren, weisen auf eine ganz andere Absicht hin.

Die 13 Jugendlichen der Jugendgruppe WebiYouth der Webi-Gemeinde Matzingen, einem freikirchlichen Verein, leisten hier an zwei Samstagen einen freiwilligen Einsatz. «Das hat aber nicht unmittelbar mit dem Freiwilligenjahr zu tun», sagt Urs Thalmann aus Matzingen, Ansprechperson der WebiYouth. Bereits letztes Jahr habe er bei der Gemeinde angefragt, ob er mit seiner Gruppe einen Freiwilligeneinsatz leisten könne.

«Diese Anfrage hat uns natürlich sehr gefreut», bestätigt der frühere Gemeindeammann Elmar Bissegger, der ebenfalls erschienen ist. Nach Abklärungen mit seinem Team habe man sich dann entschieden, dass das Beseitigen von Schwemmholz im Tuenbach eine ideale Arbeit für einen solchen Freiwilligeneinsatz wäre.

Mit Einsatz und Humor

Ein kurzer Fussmarsch führt die Jugendlichen und zwei freiwillige Helfer an eine Brätelstelle am Bach. Arme, Beine und Hals werden mit Anti-Insekten-Spray eingesprüht. «Die Grillwürste nehme ich auf jeden Fall mit», sagte Urs Thalmann. Er wolle ja nicht noch eine Fuchsfamilie anlocken. Bald schon wird das Vogelgezwitscher vom Kreischen der Motorsäge und dem Gelächter der Jugendlichen übertönt. «Der Spass soll nicht zu kurz kommen», sagt Thalmann.

Die Bachreinigung ist zwar nur an zwei Samstagen festgesetzt, der Einsatz der WebiYouth dauert jedoch eine ganze Woche. «Wir werden noch einem Bauern beim Ernten helfen, und einer Witwe gehen wir bei der Räumung des Estrichs zur Hand», sagt Thalmann. Während dieser Woche wohnen sie zusammen in der Webi Matzingen und geniessen die Gemeinschaft.

Lehrreiche Arbeit

Die Gruppe kommt zügig voran. Vorneweg läuft ein Helfer mit der Motorsäge, der grössere Holzstücke zersägt, damit diese mühelos aus dem Wasser gehievt werden können. Das Schwemmholz wird möglichst hoch über dem Bach, vorzugsweise hinter Bäumen, auf einem Haufen gesammelt, damit ein Hochwasser das Sammelgut nicht wieder mitreissen kann. «Die Haufen werden von Mitarbeitern des Werkhofs eingesammelt», sagt Elmar Bissegger, der mit anpackt.

Die Luft ist so schwer und feucht, dass die Brillengläser anlaufen. Das mache ihr jedoch nichts aus, sagt eine Helferin aus Matzingen. Früher habe sie schon zusammen mit ihren schulpflichtigen Kindern geholfen, den Tuenbach oder die Murg von Unrat zu befreien. «Was dort alles zum Vorschein kam, kann man sich gar nicht vorstellen», ereifert sie sich. Sogar einen Kühlschrank habe man gefunden. Der Abfall wurde dann in Mulden auf dem Schulhof präsentiert. «Das war für die Schulkinder ziemlich dicke Post.»