Auto versus Velo

Der Winter ist eine blöde Sau, zumindest für mich als Velofahrer. Und wenn dann noch rücksichtslose Autofahrerinnen ins Spiel kommen, ist der Zug namens Nächstenliebe für mich definitiv abgefahren. Und das ohne Halt auf Verlangen an der Station «gegenseitiger Respekt im Individualverkehr».

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Der Winter ist eine blöde Sau, zumindest für mich als Velofahrer. Und wenn dann noch rücksichtslose Autofahrerinnen ins Spiel kommen, ist der Zug namens Nächstenliebe für mich definitiv abgefahren. Und das ohne Halt auf Verlangen an der Station «gegenseitiger Respekt im Individualverkehr».

Verkehr kann auch lustvoll sein, wenn man auf die Bedürfnisse der anderen Verkehrsteilnehmer eingeht. Ja, ja. Da fall' ich gleich vom Sattel, wenn ich so was höre.

Ich bin, zugegebenermassen, eher der Blümchen-Velofahrer, will es auch geniessen, vor allem abwärts. In die Pedalen trete ich, weil ich zu bequem bin, um zu Fuss zu gehen. Und natürlich fahre ich nur so schnell (oder langsam), dass

mein Körper nicht überhitzt.

Aber scheinbar bin ich der einzige, der auf diesem Softie-Kuschel-Trip ist. Tagtäglich fahren mir Automobilistinnen so nahe auf, dass ihre Frontscheinwerfer die Möglichkeit hätten für einen Quickie mit meinem nicht mehr funktionierenden Rücklicht.

Es wird gehupt und gestossen. Schaue ich, angsterfüllt ob dieser Dominanz, hinter mich, werden im Wagen die Hände verworfen.

Passiert mich dann die Autofahrerin, zielt ihr rechtes Vorderrad garantiert in Richtung Eiswasserlache. Und schon bin ich ungewollt nass. Ihr Dirty-Talk verhallt im geschlossenen Wageninnern, während sie mit 69 Stundenkilometern innerorts davonbraust.

Mathias Frei

*

Es ist wie die High-Noon-Szene in den alten Westernfilmen. «In dieser Stadt ist nicht genug Platz für uns beide», sagt der Schnellere, bevor er den Langsamen abknallt. Päng. Eine Wahrheit, die auf die Velo-versus-Auto-Situation in Frauenfeld passt wie die Kugel in den Revolverlauf. Einfach ohne Mordgelüste. Meistens.

Auf Frauenfelds Strassen ist es eng wie in der Lieblingsjeans nach den Weihnachtsfeiertagen. Und Velofahrer stören den natürlichen Fluss des motorisierten Verkehrs zusätzlich. Im Feierabendverkehr etwa.

Es ist eine Sache, wenn der Radfahrer vor der Autoschlange in die Pedalen tritt und Tempo macht. Oder wenigstens bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit ausweicht. Herrscht nämlich reger Gegenverkehr, ist an ein Überholen dieser Verkehrsbehinderungen nicht zu denken.

Aber es ist etwas ganz anderes, wenn diese Blümchen-Fahrer

gemütlich, möglichst noch ein Liedchen pfeifend, durch die enge Vorstadt pedalen. Und dann noch provozierend zurückkucken und frech grinsen. Ich bin ja eigentlich ein friedliebender Mensch, aber… Das ist zum himmelschreiend die Haare Raufen! Zum hysterisch Lichthupen! Zum viel zu nah Auffahren und das Hinterrad des verflixten Velofahrers zu kitzeln!

Aber natürlich tu ich das nicht. Die Contenance bleibt gewahrt. Das Tempo passt sich dem gemächlichen Fahrrad an, der Abstand wird pseudorespektvoll eingehalten, verführerische Pfützen werden taktvoll umfahren.

Frauenfeld ist ja nicht Shoot-Down-City im Wilden Westen. Auch wenn es manchmal einfacher wäre.

Elisabeth Reisp