AUSSERRHODER REGIERUNG: Alle drei wollen nochmals

Im ersten Wahlgang für die Nachfolge von Marianne Koller (FDP) schneidet der Freisinnige Dölf Biasotto am besten ab. Die SVP-Kandidatin hat das Nachsehen – aufgeben will sie aber nicht.

Patrik Kobler
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Die Abtretende und ihr möglicher Nachfolger: Marianne Koller gratuliert Dölf Biasotto zum Wahlresultat. (Bild: Urs Bucher)

Die Abtretende und ihr möglicher Nachfolger: Marianne Koller gratuliert Dölf Biasotto zum Wahlresultat. (Bild: Urs Bucher)

Patrik Kobler

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@appenzellerzeitung.ch

Mit dem Slogan «Unser Mann für Ausserrhoden» schaffte es Inge Schmid (SVP) landesweit in die Schlagzeilen. Aber: Zur Wahl in den Ausserrhoder Regierungsrat reichte es der 56-Jährigen gestern Sonntag nicht. Sie klassierte sich in der Ersatzwahl für Marianne Koller (FDP) hinter Dölf Biasotto (FDP) und Peter Gut (pu) lediglich auf dem letzten Rang. Das absolute Mehr erreichte keiner der drei Kandidaten. Mit 6684 Stimmen verfügt Biasotto gegenüber Gut (5390 Stimmen) und Schmid (5086) jedoch über einen unerwartet grossen Vorsprung. Gerechnet worden war mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen.

Biasotto zeigt sich von seinem guten Abschneiden selber überrascht, war er doch gemäss eigenen Angaben nicht so gut in den Wahlkampf gestartet. «Ich war verkrampft.» Nachdem die FDP an der Urne zwei empfindliche Niederlagen kassiert habe, laste ein grosser Druck auf ihm, sagt er. Erst verlor die FDP einen Regierungssitz an die Parteiunabhängigen, dann musste sie auch noch das Nationalratsmandat an die SVP abgeben. Auch dieses Mal steht für die einstmals dominante FDP viel auf dem Spiel. Verliert sie die Wahl, hat sie nur noch einen Sitz in der Ausserrhoder Regierung. Nun darf sich der 55-jährige Urnäscher allerdings berechtigte Hoffnungen machen, im zweiten Wahlgang vom 19. März den Einzug in den Regierungsrat zu schaffen. Dass er sich zurückzieht, steht nicht zur Debatte. Mittlerweile hat er auch Gefallen am Wahlkampf gefunden. «Ich bin jetzt wieder ich selber», sagt der Bauingenieur.

Peter Gut hat sein Ziel erreicht

Ebenfalls zum zweiten Wahlgang antreten wird wohl Peter Gut. Der Parteiunabhängige will sich aber heute Montagabend noch mit seinen Fraktionskollegen austauschen. Denn er entscheide nicht alleine. Er selber, das spürt man, würde gerne noch einmal antreten. Es gibt auch keinen ersichtlichen Grund, wieso er sich zurückziehen müsste. Der 58-jährige Sozialarbeiter aus Walzenhausen darf zufrieden sein mit seinem Resultat. «Mein Ziel, eine Entscheidung im ersten Wahlgang zu verhindern, habe ich erreicht», sagt er. Im Wahlkampf ist der mit Aussenseiterchancen Gestartete sogar so überzeugend aufgetreten, dass er plötzlich als potenzieller Wahlsieger gehandelt wurde.

Am meisten Gedanken machen muss sich nach dem gestrigen Resultat Inge Schmid. Von Rückzug ist bei ihr allerdings nicht die Rede. Die Gemeindepräsidentin von Bühler hat 2013 schon einmal eine Niederlage erlitten, als sie Paul Signer in der Regierungsratswahl den Vortritt lassen musste. Entsprechend gefasst reagierte sie gestern auf ihr Abschneiden. «Klar wäre ich lieber auf dem ersten als auf dem letzten Platz», sagt sie. Ob ihr der kuriose Wahlslogan geschadet hat, will sie nicht beurteilen. «Sicher haben mir einige deswegen die Stimme nicht gegeben, aber dafür andere schon.» Für den zweiten Wahlgang steht Inge Schmid weiterhin zur Verfügung. Entschieden werde das aber in der Parteileitung. Resignation war den gestern im Wahlstübli im Regierungsgebäude anwesenden Vorstandsmitgliedern nicht anzumerken. Man darf davon ausgehen, dass es auch im zweiten Wahlgang zu einem Dreikampf kommen wird. «Wie wir den Rückstand aufholen können, müssen wir nun analysieren», sagt Inge Schmid. Sie konnte bloss in 4 von 20 Gemeinden die Wahl für sich entscheiden: Schwellbrunn, Schönengrund, Bühler und Lutzenberg. Das dürfte die SVP schmerzen, hatte sie sich doch insbesondere im Hinterland mehr Stimmen erhofft. Hier lag Dölf Biasotto aber deutlich voraus. Er setzte sich in seiner Wohngemeinde Urnäsch sowie in Herisau, Hundwil, Stein, Waldstatt, Teufen, Gais, Speicher, Trogen und Grub durch. Peter Gut hatte wie erwartet die Vorderländer Gemeinden hinter sich. Er siegte in Rehetobel, Wald, Heiden, Wolfhalden, Walzenhausen und Reute.

Keine Rolle spielte offenbar der ­Frauenbonus. Mit Marianne Koller scheidet Ende Mai die einzige Frau aus der Kantonsregierung aus. Die Wahl von Inge Schmid würde verhindern, dass die Exekutive erstmals seit der Wahl von Marianne Kleiner und Alice Scherrer an der Landsgemeinde 1994 ohne Frauenbeteiligung ist.