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AUSSERGEWÖHNLICH: Trainer, Motivator und Polizist

Stefan Roth hat seine musikalische Karriere als Siebenjähriger mit der Blockflöte gestartet. Dirigent war nie ein Kindheitstraum von ihm. Trotzdem heimst er mit seinen Orchestern einen Preis nach dem anderen ein.
Aylin Erol
Angekommen: der Dirigent Stefan Roth vor dem Vereinshaus der Jugendmusik Kreuzlingen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Angekommen: der Dirigent Stefan Roth vor dem Vereinshaus der Jugendmusik Kreuzlingen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Aylin Erol

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Bereits als Zweijähriger sauste Stefan Roth mit einer Plastiktrompete durch die Gegend. «Dass ich in meinem Leben viel mit Musik zu tun haben werde, war mir von klein auf klar», sagt Stefan Roth, der in Aadorf in einer Musikerfamilie aufwuchs. Dass aus der jungen Begeisterung einmal sein Beruf wird, sei wahrscheinlich Zufall und Schicksal zugleich gewesen. Heute dirigiert Stefan Roth professionell fünf Orchester und Vereine, was ihm mehr als nur musikalische Qualitäten abverlangt.

«Ich begann ganz klassisch mit sieben Jahren mit der Blockflöte», erzählt Roth schmunzelnd. Sie sei eben doch ein hervorragendes Instrument, um mit Blasinstrumenten einzusteigen. Auf die Blockflöte folgten das ­Eufonium und die Posaune. Sein Lieblingsinstrument wurde die Blockflöte zwar nie, doch noch heute profitiert er vom Gelernten. Die Blockflöte biete eine sehr gute Grundbasis um auch andere Blasinstrumente zu verstehen. «Es ist natürlich Utopie zu glauben, dass ich jedes Instrument eines Orchesters beherrsche. Doch als Dirigent muss ich mir zumindest eine gewisse Grundkenntnis aneignen, um das Beste aus den Instrumenten und den Musikern herauszukitzeln.»

Er lerne jedoch immer wieder Neues dazu: «Vor allem bei den Kindern macht das grossen Spass. Sie stellen Fragen, über die ich nie nachgedacht habe und lassen mich alles wieder in neuen Blickwinkeln sehen», meint Roth, der sowohl Kinder, Jugendliche, Erwachsene als auch Profis dirigiert.

Studium in den Niederlanden

Mit 37 Jahren ist Stefan Roth ­Master of Arts in Blasmusik­direktion und hauptberuflicher Dirigent der Jugendmusik und des Symphonischen Blasorchesters Kreuzlingen, des Musikvereins Kradolf-Schönenberg, der Uniun da Musica Sagogn, der Bürgermusik Untereggen und Gastdirigent für zwei Monate der Liberty Brass Band Ostschweiz. Dabei war dies alles weder Plan noch Kindheitstraum gewesen.

«Ich ging oft den Weg des geringsten Widerstandes und muss sagen, dass ich mich nach der Kantonsschule auch deshalb für das Posaunenstudium an der Zürcher Hochschule der Künste entschieden habe.» Musik sei ihm schon immer leichtgefallen. Mit 21 Jahren dirigierte er sein erstes und mit 24 ein hollän­disches Blasorchester, nachdem er sich kurzerhand für ein Dirigier-Studium in den Niederlanden entschieden hatte.

Nach dem Bachelor-Abschluss kehrte er mit viel Energie, Motivation und neuen Ideen zurück in die Schweiz, wo er einen Master in Bern anhängte. Die Zeit in Holland hätte ihn musikalisch und menschlich sehr viel weiter­gebracht: «Alles war anders, die Sprache, die Kultur, das Umfeld und die Art, wie Blasmusik im ­Orchester gestaltet wird. Ich hatte Zeit, mich voll auf die Musik zu konzentrieren und mich weiterzuentwickeln», sagt Roth. Zurzeit absolviert er einen zweiten Master of Arts in Dirigieren an der Universität Augsburg.

Das Beste aus den Musikern herauskitzeln

«Als Dirigent kommen deutlich mehr Schwierigkeiten auf einen zu, als nur die musikalischen ­Herausforderungen», muss Roth zugeben. Neben dem Handwerk und organisatorischen Aufgaben, welche bereits viel Zeit in Anspruch nehmen, müsse ein Dirigent zwischenmenschliche Qualitäten aufweisen. Da er mit allen Altersgruppen und mit unterschiedlich weit entwickelten ­Musikern zusammenarbeite, müsse er wissen, wie er auf unterschiedliche Personen zugehen und das Bestes aus ihnen herauskitzeln könne. Roth: «Manchmal muss ich streng kontrollieren, manchmal etwas nachsichtig sein. Als Dirigent bin ich sozusagen Psychologe, Trainer, Motivator, Künstler und öfters auch Polizist in einem.»

Sein Engagement trägt Früchte. Mit unterschiedlichen Blas­orchestern und Brass Bands hat Roth an zahlreichen Wett­bewerben teilgenommen und nationale wie internationale Spitzenplätze belegt. «Wenn wir dann auf der Bühne stehen, und jeder sein absolut Bestes gibt und es noch schöner und voller klingt als jemals zuvor in den Proben, weiss ich, dass sich die Arbeit lohnt.»

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