AUS LIEBE ZUR MUSIK: In Frauenfeld eröffnet neuer Plattenladen

Marco Heim zügelt seinen Plattenladen von Wängi an die Grabenstrasse in Frauenfeld. Hinter seinem Job steckt viel Leidenschaft – aber auch Knochenarbeit.

Donat Beerli
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Marco Heim mit Chuck-Berry- und Mekong-Delta-Platte aus dem Jahr 1988. (Bild: Andrea Stalder)

Marco Heim mit Chuck-Berry- und Mekong-Delta-Platte aus dem Jahr 1988. (Bild: Andrea Stalder)

Marco Heim treibt sich gern herum. Auf Flohmärkten, in Brockenstuben, in Plattenläden. Immer auf der Suche nach Musik, die ihn umhaut. «Ich kenne bei weitem nicht alles, was ich kaufe», sagt der 35-Jährige. Das Aussortieren findet auch zu Hause statt. Wenn er die gekauften Platten aus dem Cover nimmt, sie putzt und zum erstem Mal die Nadel setzt. «Genau darum ist es meine Leidenschaft», sagt Heim. Es sei eine andere Form von Musikhören als via Internet oder MP3. «Man hat etwas in der Hand, muss etwas tun und klickt nicht einfach durch.» Und sowieso: «Der Klang einer Schallplatte ist unvergleichlich.»


Über Hip-Hop in die Vinylwelt

In die Vinylwelt ist Heim vor über 15 Jahren eingetaucht. Damals hörte er in erster Linie Hip-Hop und war vor allem neugierig. Schnell entstand eine kleine Plattensammlung. Wer sich dafür interessierte, musste die schmale Treppe in einen dunklen Keller hinuntersteigen. Von dort kommt auch der Name Underground Records. Als Sammler sieht sich Heim aber nicht. «Alles, was ich mir aneigne, will ich als DJ, Produzent oder zum Weiterverkaufen brauchen.»
2015 zog er mit seinem Laden nach Wil in ein Musikfachgeschäft. Doch gerade als man ihn in der Stadt und Region langsam kannte, war es schon wieder vorbei.

Das Musikfachgeschäft zog nach Rickenbach – ohne Heim. «Das wäre mir zu abgelegen gewesen.» Darum kehrte er dorthin zurück, wo alles angefangen hatte – nach Wängi. Im Geschäft seines Vaters fand er eine Übergangslösung. Dass er nicht bleiben wollte, war immer klar. Doch der Umzug nach Frauenfeld erwies sich als schwieriger als gedacht. «Ich habe nicht die Mittel, um an beliebiger Stelle einen Laden aufzumachen.» Nun darf er sich im Erdgeschoss von Radio Keiser an der Grabenstrasse einmieten. «Ein Glücksfall», sagt Heim.

Der Arbeitsagoge wird aber weiterhin als Springer in der Sonnenhalde Münchwilen arbeiten, manchmal mehr, manchmal weniger. Leben kann er von seinem Hobby nicht. «Wer weiss, vielleicht irgendwann», sagt Heim. Das hängt auch davon ab, wie das Geschäft in Frauenfeld anläuft. Gibt es denn überhaupt einen Markt hier? «Das wird sich zeigen», sagt Heim nüchtern. Sicher sei, dass die Szene boome. Davon, aber auch von der Nähe zum Kaff und seinem jungen Publikum könnte er profitieren. Heims Umzug an die Grabenstrasse Frauenfeld ist auch aus lokalhistorischer Sicht interessant: Vor vielen Jahren entstand genau an der gleichen Strasse der erste Schallplattenladen in Frauenfeld.

Als kleiner Laden ist es schwer

Der Wängemer ist nicht der typische Geschäftsmann. Nicht aufdringlich, eher ruhig und gelassen. «Ich will einfach nur möglichst vielen Musikfans gute Tonträger anbieten.» Sein Angebot hat er längst ausgeweitet. Pop, Rock, Jazz, New Wave, Funk, Soul, die Bandbreite an Platten ist riesig. «Ich will keine 08/15-Platten, aber ein paar Klassiker muss man einfach haben.»
Für die Vertriebe, bei denen grössere Geschäfte ihre Platten beziehen, ist er noch ein zu kleiner Player. Das könnte sich aber demnächst ändern, denn Heim will auch neue Sachen anbieten. Bis es so weit ist, wird er wohl weiterhin auf den Flohmärkten der Region auf die Suche nach guter Musik gehen. Aber nur nach solcher, die ihn umhaut.

www.undergroundrecords.ch

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