Aus Kunst wird wieder Brennholz

WARTH. Vor drei Wochen gewann der Holzturm in der Kartause den Prix Lignum als beste Schweizer Arbeit aus Laubholz. Am Samstag aber schlug sein letztes Stündlein. Der Künstler Tadashi Kawamata begann mit dem Abbau.

Christine Luley
Drucken
Teilen
Beim Abbau seines Scheiterturms legt der Künstler Tadashi Kawamata persönlich Hand an und wirft das erste Holzscheit hinunter. (Bild: Andrea Stalder)

Beim Abbau seines Scheiterturms legt der Künstler Tadashi Kawamata persönlich Hand an und wirft das erste Holzscheit hinunter. (Bild: Andrea Stalder)

Halb Zwölf vorbei. Vor dem Scheiterturm in der Kartause wartet eine kleine Gruppe auf den grossen Moment: den Abbruch des temporären Kunstobjektes. Zwei Männer unterhalten sich über moosbesetzte Stellen auf der Nordseite des Turmes. Zwei Fachleute offensichtlich, denn Christophe Scheidegger war als Architekt und Bauleiter und Markus Zimmermann als Holzbauingenieur beim Bau des Turmes im März 2013 verantwortlich.

Turm aus 100 Tonnen Hartholz

Es geht los. Stefanie Hoch, die Kuratorin des Kunstmuseums Thurgau, erzählt von Tadashi Kawamatas Vision, Scheiterbeigen wie Wände um die Kartause zu schichten. Ein Element davon hat er verwirklicht. Der Künstler hat die Jahresernte von 170 Ster, 100 Tonnen Hartholz, nicht konventionell in Beigen zum Trocknen gelagert, sondern zu einem Turm gestapelt. Das gelungene Projekt sei ein Spiel mit der Vorstellung von Funktionalität und deren Auflösung, sagt die Kuratorin.

Markus Zimmermann berichtet von den Herausforderungen mit der Statik. Vom Holz, das während der Trocknungsdauer an Volumen verloren hat, und dass beim acht Meter hohen runden Turm die Neigung nach innen zu beachten war. Und wie dann die Stabilisierung ringförmig alle zwei Meter mit Stahlplatten erfolgte.

Keine Zeit für Sentimentalitäten

Tadashi Kawamata erklärt, dass für ihn der Turm an sich nicht wichtig sei, sondern der Entwicklungsprozess, die Geschichten, die beim Bauen entstehen. Zudem habe er es nicht mit Sentimentalitäten. Der Pragmatiker besteigt mit dem Museumstechniker Uwe Fuchs die Hebebühne und fährt zur Turmspitze hoch. Wirft das erste Holzscheit herunter. «Nichts Spektakuläres, ich habe etwas anderes erwartet», wendet sich eine Besucherin an ihre Begleitung. «Ein Brand oder eine Sprengung mit Dynamit.»

Von Warth nach Metz

Während sich Tadashi Kawamata bereits wieder aufmacht ins französische Metz zu einer Installation mit dem Thema Katastrophen, heben die betreuten Mitarbeiter die herumliegenden Holzscheite auf und lagern sie am Waldrand für den Brennholzverkauf. Die vielen Besucher verschaffen sich einen Überblick der vielseitigen Arbeitsbereiche der betreuten Mitarbeiter in der Kartause. Eine Frau sieht sich ein Zimmer im Wohnheim an. «Grosszügig und heimelig eingerichtet, nicht anstaltsmässig», befindet sie. Gespräche, Begegnungen, Degustation im Weinkeller, Aufwärmen und Stärkung in der Festwirtschaft runden «den Tag der offenen Tür» ab.

Aktuelle Nachrichten