Aus Berlin nach Hüttlingen

HÜTTLINGEN. Hendrik de Haas ist der neue Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Hüttlingen. Seine japanische Frau Kiyomi Terada gehört der Bahai-Religion an.

Johanna Schick
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Pfarrer Hendrik de Haas und seine Frau Kiyomi Terada wohnen seit einer Woche im Pfarrhaus. (Bild: pd)

Pfarrer Hendrik de Haas und seine Frau Kiyomi Terada wohnen seit einer Woche im Pfarrhaus. (Bild: pd)

Seit letzten Freitag hat das Pfarrhaus neben der Kirche Hüttlingen zwei neue Bewohner: Pfarrer Hendrik de Haas aus Dresden und seine aus Japan stammende Frau Kiyomi Terada. De Haas ist der Nachfolger von Pfarrer Olivier Wacker. Er wurde von der Kirchenvorsteherschaft gewählt und wird das Hüttlinger Pfarramt für die nächsten drei Jahre führen.

Hendrik de Haas ist in der DDR aufgewachsen. Seit 2002 arbeitete er in der evangelischen Kirche in Berlin Brandenburg/Schlesische Oberlausitz.

Aus der Grossstadt

Der Umzug aus der deutschen Hauptstadt in das kleine Hüttlingen scheint eine grosse Umstellung für den Pfarrer und seine Frau zu sein. In Hüttlingen erwartet den ehemaligen Schreiner anders als in Berlin ein Einzelpfarramt. «Ich stehe dadurch viel enger im Kontakt mit den Gemeindemitgliedern», sagt de Haas.

In der Grossstadt sei es oft vorgekommen, dass man sich als Teil eines Pfarrteams zu sehr in seinen Aufgabenbereich vertieft habe.

De Haas ist überrascht über das ausgeprägte freiwillige Engagement in der Kirchgemeinde. «Man merkt, dass die Leute Freude an ihrer Arbeit haben und sich Zeit für ihre Aufgaben nehmen.»

Ungewöhnliche Kombination

Kiyomi Terada, die Frau des Pfarrers, ist Japanerin und lebte lange Zeit in Tokio. Die Bibliothekarin ist bekennende Bahai, eine Religion, die ursprünglich aus Iran stammt.

De Haas hatte zu Beginn Bedenken, dass die ungewöhnliche Kombination für die Schweizer Pfarrgemeinde ein Problem sei. «Es hat uns überrascht, wie positiv die Gemeinde darauf reagiert hat», sagt er. Die Dorfbewohner würden ihm mit Neugier und Interesse begegnen.

«Auch meine ehemalige Landeskirche in Berlin war sehr tolerant, was meine Frau betrifft.» Die ungewöhnliche Kombination werde in den deutschen Landeskirchen aber unterschiedlich gewertet.

Kiyomi Terada hat bis anhin noch nie auf dem Land gelebt. Laut de Haas ist sie jedoch begeistert davon. «Sie fühlt sich wohl hier.»

Schweizer Bauern

Auch de Haas gefällt es in der Schweiz. Die Schweizer Bauern erinnern ihn an seine Kindheit. Aufgewachsen in der DDR, erlebte er die landwirtschaftliche Kollektivierung der Fünfzigerjahre hautnah mit. Die Schweizer Landwirtschaft gefällt ihm sehr.

Auch die Schweizer Mentalität sagt de Haas zu. «In Berlin geht oftmals alles sehr zügig und hektisch vonstatten.» Hier wirkten die Menschen auf ihn, als hätten sie mehr Zeit und Ruhe für die Dinge, die sie tun. «Sie geben mir das Gefühl, willkommen zu sein.»

Wie die Zeit nach den drei Jahren in Hüttlingen aussieht, weiss de Haas noch nicht. Er kann sich jedoch gut vorstellen länger im Thurgau zu leben.

Ab 1. Oktober tritt er offiziell sein Pfarramt in Hüttlingen an. Am Sonntagabend des 7. Oktobers wird er seinen ersten Abendgottesdienst halten.