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Augenblicke für die Ewigkeit

Carlo Fuso aus Mettendorf ist Sortierer im Paketpostzentrum Frauenfeld. Doch seine grosse Leidenschaft ist der Film. Er ist als Statist in Schweizer Filmen eine feste Grösse und hat schon in Hollywood-Produktionen mitgewirkt.
Stefan Hilzinger
Sein Volvo hat es in einen Film mit Daniel Craig geschafft. Carlo Fuso aber nicht. Er nimmt's mit Humor. (Bild: Nana do Carmo)

Sein Volvo hat es in einen Film mit Daniel Craig geschafft. Carlo Fuso aber nicht. Er nimmt's mit Humor. (Bild: Nana do Carmo)

METTENDORF. Hätte Carlo Fuso doch damals nur einen gebügelten Smoking im Schrank gehabt. So wäre er heute in «Ein Quantum Trost» zu sehen, dem vorletzten James-Bond-Film. Doch damals, als die Agentur anrief, hatte er eben keinen Smoking zur Hand. So war die Sache mit der Szene auf dem Festspielgelände in Bregenz für ihn gelaufen.

Carlo Fuso aus Mettendorf, gelernter Automechaniker und Autohändler mit italienischen Wurzeln, ist Statist. Er läuft durch die Szenerie, wenn's der Regisseur sagt. Reicht dem Hauptdarsteller ein Utensil, schliesst eine Autotür und sagt, wenn's hoch kommt, mal Grüezi oder Hallo.

Kollegen haben ihm später vom Bond-Dreh in Bregenz erzählt. Schön anstrengend sei es gewesen, die ganze Nacht sei die Film-Crew auf den Beinen gewesen, bis die Verfolgungsjagd im Festspielhaus im Kasten war.

Er nicht, aber sein Volvo

Obwohl's für 007 nicht gereicht hat: In einem Film von Bond-Darsteller Daniel Craig hat Carlo Fuso schon mitgewirkt: In der Hollywood-Verfilmung von Stieg Larssons Millennium-Roman «Verblendung». Dort ist gegen Ende des Films für Augenblicke etwas von Fuso zu erheischen. «In der Szene vor der Zürcher Bank bin ich zwar nicht zu sehen, dafür aber mein Volvo-Cabriolet, wenn man weiss, wo hingucken», sagt Fuso und spricht damit auf das Schicksal aller Statisten an: Sie wissen vor der Filmpremiere nie, ob ihr Auftritt nicht herausgeschnitten worden ist.

Mit «Lüthi & Blanc» fing es an

Doch damit kann Carlo Fuso leben. Vor neun Jahren nahm ihn ein Kollege zu den Dreharbeiten der Schweizer Schoggi-Soap «Lüthi & Blanc» mit. Schon von Kind auf haben ihn Fotografie und Film fasziniert. «Als ich dann in der Fabrikhalle in Bülach gesehen habe, wie diese wie ein Puppenhaus für den Dreh eingerichtet ist, war's definitiv um mich geschehen», sagt Fuso. In dieser «Puppenwelt» wollte er auch mitspielen. Seine Arbeit als Autoverkäufer nahm ihn immer mehr in Beschlag. Er wollte mehr Zeit für sich haben und seinen Film-Traum.

So arbeitet er heute in der Nacht als Sortierer im Paketpostzentrum Frauenfeld und geht tagsüber zu Dreharbeiten. Bis zu hundert Tage jährlich sind es inzwischen. Fuso, Figur normal, 175 Zentimeter, Spielalter 46 bis 55 Jahre, ist bei einschlägigen Agenturen aufgeführt. Manchmal sind es mehrtägige Drehs, wie etwa im vergangenen Jahr.

Das ZDF drehte im Schwarzwald den Zweiteiler «Die Holzbaronin» mit Christine Neubauer, der in den 1930er-Jahren spielt. «Da bin ich ausnahmsweise mit meiner Frau hingefahren.» Immer wieder mussten sie wegen abgesperrter Strassen Umwege fahren, bis sie endlich ans Set gelangt sind. «Das war alles wegen der Dreharbeiten. Der Asphalt der Strassen war mit Kies überdeckt. Ich trug als Hochzeitsgast ein historisches Kostüm.» Fuso staunt immer wieder, wie viel Aufwand für die Filme betrieben wird.

Meist seriöse Figuren

Hollywood-Produktionen und deutsche Historienschinken sind bislang selten in Fusos Palmarès als Statist. Dafür scheint er auf seriöse Figuren in Schweizer Kino- und Fernsehfilmen abonniert zu sein, wie er selbst feststellt. Als Zivilfahnder oder Spurensicherer geht er in den Hunkeler-Krimis Mathias Gnädinger zur Hand. Als Oberst im Generalstab fliegt er in «Der «grosse Kater» mit Bruno Ganz im Super Puma auf die Axalp bei Brienz. Und in der Velokurier-Komödie «Dead Fucking Last» mit Mike Müller ist Fuso als Geschäftsmann zu sehen.

Einen halben bis einen ganzen Tag ist Fuso in der Regel am Set anwesend. Für seine Präsenz erhält er zwischen 80 und 100 Franken. Doch das Geld spielt für den Statisten aus Mettendorf eine untergeordnete Rolle. «Ich mach's aus Leidenschaft», sagt er.

Anbiedern ist verpönt

Natürlich kommt er an den Drehorten auch in Kontakt mit Schauspielern wie Mathias Gnädinger, Bruno Ganz oder Stefan Kurt. «Ich gehe von mir aus nie auf die Schauspieler zu, ausser die Rolle verlangt dies», sagt Fuso. Es sei in der Statisten-Szene ohnehin verpönt, sich mit den Stars anzubiedern.

So sucht man bei ihm zu Hause vergeblich nach Autogrammkarten oder ähnlichen Souvenirs. In ewiger Erinnerung bleiben ihm die Augenblicke, in denen er in «seinen» Filmen auftaucht.

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