Augen-Operationen im Unterhof von Diessenhofen

DIESSENHOFEN. Hedi Zeller entführte am Donnerstag 40 Besucher in die faszinierende Geschichte der Burganlage Unterhof in Diessenhofen, wo 1830 die erste Augenklinik der Schweiz eröffnet wurde.

Dieter Ritter
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Die Südansicht des Unterhofs. (Archivbild: Dieter Ritter)

Die Südansicht des Unterhofs. (Archivbild: Dieter Ritter)

Als das alte Frauengemach im Unterhof umgebaut wurde, fanden sich zwei Liebeslieder aus der Zeit um 1800. Im gotischen Zimmer stand in einer verdeckten Ecke die erste Badewanne der ganzen Gegend. Im Rittersaal bestaunten die 40 Besucher die älteste, gut erhaltene Holztüre des Kantons Thurgau. Mit solchen Geschichten wartete die pensionierte Lehrerin Hedi Zeller bei ihrer Führung am Donnerstag durch den Unterhof auf.

Zum Schutz der Rheinbrücke

Gebaut vor mehr als 800 Jahren diente die Anlage zuerst dem Schutz der Rheinbrücke. Später war sie Wohnsitz der Vertreter des Kyburger- und Habsburger-Geschlechts. Die Schaffhauser Familie Brunner übernahm 1783 den Unterhof. Berühmt war die Augenklinik von Johann Brunner, Sohn eines Augenarztes. Er führte im Unterhof die ersten Staroperationen der Schweiz durch. Räume im ersten Stock des Hauptgebäudes baute er in neun Patientenzimmer um, welche durch Kachelöfen beheizt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1980 vermietete Familie Brunner Wohnungen.

Verkauf als Glücksfall

Die Burg war baufällig geworden, das Dach undicht und einige Wohnungen verfügten nur über kaltes Wasser. Jahrzehntelang versuchten die Erben Brunner vergeblich, die Burg zu verkaufen, da sich die Familienmitglieder nicht einigen konnten. 1989 endlich kam der Verkauf an die Winterthur-Versicherung zustande, da diese bereit war, deutlich mehr als den geforderten Verkaufspreis zu zahlen. Die Winterthur renovierte die Anlage, richtete darin ein modernes Ausbildungszentrum ein und baute ein Seminarhotel. Total investierte die Winterthur mehr als 40 Millionen Franken.

Am Schluss der Führung lud der Verkehrsverein Diessenhofen als Organisator zu einem Apéro.