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Auf Luftsohlen zum Erfolg

MBT-Erfinder Karl Müller will von Roggwil aus mit neuen Schuhen, Matten und einem Laufband nochmals die Welt erobern. Es könnte noch schneller gehen als beim ersten Mal.
Markus Schoch
Neues Laufgefühl: Der kyBoot von Karl Müller, dessen Sohle aus einem weich-elastischen Luftpolster besteht. (Bild: kybun)

Neues Laufgefühl: Der kyBoot von Karl Müller, dessen Sohle aus einem weich-elastischen Luftpolster besteht. (Bild: kybun)

roggwil. Karl Müller steht in der Lounge im achten Stock seines kybun-Towers in Roggwil mit Blick weit ins Land. Vor drei Jahren verkaufte der Roggwiler die MBT-Markenrechte an eine Gruppe um den österreichischen Ex-Skirennfahrer Klaus Heidegger für gerüchteweise weit über 100 Millionen Franken. Der Wert der Firma war ungleich höher, doch verzichtete Müller auf drei Viertel des Preises für die Freiheit, seinen Traum eines neuartigen Fitness- und Gesundheitskonzeptes verwirklichen zu können. «Ich wollte nochmals bei null beginnen mit etwas ganz Neuem.»

Ideen trug er schon lange mit sich herum. Jetzt sind sie Realität geworden und haben einen Namen: kybun. Müller ist überzeugt: «Damit werde ich die Arbeitswelt revolutionieren.»

Matte, Schuh und Laufband

Seine neue Erfindung soll Bewegung in den Alltag bringen, indem die Menschen mehr stehen. Ein Widerspruch ist das nicht.

Müller hat eine weich-elastische Matte entwickelt, den kyBounder. Sie lässt den Fuss trampolinartig zurückfedern und soll das Gefühl vermitteln, als bewege man sich auf Waldboden oder Sand. In Müllers Firma in Roggwil stehen alle 15 Mitarbeiter auf einer solchen Unterlage an einem Pult, Stühle gibt es nicht mehr.

Müller selber geht noch einen Schritt weiter.

Er legt in seinem Büro am Stehtisch täglich etliche Kilometer auf dem kyTrainer zurück, einem neuartigen Laufband, das ähnliche Eigenschaften hat wie die Matte und über Extras wie Micro-Intervalle verfügt.

Zudem hat Müller einen neuen Schuh entworfen, den kyBoot. Das Besondere an ihm ist wie beim MBT die Sohle: Es ist ein Luftpolster, auf dem der Fuss bei jedem Schritt für einige Sekundenbruchteile in Schwebe gehalten wird, was die Gelenke schonen und den Rücken entlasten soll.

Lehrgeld bezahlt

«Wir wachsen schnell, stehen aber noch am Anfang», sagt Müller. Im Vergleich mit der Markteinführung des MBT seien sie «sehr weit voraus».

Schwarze Zahlen schreibt die Firma allerdings noch nicht. Es lief auch nicht alles nach Plan. Zuerst verlor Müller über 100 Millionen Franken, weil er bei Bankgeschäften auf die falsche Karte gesetzt hatte, wie er in einem Interview kürzlich freimütig bekannte. Dann musste er mit kybun Lehrgeld zahlen. Vom CEO trennte er sich wieder. Müller hat jetzt wieder alle Fäden der Firma selber in der Hand.

Für 4 Mio. Fr. Matten verkauft

Für vier Millionen Franken hat kybun in den letzten zwei Jahren Matten verkauft, unter anderem an über 40 Schulen im In- und Ausland. Aber auch Fussballvereine wie der HSV oder die Young Boys schwören auf den Federboden aus dem Oberthurgau. Arno Del Curto, der Trainer vom HC Davos, sagt sogar, ohne sie wäre seine Mannschaft nicht Schweizer Meister geworden. Von den Schuhen setzt Müller monatlich zwischen 1000 und 2000 Stück ab. Viele seiner neuen Kunden sind die alten: Sie haben MBT getragen.

Die seit zwei Monaten erhältlichen Laufbänder stehen bis jetzt vor allem in den eigenen Fitnessräumen in Roggwil.

Grosse Pläne

Müller hat grosse Pläne. Seine kybun-Produkte sollen so selbstverständlich in Büro und Haushalt werden wie Computer und Fernsehgerät. In sieben Jahren will er die westliche Welt mit kybun erobert haben.

Die Kunden vor Ort in Roggwil seien begeistert vom Konzept. «Warum sollten sie es in Bern oder New York nicht auch sein», fragt Müller. Und er erinnert daran, dass der MBT-Schuh heute von über 50 Firmen weltweit kopiert werde, nachdem er damit anfänglich von allen belächelt worden sei. «Ich habe die Schuhwelt revolutioniert.» Dieses Kunststück will Müller mit kybun auf breiterer Basis wiederholen.

Produktion zurückholen

Die Schuhe werden heute in Montebelluna in Italien entwickelt und teilweise von einem Roboter hergestellt. Im nächsten Sommer soll die Produktion in die Ostschweiz geholt werden, womit über 50 neue Arbeitsplätze geschaffen würden. Der Standortentscheid fällt gemäss Müller im Frühling. Bis dahin müssten die Fertigungsprozesse noch optimiert werden.

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