Auf langer Strecke unterwegs

FRAUENFELD. Mit viel Ausdauer leistet die Ausdauersportlerin Regula Brunner Freiwilligenarbeit. Sie hat die Ludothek gegründet, die Kodex-Stiftung geführt und den Stadtlauf organisiert. Marathonläufe kann sie jedoch keine mehr absolvieren.

Thomas Wunderlin
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Regula Brunner hat in Frauenfeld einiges bewegt; die Politik überlässt sie heute ihrer Tochter. (Bild: Stefan Beusch)

Regula Brunner hat in Frauenfeld einiges bewegt; die Politik überlässt sie heute ihrer Tochter. (Bild: Stefan Beusch)

FRAUENFELD. Gleich zweimal stand in letzter Zeit eine Checkübergabe in Regula Brunners Agenda. Am Montag spendierte der Frauenfelder Soroptimist-Club, bei dem sie Koordinatorin ist, je 1000 Franken an die Chinderarche und das Familienzentrum Sunnestrahl. Das Geld stammt vom Adventsschmuck, den die Mitglieder des Serviceclubs jeweils in der Eingangshalle des Kantonsspitals verkaufen. Und letzten Monat übergab Regula Brunner als OK-Präsidentin des Frauenfelder Stadtlaufs der Thurgauischen Krebsliga 3200 Franken. Die Liste ihrer freiwilligen Engagements ist lang.

Eine ihrer frühen Taten war die Gründung der Ludothek. Als ihre beiden Töchter noch klein waren, trat sie auch in den Vorstand des Elternvereins ein. Sie half bei der Organisation des Swisspower Gigathlons 2002 und des Eidgenössischen Turnfests 2007 mit. Von 2008 bis 2011 war sie Präsidentin der Frauenfelder Kodex-Stiftung. «Aus einem Projekt ergab sich oft die Idee für ein weiteres», erzählt Regula Brunner bei einem zweistündigen Gespräch im Frauenfelder Café Promenade. So hatte sie als Führerin für Altstadt- und Rathausrundgänge die Idee für Frauenrundgänge, die Einblick in die «Frauenwelt in Frauenfeld» gaben. Auch politisch hat sie sich engagiert. Von 2003 bis 2010 vertrat sie die FDP im Frauenfelder Gemeinderat, von 2006 bis 2008 auch im Grossen Rat.

Ausbildung absolviert

Politik überlässt sie inzwischen ihrer Tochter Linda, der Präsidentin der Thurgauer Jungliberalen. Und auch bei freiwilligen Engagements will sie sich zurückhalten. Denn in den letzten sechs Jahren hat sie sich in Bregenz und Salzburg zum Mentalcoach ausbilden lassen und will nun in ihrem Beruf etwas bewegen. Sie hilft Schülern, Berufsleuten und Sportlern, ihre Ressourcen zu aktivieren.

Allerdings ist zurzeit wieder eine Anfrage gekommen, die sie möglicherweise positiv beantworten wird. «Ich organisiere gern und kann auch wieder loslassen.» Brunner spricht mit gedämpfter Stimme, damit die Gäste an den andern Tischen nicht alles mithören. Extrovertiert ist sie nicht, aber sie traut sich, vor einem Publikum zu reden. «Ich bin initiativ, zuverlässig und habe Ausdauer. Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann bleibe ich dran.» Zu ihren Stärken gehört, dass sie gut zuhören kann. Diese kann die ehemalige Praxisassistentin und Handelsschülerin in ihrem neuen Beruf gebrauchen. So hat sie einen ausgebrannten entlassenen Lehrer begleitet, bis er wieder eine Stelle fand. Sie half ihm, Eigenverantwortung zu übernehmen. «Das passt zu meiner politischen Haltung.» Ihr Klient hatte sich für ein Nichts gehalten, als er zu ihr kam. «Mit der Einstellung, du kannst nichts, findest du auch keine Stelle.» Er lernte, sich zu entspannen, sich auf seine Stärken zu besinnen und nicht ständig einen Kampf auf alle Seiten zu führen. Den Wendepunkt hatte er erreicht, als er auf eine Bewerbung die Rückmeldung erhielt, er habe einen interessanten Lebenslauf.

Einen Wendepunkt in ihrem Leben erreichte seine Mentaltrainerin vor sechs Jahren, als sie mit dem Ausdauersport aufhören musste. Der Grund waren Spätfolgen von Unfällen aus der Jugendzeit. Unter anderem war sie einmal von einem Pferd gestürzt.

Schon als sie 24 Jahre alt war, war ihr aus medizinischen Gründen von Ausdauersport abgeraten worden. Sie hielt sich nicht daran, ihr Bewegungsdrang liess sich nicht zähmen.

Einen Traum erfüllt

Als Vierzigjährige erfüllte sie sich einen Traum und absolvierte den New York Marathon. Sie lief entspannt und genoss den Lauf. Ihr Ziel war es nur, ans Ziel zu kommen, was ihr in einer beachtlichen Zeit von weniger als vier Stunden auch gelang. Sie absolvierte den Engadiner Skimarathon. Sie wanderte mit ihrem Mann zweimal ins Tessin, einmal mit den Kindern zusammen. Doch heute muss sich die OK-Präsidentin des Frauenfelder Stadtlaufs persönlich auf Aquafit und Nordic Walking beschränken.

Die Schmerzen bei längeren Läufen werden jeweils zu gross. Nur eine Rückenoperation könnte ihr vielleicht helfen. Sie hat sich dagegen entschieden, weil der Erfolg zu ungewiss ist.

Ab und zu rennt sie trotz allem wieder los. «Wenn ich das Gefühl habe, ich will rennen, dann gehe ich.» Das letzte Mal war es im November der Fall. Nach fünf Kilometern musste sie aufhören. «Es tat weh, aber es ging mir gut.»

Checkübergabe in der Chinderhüeti: Christina Hess (Hüeti-Lehrtochter) Regula Brunner (Soroptimist), Gabriela Foulis (Chinderarche-Leiterin), Tina Bodmer (Soroptimist-Präsidentin), Ruth Kern (Soroptimist). (Bild: Stefan Beusch)

Checkübergabe in der Chinderhüeti: Christina Hess (Hüeti-Lehrtochter) Regula Brunner (Soroptimist), Gabriela Foulis (Chinderarche-Leiterin), Tina Bodmer (Soroptimist-Präsidentin), Ruth Kern (Soroptimist). (Bild: Stefan Beusch)

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