Auf Geisterjagd

Tom Spengler aus Konstanz erforscht paranormale Phänomene. Vor kurzem war er im Schloss Frauenfeld.

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Schloss Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Schloss Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Herr Spengler, was ist Ihre Aufgabe als Geisterjäger?

Tom Spengler: Erstmal sind wir keine Geisterjäger. Mein Team und ich möchten, dass die Parapsychologie eine anerkannte Wissenschaft wird. Deshalb versuchen wir, Belege für oder gegen die Existenz von paranormalen Phänomenen zu finden.

Sie meinen Geister?

Spengler: Wir benutzen lieber das Wort «Wesenheiten». Geister sind für viele Menschen Verstorbene, die in einem weissen Gewand herumspuken. Wir aber befassen uns mit paranormalen Phänomenen, wie zum Beispiel Gerüchen oder Geräuschen, für welche es bis dato noch keine plausible Erklärung gibt.

Und von wem kommen diese Geräusche?

Spengler: Das kann beispielsweise die Seele eines Menschen sein, der an diesem Ort verstorben ist und noch in einer sogenannten «Zwischenwelt» herumirrt. Wobei aber primär eine rationale Erklärung gesucht wird.

Das Ganze ist also auch eine Glaubenssache?

Spengler: Genau. Es geht dabei um die Frage, was nach dem Tod kommt. Wir Parapsychologen denken, dass die Seele nach einem klinischen Tod weiterlebt und danach entweder in einer Zwischenwelt landet oder weitergeht. Mit diesen Wesen aus der Zwischenwelt versuchen wir Kontakt aufzunehmen.

Wie stellen Sie das an?

Spengler: Dazu benutzen wird verschiedene Geräte. Zum Beispiel Tonbänder, um Geräusche aufzunehmen, oder Infrarotkameras, um Schatten oder Bewegungen zu fotografieren beziehungsweise zu filmen.

Wie geht es weiter, wenn Sie irgendwo ein Wesen ausfindig gemacht haben?

Spengler: Wir versuchen, mit diesem Kontakt aufzunehmen. Dazu stellen wir ihm eine direkte Frage. Wenn sich innert zehn Sekunden eine Reaktion – zum Beispiel in Form eines Geräusches – zeigt, darf man vorerst annehmen, dass es sich dabei um die Antwort eines Wesens handelt. Die Auswertung bestätigt diese Annahme oder verwirft sie.

Versucht Ihr Team danach, dieses Wesen irgendwie zu beseitigen?

Spengler: Nein. Erstens können wir das nicht, und zweitens ist es nicht unsere Aufgabe. Wir möchten nur Belege für die Existenz oder Nichtexistenz dieser Wesen.

Sie waren vor kurzem im Schloss Frauenfeld, um nach Belegen für diese Existenz zu suchen.

Spengler: Richtig. Wir schrieben das Schloss an, in der Hoffnung auf etwas zu stossen. An historischen Plätzen, an welchen Leute gestorben sind, wie zum Beispiel in KZ-Lagern oder Verliesen wurden in der Vergangenheit oft grenzwissenschaftliche Phänomene gefunden. Leider verlief die Suche in Frauenfeld ergebnislos.

Eine Enttäuschung?

Spengler: Nein, das kann schon mal passieren. Für unser Team war die Suche trotzdem eine gute Erfahrung. Auch wenn viele an unserer Arbeit zweifeln, werden wir auch nach solchen Ereignissen weitermachen.

Warum glaubt heutzutage fast niemand an Geisterwesen?

Spengler: Viele Menschen glauben leider nur das, was sie mit eigenen Augen sehen können. Bei Tieren oder kleinen Kindern ist das anders, die sind viel sensibler und spüren, wenn etwas Eigenartiges in der Nähe ist. Im Erwachsenenalter handelt man solche Dinge meist als Einbildung ab, weil uns dafür eine plausible Erklärung fehlt.

Und Sie wollen diese Erklärung finden?

Spengler: So ist es. Vor 300 Jahren glaubte keiner, dass die Erde rund sei, der Gedanke war völlig absurd. Heute ist es genau umgekehrt. Niemand kann sich mehr vorstellen, dass die Erde eine Scheibe ist. Genauso wird es sich hoffentlich mit der Parapsychologie verhalten. In hundert Jahren haben wir vielleicht eine Erklärung für Geistererscheinungen und können uns gar nicht mehr vorstellen, dass heutzutage niemand an solche geglaubt hat.

Interview: Tanja Weibel

Tom Spengler Leader Paranormal Ghosthunters (Bild: Quelle)

Tom Spengler Leader Paranormal Ghosthunters (Bild: Quelle)

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