Auf einmal fehlt der Veloweg

Der Velostreifen bei Schlattingen endet einfach bei einem Abzweiger. Bewohner wollen diesen Streifen zurück – nicht zuletzt für die Sekschüler, die nun wieder nach Diessenhofen trampen.

Gudrun Enders
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Diese Velofahrerin ist auf dem Weg nach Schlattingen. Beim Abzweiger Richtung Basadingen hört der Velostreifen auf. (Bild: Reto Martin)

Diese Velofahrerin ist auf dem Weg nach Schlattingen. Beim Abzweiger Richtung Basadingen hört der Velostreifen auf. (Bild: Reto Martin)

SCHLATTINGEN. «Wir fühlen uns um unseren Veloweg betrogen.» Das sagt Peter Mathys, Gemeindepräsident von Basadingen-Schlattingen. Er musste deswegen schon mehrfach an Gemeindeversammlungen Reklamationen entgegennehmen. Das letzte Mal stand Beatrix Brauchli auf. Die gebürtige Schlattingerin fährt jeden Morgen um 5.50 Uhr nach Diessenhofen zur Arbeit. Oft ist sie mit dem Velo unterwegs. «Der Velostreifen gibt mir Sicherheit», sagt sie.

Kanton fräste gelbe Linie weg

Doch auf einem Teilstück war der gelbe Streifen plötzlich verschwunden. «Die Bevölkerung wurde nicht informiert», sagt Brauchli.

Warum ausgerechnet der Velostreifen auf etwa 300 Meter fehlt, kann Gemeindepräsident Mathys erklären. Bei diesem Abschnitt handle es sich um eine Kantonsstrasse. Auf der Gemeindestrasse dagegen ist der Veloweg noch erhalten.

Warum hat der Kanton die gelbe Linie weggefräst? «Sie entspricht nicht der Norm», sagt Andreas Gsell, beim Thurgauer Tiefbauamt Ressortleiter für Verkehrsanordnungen und Signalisation. Würden Markierungen erneuert, kämen auf Initiative von Pro Velo Thurgau auch die gelben Radstreifen auf den Prüfstand. «Wenn sie nicht breit genug sind, bieten sie eine falsche Sicherheit», sagt Gsell. In diesem konkreten Fall sei die Strasse nur knapp acht Meter breit, der Veloweg selbst hatte nicht einmal 1,15 Meter Breite. Für einen sicheren Velostreifen müsste die Strasse mindestens einen halben Meter und der Veloweg 40 Zentimeter breiter sein. Das jedenfalls sagt die Norm. «Wir gehen durchaus Kompromisse ein», sagt Andreas Gsell. Doch in dem Fall seien die Normen zu stark unterschritten worden.

Autos werden ausgebremst

Doch die Schlattinger würden sich auch mit schmalerem Velostreifen noch sicherer fühlen als ohne. Das hat einen eigenen Grund: «Seit der Streifen fehlt, fahren die Autos schneller», sagt Beatrix Brauchli aus Erfahrung. Das bestätigt Gemeindepräsident Peter Mathys: «Die gelbe Linie verengt die Strasse optisch und die Autofahrer werden automatisch langsamer.»

Das würde auch mehr Sicherheit für die Schlattinger Sekschüler bedeuten, die seit dieser Woche wieder nach Diessenhofen trampen. Deshalb ist für Beatrix Brauchli klar: «Ich wünsche mir die gelbe Linie zurück.»