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Auf der Suche zwischen mir und uns

Das internationale Kunstprojekt «meer teilen:share moore» ist in Frauenfeld angekommen. 17 Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, Kroatien, Peru und Kolumbien versuchen sich in Annäherungen an ein modernes, «gutes Leben». Nächsten Dienstag starten öffentliche Workshops.
Mathias Frei
Im Austausch: Kurator Harm Lux und die Gruppe von 17 Künstlerinnen und Künstlern in der Shedhalle im Eisenwerk. (Bild: Reto Martin)

Im Austausch: Kurator Harm Lux und die Gruppe von 17 Künstlerinnen und Künstlern in der Shedhalle im Eisenwerk. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Am Ende steht eine Utopie – die des «buen vivir», des «guten Lebens». Am Anfang war es ein Spagat zwischen einer jahrhundertealten Kulturtechnik indigener Kulturgruppen der südamerikanischen Anden und der modernen Konsumgesellschaft. Dazwischen stehen 17 Kunstschaffende aus dem Thurgau, aus Zagreb, Bogota und Lima. Sie beschäftigen sich mit Ansätzen moderner Sozialutopien.

Kochen ist der erste Schritt

«Ich habe sie gezwungen, sich zu organisieren», sagt Kurator Harm Lux. Sie: Das sind die 17 Künstlerinnen und Künstler, der 18. konnte nicht nach Europa reisen. Die Organisation des Zusammenlebens beginnt beim Kochen und den Essenszeiten. Am einen Ende der Shedhalle im Eisenwerk steht ein «round table» voller Laptops, am anderen auf einem Tisch Platten mit Causa, dem peruanischen Nationalgericht aus Kartoffeln, Avocado und Thunfisch. So ist gestern Nachmittag der peruanische Nationalfeiertag begangen worden. Danach haben die ersten Künstlerpräsentationen begonnen. So erfahren die Kunstschaffenden voneinander, über Arbeit und Methoden der anderen, die hier in Frauenfeld gemeinsam eine Ausstellung konzipieren und realisieren sollen. Das Thurgauer Künstlerduo Steffenschöni hat den Anfang gemacht.

Per Skype und Face-to-Face

Seit vergangenem September waren die Kunstschaffenden durch Kurator Harm Lux dazu angehalten, sich in Bogota, Lima, Zagreb und im Thurgau regelmässig zu treffen und sich auszutauschen. Im Februar bildete Lux vier neue Skype-Gruppen mit je einer Person aus den vier Ländern. Es standen zweimal pro Monat jeweils 30 bis 40 Minuten Videochat-Diskussionen an. Vor kurzem traf man sich erstmals ausserhalb des Digitalen für eine Woche in Zagreb. Dort arbeiteten die vier Gruppen ihre Zugänge zum «buen vivir» und die Übersetzungen in die kapitalistische Moderne weiter aus.

Empathie ist der Schlüssel

«Buen vivir», das ist ressourcenorientierter Umgang mit Materiellem, das ist aber auch soziale und spirituelle Zufriedenheit als Individuum und zugleich als Teil des Kollektivs. Eine Art von Pluralismus, der stark von Empathie geprägt ist.

Kurator Harm Lux kann noch nicht sagen, in welche Richtung die umzusetzenden Ideen die Ausstellung leiten, die am 13. August Vernissage feiert. Seine Vorgabe ist aber eine «lively construction», eine lebendige Konstruktion, die «während der gesamten Ausstellungszeit in Bewegung bleibt».

Armeeareale und Permakultur

Die Herangehensweisen der vier Gruppen sind einmal ethnographisch, ein anderes Mal performativ. Ein Gruppe hat sich mit Permakultur auf einer «recycled farm» nahe Zagreb und in diesem Zusammenhang mit einem leerstehenden Armeegelände an der Küste auseinandergesetzt. Eine andere Gruppe hat eine Liste von über hundert «Gewissensfragen» erstellt in verschiedenen Sprachen, die um Themen wie persönliche Bedürfnisse und gemeinschaftliche Erfordernisse kreisen. Zum Erzählen von Geschichte und Geschichten sowie zum Erinnern hat sich eine dritte Gruppe Gedanken gemacht. Dabei steht der Gegenstand Wasser im Zentrum der Arbeit, von südamerikanischen Vorstädten ohne jegliche Versorgungsinfrastruktur bis zu schamanistischen Reinigungen. Die vierte Gruppe hat sich mit sozialen Subkulturen und ihrem Umgang mit der Ressource Raum befasst. Es wurden verlassene Industrieareale besucht, die alsbald von der Natur zurückerobert werden könnten, «Geisterhäuser» im historischen Zagreb, die nur noch touristisch genutzt werden, Nachbarschaftskollektive und besetzte Häuser.

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