Auf der Suche nach Etzwiler Akzeptanz

Bei der direktbetroffenen Etzwiler Bevölkerung hat das geplante Geothermiekraftwerk auf dem dortigen Bahnhofareal noch einen verhältnismässig schweren Stand. Das wurde an der gestrigen Infoveranstaltung offensichtlich.

Mathias Frei
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Frühestens 2020 könnte auf dem Etzwiler Bahnhofareal Strom produziert werden. (Bild: Reto Martin)

Frühestens 2020 könnte auf dem Etzwiler Bahnhofareal Strom produziert werden. (Bild: Reto Martin)

KALTENBACH. In Etzwilen, wo ab 2016 für ein Geothermiekraftwerk auf dem Areal der SBB gebohrt werden könnte, leben rund 300 Menschen. Mehr als ein Viertel der Einwohnerschaft war gestern an «ihrer» Informationsveranstaltung der Politischen Gemeinde Wagenhausen zugegen. In bis zu 4500 Metern Tiefe soll Wasser erwärmt werden, das hernach Turbinen zur Stromproduktion antreiben wird. 6000 Haushalte könnten mit der Energie bedient durch das Kraftwerk, das 80 bis 100 Millionen Franken kosten soll. Die Erwartungen in Etzwilen sind aber keineswegs nur positiv.

Wo ist für wen das Optimum?

«Es ist immer ein Optimieren», stellte Peter Meier, CEO der projektführenden Geo Energie Suisse, fest. Und bei diesem Optimieren stehen Aspekte wie Lärmimmissionen, Lichtverschmutzung, Beeinträchtigungen des Grundwassers und vor allem Erschütterungen im Zentrum.

Die Stimmung ist nicht nur wegen der schlechten Lüftung in der Kaltenbacher Turnhalle um einiges erhitzter als noch bei der Projektpräsentation vor Monatsfrist. Auch die Fragen und Bemerkungen, die sich zum Teil ein wenig im Kreis drehen, sind kritischer und bissiger.

Für Meier ist das Etzwiler Projekt in zweierlei Hinsicht eine Nagelprobe. Einerseits gehe es um die Technologie, anderseits aber auch um die Akzeptanz für die Sache an sich.

Entscheide stehen noch aus

Die Geo Energie Suisse habe entschieden, aktiv und frühzeitig zu informieren. Dies ist, wie Wagenhausens Gemeindeammann Harry Müller betonte, im Sinn des Gemeinderats. Aus diesem Grund stehen aber auch noch viele wichtige Entscheide aus: die Lage des Bohrlochs, die Anordnung der Anlage, Luftkühlung ohne Dampf oder leisere Wasserkühlung. Auch die Gespräche der Projektfirma mit den SBB betreffend Landerwerb sind noch am Laufen. Ebenfalls angelaufen ist beim Kanton die Umweltverträglichkeitsvorprüfung.

Kompetent und glaubwürdig

Mit Jürg Hertz, dem Chef des Amts für Umwelt, und Andrea Paoli, Leiter der Abteilung Energie beim Kanton, brachten die zwei unabhängigen Experten am Tisch viel Sachkompetenz und Glaubwürdigkeit in die Runde. Danach dürsten, so schien es gestern während der zweidreiviertelstündigen Veranstaltung, die Etzwiler – die positiv eingestellten und die negativ-kritischen. Hertz sagte zur Prüfung des Projekts, Grundvoraussetzung sei, dass alle Grenzwerte eingehalten würden.

Ein anderes Anliegen mehrerer Anwesenden ist auch die Nutzung der Abwärme. Gemeindeammann Müller sieht die Abwärme neben der technologischen Leuchtturmwirkung und dem finanziellen Aspekt als einen Vorteil für die Gemeinde. Und am liebsten wäre es ihm, wenn es gegen das zukünftige Baugesuch gar keine Einsprachen mehr gibt, weil alle Bedenken und Befürchtungen schon im voraus aus der Welt geschafft werden konnten.

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