Auf der falschen Strassenseite

Wäre der Unfall in Russland passiert, hätte das Thurgauer Obergericht den Unfall vom 7. Januar 2011 bei Weiningen vermutlich mit Videoaufnahmen rekonstruieren können.

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Wäre der Unfall in Russland passiert, hätte das Thurgauer Obergericht den Unfall vom 7. Januar 2011 bei Weiningen vermutlich mit Videoaufnahmen rekonstruieren können. Denn viele russische Autofahrer haben wegen der vielen Unfälle zu Beweiszwecken eine Videokamera fest hinter der Frontscheibe installiert; deswegen gab es vom kürzlichen Kometeneinflug im Ural so viele Aufnahmen. Auch der 42jährige Einrichter von Getränkeautomaten, der am Mittwoch freigesprochen werden wollte, hatte Videoaufnahmen gemacht, allerdings erst nach dem Unfall.

Zusammenstoss bei Weckingen

An jenem Freitag hatte er mit seinem Skoda Octavia von Stein am Rhein nach Frauenfeld fahren wollen, um etwas einzukaufen. Bei Weckingen, kurz nach der Einmündung in die Hauptstrasse Hüttwilen–Weiningen, stiess er mit einem VW Golf zusammen. Das Bezirksgericht verurteilte ihn wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Busse von 500 Franken. Der Schuldspruch stützte sich vorwiegend auf die Aussagen der Golf-Fahrerin und ihres Mannes, die das Gericht für glaubwürdig hielt. Sie sagten, der Skoda sei ihnen auf ihrer Fahrbahnseite entgegengekommen. Die Golf-Fahrerin sei erschrocken und auf die Gegenseite ausgewichen. Darauf soll der Skoda-Fahrer seinerseits auf seine Fahrbahn zurückgeschwenkt sein. Die beiden Autos stiessen gemäss Gutachten in einem Winkel von 130 Grad zusammen. Der Ehemann der Golf-Fahrerin und der Skoda-Fahrer erlitten Prellungen am Oberkörper, der Skoda-Fahrer verletzte sich zusätzlich am Knie. Die Golf-Fahrerin blieb unverletzt. Das Obergericht hat noch kein Urteil gesprochen.

Höchstens nahe der Mitte

Nach Aussagen des Skoda-Fahrers war er nicht auf die Gegenfahrbahn geraten, höchstens nahe der Mittellinie gefahren. Er sei nach rechts ausgewichen, als er den Golf gesehen habe, der ihm nahe der Mittellinie entgegenkam. Die Insassen seien am Sprechen gewesen. Laut seinem Anwalt kann der Unfall nicht mehr rekonstruiert werden. «Im Grunde steht immer noch Aussage gegen Aussage.» (wu)

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