Auf dem Nollen ist Gott mit dabei

Am 1. August findet auf der Thurgauer Rigi ein ökumenischer Gottesdienst statt. Die Veranstalter schliessen eine evangelikale Ausrichtung nicht aus. Gäste sind Bundeshaus-Beter Beat Christen und Bauernpräsident Markus Ritter.

Inge Staub
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Markus Ritter CVP-Nationalrat und Präsident Schweizer Bauernverband (Bild: Urs Jaudas)

Markus Ritter CVP-Nationalrat und Präsident Schweizer Bauernverband (Bild: Urs Jaudas)

FRAUENFELD. Der 1. August rückt näher. Den Nationalfeiertag prägen im Thurgau die Ansprachen von Thurgauer Politikerinnen und Politikern. Aus dem Rahmen fällt eine Feier auf dem Nollen. Der Wuppenauer Pfarrer Marcel Ruepp und Christa Heyd, freischaffende Pfarrerin, veranstalten einen ökumenischen Gottesdienst zum Thema «Betet, freie Schweizer betet» mit einem besonderen Gast, mit Beat Christen, bekannt als Bundeshaus-Beter. Eingeladen sind mit CVP-Nationalrat und Bauernpräsident Markus Ritter, den Thurgauer Kantonsräten Wolfgang Ackerknecht (EVP) und Hans Trachsel (EDU) auch drei Politiker. Sie werden keine Ansprache halten, sondern ein Gebet sprechen. «Parteien spielen an diesem Anlass keine Rolle, es geht darum, gemeinsam Gott zu danken», sagt Christa Heyd.

Lobbyist des lieben Gottes

Mit Beat Christen kommt ein Gast auf die Thurgauer Rigi, der seit Jahrzehnten auf spezielle Weise für die Sache Gottes unterwegs ist. Vor 20 Jahren erhielt der Oberaargauer einen festen Zutritt ins Bundeshaus als Beter und «Lobbyist des lieben Gottes». In dieser Funktion spricht er Parlamentarier an, betet für sie und gründet Gebetsgruppen. Er sagt: «Ich möchte, dass sich unsere Politikerinnen und Politiker unseres biblischen Fundaments bewusst sind.» Christen verweist auf die Präambel in der Bundesverfassung «Im Namen Gottes des Allmächtigen». Beat Christen ist Mitglied der Reformierten Kirche und Sekretär der Parlamentarischen Gruppe Christ + Politik. Er ist bei der Vereinigten Bibelgruppe (VBG) aktiv. Die Organisation ist bibeltreu und hat eine freikirchliche Ausrichtung.

Mit ähnlichem Einsatz wirkte Christa Heyd in den vergangenen Jahren in Appenzell. Über Jahre hatte sie die Schwägalp-Kapelle für ihren 1.-August-Gottesdienst «abonniert». An Gebetstreffen auf dem Gipfel des Säntis rief sie dazu auf, für das Land zu beten.

Im vergangenen Jahr fand der Gottesdienst auf dem Nollen zum ersten Mal statt. Es fiel auf, dass drei Fahnen gehisst wurden – die Schweizer, die Thurgauer und die israelische Landesflagge.

Mit Begeisterung abholen

Was erwartet die Besucher in diesem Jahr? Pfarrer Marcel Ruepp betont, dass es dieses Mal keine israelische Flagge geben werde. Allerdings könne es sein, dass der Gottesdienst evangelikal geprägt sein werde. «Das ist aber nicht schlecht. Alles, was überspitzt ist, strahlt aus.» Ruepp betont: «Wir wollen die Menschen mit Begeisterung abholen.» Bauernpräsident Markus Ritter hat damit keine Probleme. Er sagt, der Gottesdienst sei konfessionell neutral. Er nehme teil, weil er ein gläubiger Katholik und die Landwirtschaft christlich ausgerichtet sei.

Christa Heyd wehrt sich gegen Begriffe wie «evangelikal» oder «Missionierung». Sie betont, dass es beim Gottesdienst auf dem Nollen vor allem um die Hauptperson gehe. «Wir haben Gott unser Land zu verdanken. Er steht am Anfang der Bundesverfassung.» Die Schweiz sei auf einem Gottesbund gegründet. «Das ist ein Zeichen.» Die Bundesverfassung sei ein kostbares geistliches Erbe, das wieder neu entdeckt werden müsse.

Doch: Ist es nötig, dass Christen, die über eigene Feiertage verfügen, am staatlichen Nationalfeiertag mitmischen? Marcel Ruepp findet, der staatliche Feiertag solle nicht total säkularisiert sein. «Schliesslich spielt Gott in unserer Landeshymne auch eine Rolle.» Auch die Kirchen sollten sich am 1. August einbringen dürfen, sagt Markus Ritter.

Der Kirchenrat der Evangelisch-Reformierten Landeskirche beider Appenzell hat diese Frage vor drei Jahren anders beantwortet. Er entschied, den Gottesdienst von Christa Heyd in der Schwägalp-Kapelle zu streichen, da der 1. August kein kirchlicher Feiertag sei. Inzwischen gibt es wieder Gottesdienste zum Nationalfeiertag in der Kapelle am Fusse des Säntis. Koni Bruderer, Präsident des Kirchenrates, sagt: «Die Streichung der 1. -August-Feier kam nicht gut an. Wir haben sie deshalb wieder eingeführt.»

Christa Heyd hat währenddessen mit dem Nollen einen neuen «heiligen Berg» gefunden.

Beat Christen Bundeshausbeter, gründet in Bern Gebetsgruppen (Bild: pd)

Beat Christen Bundeshausbeter, gründet in Bern Gebetsgruppen (Bild: pd)

Weht in Thurgauer Landschaft: Eine Schweizer Fahne am 1. August. (Bild: Nana do Carmo)

Weht in Thurgauer Landschaft: Eine Schweizer Fahne am 1. August. (Bild: Nana do Carmo)