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Auch Tierschützer aufgeschreckt

Das Buch «Tiere klagen an» des früheren Zürcher Tieranwalts Antoine F. Goetschel rüttelt selbst Tierschützer wach – das zeigte die Vernissage in Frauenfeld.
Brenda Zuckschwerdt
Antoine F. Goetschel (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

Antoine F. Goetschel (Bild: Brenda Zuckschwerdt)

FRAUENFELD. Man war «en famille» an der Vernissage des Buches «Tiere klagen an» in der Kantonsbibliothek. Der Thurgauische Tierschutzverband (TTSV) hatte zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, gekommen waren nur wenige Gäste. Der harte Kern der Thurgauer Tierschützer, wie der Moderator, der TZ-Redaktor Marc Haltiner, anmerkte. Genau das ist das grosse Problem des Tierschutzes: Er erreicht immer die gleichen Leute, nämlich die, die sich schon engagieren.

Antoine F. Goetschel aber will mit seinem Buch auch die anderen ansprechen. Seit 30 Jahren setzt sich der Anwalt für die Rechte der Tiere ein, Goetschel war Mitbegründer der Stiftung für das Tier im Recht und übte in Zürich drei Jahre lang das Amt des Tieranwalts aus. Das Buch sei für ihn eine «Chropfleerete» gewesen, sagte er an der Vernissage. Dabei will er nicht belehren und auch nicht die Welt retten. Er will vielmehr das Bewusstsein für einen gerechten Umgang mit dem Tier wecken.

Vom Buch wachgerüttelt

Als er das Buch gelesen habe, habe er zuerst einmal einen Schreck bekommen, sagte Rico Schneider vom TTSV. «Plötzlich wurde mir bewusst, was hinter der Packung Chicken Nuggets bei McDonald's steht.» Auch Toni Kappeler, Kantonsrat und Präsident der Pro Natura Thurgau, hat das Buch aufgerüttelt. Er brachte ein Stück Papier zur Vernissage mit. Nach dem Lesen des Buches sei er die Verordnungen durchgegangen und habe mit Entsetzen festgestellt, wie klein die Fläche ist, auf der ein Schwein lebt. «Wäre ich eine Sau, hätte ich nur so viel Platz zur Verfügung», sagte er und kauerte sich umständlich auf das Papier.

«Wir schauen gerne weg»

«Wir schauen gerne weg», sagte auch GP-Kantonsrätin Silvia Schwyter, «was hinter geschlossenen Stallwänden geschieht, wollen wir gar nicht sehen.». Bei den Jeans wolle jeder ein Markenprodukt, nur beim Fleisch nicht.

Die Anwesenden waren sich einig, dass es bis heute nicht gelungen ist, die breite Bevölkerung für den Tierschutz zu sensibilisieren. Der Weg dorthin müsse ein Weg der kleinen Schritte sein, fand Claudia Wirz, Journalistin der Neuen Zürcher Zeitung. Protestaktionen mit extremen Forderungen brächten wenig. Stattdessen müsse man versuchen, die Konsumenten mit positiven Nachrichten einzubinden. «Wir sollten weniger predigen und dafür mehr mit der Wirtschaft zusammenspannen.»

Professioneller werden

Die Gesellschaft sei gespalten, auf der einen Seite die Tierschützer, auf der anderen Seite die Konsumenten, sagte Buchautor Antoine F. Goetschel. Die Konsumenten delegierten die Verantwortung an die Tierschutzvereine, statt sie selber zu übernehmen. Gleichzeitig müsse der Tierschutz professioneller werden. Goetschel hält es durchaus für denkbar, in Zukunft Tierschützer auszubilden. Sie könnten mit Fachwissen und Kompetenz mehr Einfluss nehmen.

Reinhold Zepf jedenfalls, Präsident des TTSV, hat das Buch motiviert. Bisher sei er der Meinung gewesen, der Tierschutz habe sich in den letzten zehn Jahren wesentlich verbessert. Nach der Lektüre des Buches sei er anderer Ansicht: «Ich glaube, wir müssen uns wieder dahinterklemmen.»

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