Auch die Stadt Kreuzlingen stellt Unterkünfte bereit

KREUZLINGEN. Das Erstaufnahme- und Verfahrenszentrum (EVZ) für Asylsuchende in Kreuzlingen platzt aus allen Nähten. Der Bund muss deshalb Asylsuchende an anderen Standorten unterbringen.

Martin Rechsteiner
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Das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Kreuzlingen. (Bild: Nana do Carmo)

Das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Kreuzlingen. (Bild: Nana do Carmo)

KREUZLINGEN. Das Erstaufnahme- und Verfahrenszentrum (EVZ) für Asylsuchende in Kreuzlingen platzt aus allen Nähten. Der Bund muss deshalb Asylsuchende an anderen Standorten unterbringen. Im Dialog mit den Kantonen und Gemeinden versucht der Bund nun, zusätzliche provisorische Unterkünfte zu finden. Neu hat sich Sulgen bereit erklärt, Asylsuchende in der Luftschutzanlage wohnen zu lassen.

Im Kanton Thurgau ist das Staatssekretariat für Migration bis jetzt vor allem in Kreuzlingen fündig geworden: Dort hat es seit dem letzten Frühling die Zivilschutzanlage Fohrenhölzli und das Feuerwehrdepot Ost gemietet. Zusammen umfassen die beiden Anlagen weitere 172 Betten für Asylsuchende. Das EVZ selbst bietet Platz für 290 Personen.

Die Suche nach temporären Unterkünften für Asylsuchende sei indes schwierig, sagt Martin Reichlin vom SEM. «Erst einmal muss eine geeignete Anlage zur Verfügung stehen. Dies trifft beispielsweise längst nicht auf alle Zivilschutzanlagen in der Schweiz zu», sagt er. Diese müsste zudem frei sein, also weder von der Armee, der Gemeinde oder anderen Organisationen gebraucht werden. Dann müssten der betroffene Kanton und die Gemeinde einverstanden sein. «So etwas funktioniert natürlich nur im Konsens aller Beteiligten», betont Reichlin. Als weiteres Kriterium müsse die Gemeinde eine Anlage innert kurzer Zeit zur Verfügung stellen können. Diese Kriterien trafen auf Sulgen zu, weshalb in der Gemeinde nun eine temporäre Unterkunft eingerichtet wird.

Plätze rasch organisieren

«Die Plätze werden aufgrund der aktuellen Lage rasch benötigt», betont Reichlin. Ob im Kanton Thurgau weitere Gemeinden dem Beispiel Sulgen folgen werden, kann Martin Reichlin noch nicht sagen. Der Bund suche aber weiter nach Unterbringungsmöglichkeiten. «Im Vordergrund stehen dabei Erweiterungen innerhalb oder nahe von bestehenden Asylzentren», so Reichlin. Konkrete Entscheide könne das Staatssekretariat für Migration aber erst nach einer Einigung mit in Frage kommenden Kantonen, Gemeinden oder Privaten kommunizieren.

Asylsuchende bleiben 90 Tage

Empfangszentren gibt es in fünf Grenzkantonen. Diese dienen dazu, Einreisende zu registrieren, medizinisch zu prüfen und Asylgesuche aufzunehmen. Die maximale Aufenthaltsdauer beträgt 90 Tage. Asylsuchende, deren Gesuch nicht im EVZ entschieden werden kann, werden bis zum Abschluss des Asylverfahrens gemäss einem Verteilschlüssel einem Kanton zugeteilt und dort in einem Durchgangsheim untergebracht und betreut.

Die sechs kantonalen Durchgangsheime im Kanton Thurgau bieten 300 Asylsuchenden Platz. Allein in den Sommermonaten Juli und August habe der Thurgau jedoch 150 Asylsuchende zugewiesen bekommen, heisst es beim kantonalen Sozialamt. Im September seien es weitere 50 gewesen, im Oktober bis jetzt 53.

Das EVZ in Kreuzlingen wird umgebaut. Im Jahr 2021 will der Bund dort ein Ausreisezentrum einrichten. Es soll als Unterkunft für 310 Personen dienen, deren Asylantrag abgelehnt worden ist und die ausreisen müssen.

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