Auch die Reformierten können beichten

FRAUENFELD. Die christlichen Kirchen kennen eine Vielfalt von Formen im Umgang mit Konflikten und Schuld.

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Doris Kellerhals Oberin des Diakonissenhauses Riehen (Bild: pd)

Doris Kellerhals Oberin des Diakonissenhauses Riehen (Bild: pd)

FRAUENFELD. Die christlichen Kirchen kennen eine Vielfalt von Formen im Umgang mit Konflikten und Schuld. Der reformierte Frauenfelder Pfarrer Jürg Buchegger machte zu Beginn der ökumenischen Tagung «frei werden, versöhnen, beichten» am Samstag klar, dass die Beichte als konfessionsunterscheidendes Merkmal nicht taugt. Katholischerseits stecke dieses Sakrament in der Dauerkrise, erklärte der katholische Pfarrer Benedikt Wey. Aber das zeige, dass es ein Urbedürfnis des Menschen gebe, frei zu werden und Versöhnung zu erleben. «Ohne Versöhnung nach innen kann das Zeugnis nach aussen nicht wirken», ergänzte der reformierte Thurgauer Kirchenratspräsident Wilfried Bührer.

Die 184 Anwesenden entdeckten an dieser vom Landeskirchen-Forum und der katholischen Fokolar-Bewegung organisierten Tagung, dass es in der evangelischen Tradition durchaus die Beichte gibt. Ebenso wurde deutlich, dass die katholische Form der Beichte im Laufe der Jahrhunderte sich verändert hat. Die Referentinnen Eva Maria Faber, Professorin an der Theologischen Hochschule Chur, und Doris Kellerhals, Oberin des Diakonissenhauses Riehen, zeigten eine für beide Konfessionen überraschende Vielfalt in der historischen Entwicklung und der heutigen Ausgestaltung von Versöhnung und Beichte in den Kirchen.

Die Tagung sprach die Anwesenden nicht nur intellektuell an. Gesang, Seelsorge-Gespräche und der Versöhnungsweg in der Umgebung der Pfarrei St. Anna in Frauenfeld ermöglichten eine persönliche Auseinandersetzung. In Ateliers wurden Versöhnung in der Familie, Versöhnungs-Liturgien aus verschiedenen Konfessionen und neue gemeinschaftliche Wege der Versöhnung sowie Seelsorge durch Laien lebhaft diskutiert. (red.)