Auch die Jugend hat eine Stimme

200 Jugendliche haben von Donnerstag bis Sonntag an der Eidgenössischen Jugendsession in Bern teilgenommen. Am Sonntag haben sie dem Nationalrat ihre Forderungen übergeben. Mit dabei war die Rickenbacherin Jasmin Bögli.

Ives Bruggmann
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Die Gruppe «Gentechnik 2» mit Jasmin Bögli (zweite Reihe, 3. v. l.) posiert im Nationalratssaal. (Bild: pd)

Die Gruppe «Gentechnik 2» mit Jasmin Bögli (zweite Reihe, 3. v. l.) posiert im Nationalratssaal. (Bild: pd)

RICKENBACH. Am Ende war Jasmin Bögli fast schon traurig, wieder in den Schulalltag zurückzukehren. Derart gut hat es der 17jährigen Kantischülerin aus Rickenbach an der Eidgenössischen Jugendsession in Bern gefallen. «Es hat richtig Spass gemacht, einen Einblick in die Politik zu bekommen», sagt sie. Von Donnerstag bis Sonntag war eine von 200 Jugendlichen, die sich für ihre Belange einsetzten. Das Programm war von morgens bis abends straff durchgeplant: Zeit zum Verschnaufen sei kaum geblieben. «Es war sehr streng. Am Sonntag bin ich bereits um 20 Uhr eingeschlafen», sagt Bögli.

Plattform für die Jugend

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. «Ich finde es wichtig, dass der Jugend eine Plattform geboten wird», sagt die Rickenbacherin. Es sei auffällig gewesen, wie viel über politische Themen geredet wurde. «Wir Jugendlichen haben praktisch 24 Stunden lang diskutiert.» Es habe auch heisse Gespräche gegeben, denn die Meinungen waren zum Teil sehr unterschiedlich. Debattiert wurde über die Asylpolitik und die Flüchtlingskrise, aber auch über Themen wie das Initiativrecht ab 16 Jahren. An ihrer Schule – Bögli absolviert das dritte Jahr an der Kantonsschule Wil – werde wenig über Politik geredet.

Ziel der Jugendsession war es, die Meinung der Jugendlichen in Form von Forderungen der Politik zu übergeben. Im Vorfeld konnte sich Bögli für ein Thema entscheiden, an dem sie gerne mitarbeiten würde. Wie sie es sich gewünscht hatte, fand Bögli schliesslich Aufnahme in der Gruppe «Grüne Gentechnik».

Eindeutig für eine Verlängerung

In dieser Gruppe hat Bögli mit ihren Kollegen eine Petition ausgearbeitet. Die Jugendsession spricht sich für eine Verlängerung des Gentech-Moratoriums und eine Unterteilung der verschiedenen Methoden der Grünen Gentechnologie aufgrund ihrer Chancen und Risiken aus. «Wir waren uns alle einig, dass das Moratorium verlängert und das Gesetz präzisiert werden soll», sagt Bögli.

So klar Böglis Meinung in Sachen Gentechnik ist, so unentschlossen ist sie, wenn es um ihre eigene politische Gesinnung geht. «Ich bin in keiner Partei, sehe mich aber am ehesten in der Mitte», sagt sie. Zu Politisieren sei für sie in Zukunft sicher eine Option, mit dem Eintritt in eine Partei lasse sie sich aber lieber noch Zeit. «Wer weiss, vielleicht werde ich dann plötzlich in einer Partei aktiv», sagt Bögli.

Was für die Kantischülerin jetzt schon feststeht, ist, dass sie wieder an der Jugendsession teilnehmen will. «Ich hoffe, wieder aufgenommen zu werden», sagt sie. Für eine Teilnahme an der Jugendsession müssen sich die Interessierten nämlich bewerben. Sie habe vor Ort sehr schnell Anschluss gefunden, erzählt Bögli. «Ich habe Leute von überall aus der Schweiz kennengelernt.» Mit einer Kollegin aus dem Berner Oberland werde sie sich sicher wieder treffen.

Organisation erfordert Aufwand

Ein Kompliment richtet die Rickenbacherin an die Organisatoren. «Sie mussten viel Aufwand betreiben, um uns dieses Erlebnis zu ermöglichen.» Sie sei sehr dankbar für die Erfahrung. «Ich finde es sehr wichtig, dass Jugendliche sich eine Meinung bilden und sie in die Politik einbringen», sagt die 17-Jährige.

Nun liegt es an den Politikern, ihre Meinung ernst zu nehmen.