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AU: Ein Captain gibt seinen Abschied

Karl Kistler landet heute in Zürich. Aber nicht als Passagier. Der ehemalige CEO der Edelweiss Air steuert seinen letzten Linienflug selbst.
Roland Poschung
Karl «Charly» Kistler durfte als Captain und CEO der Edelweiss Air zahlreiche Auszeichnungen entgegennehmen. Hier zeigt der Pilot eine Urkunde für gutes Marketing. (Bilder: Roland Poschung)

Karl «Charly» Kistler durfte als Captain und CEO der Edelweiss Air zahlreiche Auszeichnungen entgegennehmen. Hier zeigt der Pilot eine Urkunde für gutes Marketing. (Bilder: Roland Poschung)

Roland Poschung

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

Die Fliegerei hat Karl «Charly» Kistler schon als Kind begeistert. Mit dem Modellflugzeugbau ist er in seinen Aufgaben schnell gewachsen. Er lernte Elektroniker und fand Freude am Fallschirmspringen. «Körperliche und psychische Herausforderungen haben mich immer fasziniert», sagt er. Der 13. April markiert ein ganz spezielles Datum in seiner Fliegerkarriere. Denn heute absolviert Kistler seinen letzten Flug als Captain der Edelweiss Air.

Seinen Erstabsprung absolvierte der gebürtige Auer in Ecuvillens, danach begann Kistler 1972 in Losone die Fliegerische Vorschulung (FVS, heute Sphair) zum Fallschirmgrenadier. «Diese anspruchsvolle Ausbildung entpuppte sich für mich als erste Kaderschule», erzählt Kistler. Trotz des späteren Wechsels zur Balair blieb Kistler dem Fallschirmspringen treu. Kistler wurde Gründungsmitglied der Fallschirmgruppe Sittertal. Der dortige Absetzpilot Guido Brun motivierte ihn, Pilot zu werden.

Die Karriere nahm ihren Fortgang: 1978 wurde Kistler Fluglehrer und begann die Ausbildung zum Berufspiloten. Zwei Jahre später wurde er bei Crossair Captain, Instruktor und Prüfungsexperte beim Bundesamt für Zivilluftfahrt.

Kritische Situationen im Bürgerkrieg

Zehn Jahre engagierte sich Kistler im Auftrag der Balair in Jerusalem. Der Einsatz für die United Nations als Delegationsleiter und Chefpilot zeigte sich als grosse Herausforderung: «Mit einer Fokker 27, damals noch ohne GPS, musste man alle 14 Tage die UNO-Beobachter ersetzen.» Im Gegenlicht über der Wüste zu fliegen, sei nicht einfach gewesen. Geschweige denn, den Flugplatz zu finden. «Zu Beginn musste man einen Überflug machen, um sicher zu sein, dass sich auf der Landebahn kein Kamel befindet.»

Nicht ungefährlich waren die UNO-Flüge nach Beirut, wo Bürgerkrieg herrschte. «Die Infrastruktur war zerbombt. Ein Wetterradar-Bild diente als Hilfsmittel und ein UNO-Observer orientierte uns via Funk und mittels Farbcode, ob es eine gefährliche Situation gibt.» In kritischen Momenten wurde der Motor nie abgestellt, Fluggäste mussten rasch aus- oder einsteigen. «Und dann hiess es, nichts wie weg.» Von 1996 bis 2001 wirkte Kistler beim Aufbau der Edelweiss Air mit: Er wurde zum Chefpiloten, Leiter Operation und Instruktor auf Airbus A320/A330 befördert. Ab 2002 bis August 2014 amtierte er als Geschäftsführer (CEO). In dieser Zeitspanne trug er für unzählige Teammitglieder und Passagiere eine grosse Verantwortung. Seine fachlich korrekte und menschliche Art und Weise war ansteckend, ihn mochte man auf Anhieb. Und seine ruhige Ausstrahlung gab die Sicherheit für einen unbekümmerten Flug.

Letzter Flug als Edelweiss-Captain

Zu Kistlers letztem Flug als Captain der Edelweiss Air nahm er seine Ehefrau Christina mit, die in den vergangenen Jahren oftmals ohne ihn auskommen musste und zur Familie schaute. Sie kehren mit einigen hundert Passagieren heute Abend um 18.55 Uhr zurück aus den Malediven. Damit es ihm im Ruhestand nicht langweilig wird, hat er sich vor Jahren einen CH7-Heli-Eigenbau angeschafft. Am 28. März hat er seine 1000. Gebirgslandung im Engadin absolviert. Seine Freunde meinen jedoch, «Charly» habe einen Fehler beim Eigenbau gemacht: «Der kleine Heli hat leider nur einen Sitz, und zwar jenen für den Piloten!»

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