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ASYLVERFAHREN IM THURGAU: "Wenn sie nach Pakistan zurückgeschickt werden, erwartet sie der sichere Tod"

Patrick Schenk und seine Frau Amber wohnen mit Ambers Eltern in Oberwangen. Obwohl in Pakistan die Existenz des älteren Paares bedroht ist, wurde ein Antrag auf Asyl abgelehnt.
Rossella Blattmann
Patrick Schenk (l.), die Schwiegereltern Kushia und Elvina, und Ehefrau Amber Schenk (r.) in der heimischen Stube. (Bild: Donato Caspari)

Patrick Schenk (l.), die Schwiegereltern Kushia und Elvina, und Ehefrau Amber Schenk (r.) in der heimischen Stube. (Bild: Donato Caspari)

Patrick Schenk hat Geburtstag. Er wird 41 Jahre alt, doch nach Feiern ist ihm und seiner Familie an diesem nasskalten und grauen Novembertag nicht zu Mute. Seine Frau Amber, 38, bringt heissen Kaffee. Ihre pakistanischen Eltern Kushia, 68, und Elvina Patrick, 63 – ihr Familienname ist identisch mit dem Vornamen des Schwiegersohns – sitzen ebenfalls am Küchentisch bei Schenks zu Hause in Oberwangen nahe des Klosters Fischingen.

Die Stimmung ist getrübt, die Gesichter sind todernst, denn: Der Antrag auf Asyl, den Kushia und Elvina Patrick Anfang September dieses Jahres gestellt ­haben, wurde abgelehnt.Der Entscheid war bereits Anfang November im Briefkasten. Dies, nachdem die ganze Familie drei Jahre lang für Kushia und Elvina Patrick gekämpft hat. Angefangen mit einem Familiennachzug, der vehement abgelehnt worden sei, so der aufgebrachte Patrick Schenk. «Wir können es einfach nicht verantworten, meine schwer­kranken, christlichen Schwiegereltern in ein Land ­zurück zu schicken, wo sie der ­sichere Tod erwartet.»

Blasphemiegesetz sieht Todesstrafe vor

Im muslimischen Pakistan gilt das offene Praktizieren des Christentums als Gotteslästerung. ­Gemäss Blasphemiegesetz steht dar­auf die Todesstrafe. Ihre Eltern könnten in ihrer von islamistischen Extremisten geprägten Heimatstadt Quetta nahe der ­afghanischen Grenze ihren Glauben nicht offen leben, sagt Amber Schenk. Täten sie das, würden sie von einem Mob gesteinigt oder auf eine andere Art getötet werden. «In der Schweiz redet man mit Worten. In Pakistan sprechen die Pistolen.»

Nicolas Martin ist Assistenzprofessor am Asien-Orient-Ins­titut an der Universität Zürich und Pakistan-Experte. Martin ­bestätigt am Telefon, dass die ­aktuelle politische Lage in ­Pakistan sehr prekär ist. So gefährlich sei es noch nie gewesen. «Seit den Achtzigerjahren, insbesondere nach den Anschlägen vom 11. September, haben Christen und Mitglieder anderer religiöser Minderheiten, auch Hindus und verschiedene muslimische Gruppierungen, aufgrund des Blasphemiegesetzes massiv gelitten.»

Menschen würden wegen scheinbarer Kleinigkeiten der Blasphemie angeklagt und meist vom wütenden Mob gelyncht – ­offiziell ist hingegen vom Staat Pakistan bis heute keine Todesstrafe durchgeführt worden.

Vater ist psychisch stark angeschlagen

Kushia und Elvina Patrick sind beide schwer krank. Nach einem Verkehrsunfall vor drei Jahren ­erlitt Vater Kushia Patrick ein Schädel-Hirn-Trauma. Seither ist er rechtsseitig bewegungseingeschränkt und psychisch stark angeschlagen. Durch seine geistige Verwirrtheit habe er äusserst ­wenig Kontrolle über seine Handlungen und Aussagen. Aufgrund seiner Behinderung sei sich Kushia Patrick der Gefahr nicht bewusst, die ihm drohe, wenn er in Pakistan auf offener Strasse über Gott und Jesus spreche, betont die verzweifelte Tochter Amber.

Elvina Patrick hat Brustkrebs. Eine geplante Operation ist nun aufgrund des massiv verschlechterten Gesundheitszustandes der älteren Frau vorübergehend nicht durchführbar. «Im Körper meiner Schwiegermutter haben sich Metastasen gebildet. Ob sie sich so weit erholt, dass eine plastische Rekonstruktion der wegen des Krebses entfernten Brust wieder möglich ist, steht in den Sternen», so der besorgte Patrick Schenk.

Camillus Guhl, Leiter des Migrationsamts Thurgau, schreibt auf Anfrage, dass das Migrationsamt des Kantons sich erst nach rechtskräftig abgeschlossenem Asylverfahren zum Fall äussern könne. Und dann nur zu generellen Verfahrensfragen. Dies gelte auch für alle anderen Fälle.

Wie es nun für Kushia und ­Elvina Patrick weitergeht, ist ungewiss. Die Familie hat 30 Tage Zeit, um gegen den negativen Asylentscheid Einsprache zu erheben. Es sehe nicht gut aus, meinen Patrick Schenk und seine Frau Amber niedergeschlagen. «Aber wir werden jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um meine Schwiegereltern hier zu behalten. Die Hoffnung stirbt zuletzt.»

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