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ASYL-FASNACHTSWAGEN IN AADORF: Fasnachtspräsidentin bedauert den Nazi-Vorfall

Den vergangenen Sonntagabend konnte die Aadorfer Fasnachtspräsidentin Michaela Künzli noch geniessen. Ab Montag musste sie mit einer Flut von Medienanfragen kämpfen. Sie macht dabei Ahnungslosigkeit geltend.
Kurt Lichtensteiger
Die Hülsnerbuben Dietschwil zogen mit Wagen «Asylparadies Schweiz» durch Aadorf. (Bild: Andri Rostetter)

Die Hülsnerbuben Dietschwil zogen mit Wagen «Asylparadies Schweiz» durch Aadorf. (Bild: Andri Rostetter)

Seit zwei Jahren ist Michaela Künzli Präsidentin des kleinen Fasnachtsvereins Aadorf. Mit Herzblut übt sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit aus, welche sie angetreten hat, um ein dringendes Nachfolgeproblem zu lösen. Dass sie dadurch unvermittelt zu einer öffentlichen Person werden würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Doch dies passierte just am vergangenen Montagmorgen. Korrespondenten von Fernsehsendern und Printmedien baten um Auskunft zum Fasnachtsumzug vom Sonntag, der ihrer Meinung nach sehr erfolgreich verlaufen war.

Nicht so für aufmerksame Betrachter, die einen Wagen mit einer widerwärtigen Botschaft vorbeiziehen sahen. "Asylbar", "Einwanderungsbehörde", "gratis Handy" und "ASylparadieS" war in grossen Buchstaben zu lesen. Das "SS" sollte noch eine besondere Bedeutung bekommen, weil die SS-Runen mit runden "S" übermalt waren. Die SS war Hitlers Schutzstaffel – bestand aus üblen Schergen. Dazu kam ein Bild mit einem sinkenden Boot, daneben schwarze Hände, die aus dem Wasser ragten. Offensichtlich eine Anspielung auf Flüchtlinge, die jedes Jahr zu Tausenden im Mittelmeer ertrinken. In den Medienberichten waren die Meinungen zu den Sujets eindeutig: Die Grenze des guten Geschmacks und der Satire hatten die "Hülsnerbuebe" aus Dietschwil mit ihrem Wagen weit überschritten. Bei aller Narrenfreiheit, die in fasnächtlichen Zeiten zugestanden wird, Wagen und Thema waren menschenverachtend und rassistisch.

Unvoreingenommene Reaktion

Dieser Meinung zum üblen Fasnachtsscherz ist auch Michaela Künzli. Sie bedauert den Vorfall zutiefst und will daraus eine Lehre ziehen. Als sie die Anmeldungen erhielt, worauf das Motto der Gruppe "Asylparadies Schweiz" angegeben wurde, habe sie völlig unvoreingenommen reagiert.

"Ich habe in meiner Ahnungslosigkeit nicht daran gedacht, dass sich dahinter Rechtsradikale mit rechtsradikalen Parolen verstecken würden", sagt Künzli. Am Umzug hätte sie dann weder Zeit noch die Absicht gehabt, die Sujets der aufgefahrenen Wagen auf dem Bahnhofplatz näher unter die Lupe zu nehmen. Sie habe auf die Eigenverantwortung der zwölf angemeldeten Wagengruppen gezählt.

"Einmal mehr bewahrheitet sich der Leitspruch: 'Vertrauen ist gut – Kontrolle besser'. Wir vom Fasnachtsverein Aadorf bedauern den Umstand, dass Aadorf damit in die Negativschlagzeilen geraten ist", sagt Künzli. Für die nächste Auflage, nämlich den 53. Aadorfer Fasnachtsumzug, würden sie die nötigen Schlüsse ziehen und aufmerksamer sein, meinte die Präsidentin, die der Vorfall sichtlich nicht unberührt liess.

Andere Organisatoren sind gewarnt

Konsequenzen haben inzwischen auch andere Organisatoren angekündigt, jene von Ganterschwil, Gähwil und Bütschwil. Die Aadorfer stehen mit dem Termin ihres Umzugs vor diesen Ortschaften im Fasnachtskalender. Dies beschert ihnen jeweils eine hohe Anzahl Teilnehmer. Dieses Jahr hatten sie dadurch aber das Pech, eine unliebsame Vorreiterrolle gespielt zu haben. In eine derartige Falle wollen sie nicht wieder tappen.

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