Aroniabeeren statt Bauernhanf

Die Aroniabeere stösst bei Thurgauer Produzenten und Vermarktern auf grosses Interesse. Biotta übernimmt die gesamte Ernte von Schweizer Bio-Aronia. Statt Bauernhanf baut die Familie Strasser auf dem Seerücken diese «Powerbeere» an.

Urs Oskar Keller
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Bauen Bio-Aronia an: Stephan und Marianne Strasser. (Bild: Urs Oskar Keller)

Bauen Bio-Aronia an: Stephan und Marianne Strasser. (Bild: Urs Oskar Keller)

RAPERSWILEN. Bio-Aronia ist die neue Nischenkultur für Marianne und Stephan Strasser-Schaub in Raperswilen. Anfang September werden sie ihre bislang grösste Ernte einfahren: rund 1,5 Tonnen handgepflückte Aroniabeeren. Denn die alte Heilpflanze aus Nordamerika ist zu ihrer neuen Leidenschaft geworden.

Weg vom Bauernhanf

Seit 2004 pflanzten Strassers mit Erfolg Bauernhanf an, den sie vor allem ihren Mastschweinen verfütterten. Der Hanf habe die Tiere resistent gegenüber diversen Krankheiten gemacht, erzählt Stephan Strasser. Doch der Anbau war umstritten, und die Polizei beschlagnahmte 2008 ihre gesamte Ernte. Nach einem Bundesgerichtsentscheid musste der Hanf 2011 kompostiert und auf dem Feld entsorgt werden. Marianne Strasser: «Wir mussten den Anbau umstellen.» Als das Bauernpaar 2010 die «anspruchslose Heilpflanze» entdeckte, waren sie begeistert und kauften einige Pflanzen. Seither trinken sie nicht nur täglich ein Glas Aroniasaft mit Süssmost, sondern schritten gleich zur Tat: «Vor zwei Jahren holten wir den Pickel aus der Werkstatt und haben 2100 Aroniasträucher gepflanzt», berichtet Stephan Strasser. «Die Beere Aronia kommt gut mit dem hiesigen Klima zurecht und liefert einen gesunden Saft.» Im Winter haben sie ihre Pflanzen geschnitten, um buschige Sträucher zu erhalten. In einigen Jahren werden sie bis zwei Meter hoch sein.

Viel jäten heisst das Los

Zwischen den 4,5 Meter breiten Fahrgassen des Feldes, angelegt für eine spätere maschinelle Ernte, stehen Stangen für die Greifvögel, die von dort Jagd auf Mäuse machen. Die grösste Sorge ist das Unkraut in den Aronia-Reihen: Löwenzahn, Hirse und auch Bauernhanf müssen entfernt werden. Das bedeutet viel jäten. «Ohne meine <Jät-Frauen> hätte ich das nicht geschafft», lobt Marianne Strasser ihre Helferinnen. Die Strassers sehen Aronia als Chance: «Wir sind ein Kleinbetrieb, und um zu überleben, müssen wir uns spezialisieren», sagen sie. Die Raperswiler Bauernfamilie verfügt über 12,2 Hektaren Land und besitzt daneben eine moderne Bio-Schweinemästerei mit 99 Tieren.

Qualität entscheidet

Die Strassers mit ihren beiden Söhnen sowie zehn Helfern werden bald mit Plastikeimern und alten Melkschemeln ausgerüstet die erwarteten 1500 Kilogramm Bio-Aronia von Hand ernten, verlesen und zur Genossenschaft Landi Hüttwilen und Umgebung bringen. Ob maschinell oder von Hand gepflückt, das sei nicht die Frage, sondern die Qualität entscheide, sagt Peter Konrad, Präsident der IG Aronia Schweiz. «Wir erwarten im September etwa 25 Tonnen Aronia. Das sind 13 Tonnen mehr als im vergangenen Jahr», freut sich der neue IG-Geschäftsführer Jürg Weber aus Hüttwilen. Nun ist er dran, die geschätzte Menge zu vermarkten. Das Aroniageschäft werde die Pionierzeit hinter sich lassen: «Bis in zwei Jahren wird sich die Ernte auf etwa 120 Tonnen verzehnfachen», sagt Konrad. Die Bandpresse bei der Biotta AG in Tägerwilen ist bereit. Jüngst hat der Schweizer Bio-Pionier den Aronia-Acerola-Saft lanciert.

Reif für die Ernte: Bio-Aroniabeeren aus Raperswilen.

Reif für die Ernte: Bio-Aroniabeeren aus Raperswilen.