ARMUT: Wenn Geld für Weihnachten fehlt

Geschenke für die Kinder und ein festliches Menü sind für viele finanzschwache Familien vor Weihnachten die grössten Sorgen. Die Mitarbeiter von Caritas Thurgau helfen, wo sie können.

Larissa Flammer
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Finanzschwachen Familien mit kleinen Kindern kann Caritas vor Weihnachten eine Freude machen, indem sie Geschenke besorgt. (Bild: PD)

Finanzschwachen Familien mit kleinen Kindern kann Caritas vor Weihnachten eine Freude machen, indem sie Geschenke besorgt. (Bild: PD)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Die Arbeit von Sozialpädagogin Judith Meier Inhelder ist im Moment besonders eindrücklich. Sie ist Geschäftsleiterin der Caritas Thurgau. «Besonders in der Vorweihnachtszeit merken Familien, die am Existenzminimus leben, dass sie kein Geld haben», sagt sie. Die Eltern können den Kindern keine Geschenke kaufen und sich für die Feiertage kein festliches Essen leisten. Das habe auch damit zu tun, dass Ende des Jahres viele Rechnungen ins Haus flattern: Stromabrechung, Haftpflichtversicherung und so weiter. In Zusammenarbeit mit Lidl konnte Caritas Thurgau in diesem Jahr bereits 58 Geschenke an Kinder verteilen. «Eine Frau bringt uns zusätzlich jedes Jahr einige Gutscheine für ein Spielwarengeschäft», erzählt Meier Inhelder. Und die Spende eines wohltätigen Herrn habe Caritas an eine Familie weitergeleitet, die sich ebenfalls keine Geschenke leisten konnte. «Der Vater wurde arbeitslos. Die Mutter verdient wenig und ist zudem krank, was hohe Gesundheitskosten mit sich bringt.»

Die Sozialpädagogin hat viele solcher Geschichten zu erzählen. Von einer alleinerziehenden Mutter, die nicht zum Sozialamt wolle und vom Ersparten lebe, oder von der Frau aus Polen, die von ihrem Schweizer Ehemann getrennt lebe, nur zu 40 Prozent arbeiten könne und nach dem Bezahlen aller Rechnungen kein Geld mehr übrig habe.

Der Gesuche werden nicht weniger

Doch nicht nur um Geschenke kümmert sich Caritas Thurgau. Bei einer Familie mit kleinen Kinder überlegt sich die Organisation, die offenen Arztrechnungen zu bezahlen. Der Vater sei arbeitslos geworden, und es sei noch nicht sicher, dass er Arbeitslosengeld bekomme. Weil die Familie eine hohe Franchise habe, seien die Gesundheitskosten im Moment zu hoch für das Familienbudget. Und eine Frau mit kleinen Kindern, die knapp über dem Existenzminimum lebe, habe einen 50-Franken-Gutschein bekommen, um Essen für ein Weihnachtsmenü kaufen zu können.

Es sind jeweils kleine Gesten, die eine grosse Wirkung haben», sagt Meier Inhelder. Diese Weihnachten sei das besonders spürbar. «Obwohl wir schon so viel getan haben, werden die Anfragen nicht weniger.» Caritas stellt daher auch Anträge an verschiedene Hilfsorganisationen – unter anderem an die Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizer. Einige von dieser Unterstützung Begünstigte würden sogar in Tränen ausbrechen, weil sie so gerührt seien. «Ich muss mich nie fragen, ob meine Arbeit Sinn macht», sagt die gebürtige Frauenfelderin. Sie hat sich für den Sozialberuf entschieden, weil sie das Menschsein sehr interessiert. Gerade bei Caritas, wo die 55-Jährige seit bald vier Jahren arbeitet, seien die Schicksale aber manchmal schwierig.