Armenhaus ist ein Vorbild

Thursicht

Markus Schoch
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Es ist höchste Zeit für die Ehrenrettung von Dozwil. Die kleine Gemeinde mit etwas über 700 Einwohnern hat es nicht verdient, immer noch auf die St. Michaelsvereinigung und die Ufo-Krawalle vor bald 30 Jahren reduziert zu werden. Beziehungsweise auf den umtriebigen Jürg Wiesli, der mit grossem Erfolg Riesengemüse züchtet und daneben politisiert – mal hier und mal da. Dozwil ist ein Erfolgsmodell, an dem sich andere Gemeinden und Städte im Kanton ein Vorbild nehmen können. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Dozwil ist sozusagen das Armenhaus im Thurgau. Ein Dorf mit vielen Familien. Die Steuerkraft beträgt aktuell 1294 Franken. Das ist der tiefste Wert im ganzen Kanton. Zum Vergleich: In Bottighofen am anderen Ende der Rangliste sind es dreieinhalb Mal mehr. Der einzelne Bürger liefert dem Fiskus in Dozwil also relativ wenig ab. Doch die Verantwortlichen gehen extrem haushälterisch mit den Mitteln um. Der Steuerfuss in Dozwil ist nämlich mit 47 Prozentpunkten sehr tief. Und es gab zuletzt an der Gemeindeversammlung sogar Anträge, ihn weiter zu senken. Nicht ohne Grund: Dozwil schreibt seit Jahren schwarze Zahlen, ohne dass das Dorf verlottert und alles Leben verschwindet.

Der Gemeinderat ist zu Recht stolz. Als Arboner kann man sich nur wundern, wie die Rechnung aufgeht. Denn in Arbon kommt die Stadt trotz rekordhohem Steuerfuss finanziell auf keinen grünen Zweig. Aber Dozwil leistet sich anders als mein Wohnort beispielsweise auch kein neues Fussballplätzli, für das es kein Geld hat.

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch