Architektur für den Wiederaufbau

Es ist nicht irgendeine Baulücke – der Grossbrand in Steckborn hat denkmalgeschützte Häuser in der national bedeutenden Altstadt zerstört. Würdige Ersatzbauten sollen mittels Architektenwettbewerb gefunden werden.

Gudrun Enders
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Architektin Cornelia Bein sitzt auf dem Rest einer alten Steckborner Hausmauer, der nach dem Brand verblieben ist. (Bild: Reto Martin)

Architektin Cornelia Bein sitzt auf dem Rest einer alten Steckborner Hausmauer, der nach dem Brand verblieben ist. (Bild: Reto Martin)

STECKBORN. Es war ein Wunsch. Stadt, Kanton und Stiftung Ortsbild hatten ihn gehegt. Nun ist er Wirklichkeit. Mit einem Architektenwettbewerb werden die Wunden versorgt, die der Brand in die Altstadt von Steckborn geschlagen hat. Während Daniel Nobs sein Altstadthaus wieder so aufbauen will, wie es vor dem Brand stand, werden die anderen drei Hausbesitzer gemeinsam ihre Ersatzbauten planen und einen Wettbewerb durchführen.

«Ich finde es absolut richtig, gemeinsam vorzugehen», sagt Cornelia Bein. Die Architektin vertritt die drei Eigentümer. «Ich bin schon sehr bald nach dem Brand von zwei Betroffenen angefragt worden», sagt sie. Architektin Bein sitzt in der Stiftung Ortsbild und hat vor zehn Jahren ein Haus an der Kirchgasse gekauft und restauriert. Bein hat viel Erfahrung mit Architektenwettbewerben – als Teilnehmerin und als Organisatorin. Als Architektin gewann sie unter anderem einen Wettbewerb nahe Madrid und realisierte dort ein Sportzentrum samt Schwimmbad. Sie lebte zehn Jahre in Barcelona – auch der Liebe wegen.

Als Bein im St. Galler Hochbauamt arbeitete, hat sie Architektenwettbewerbe organisiert. Deshalb zählt sie etliche Varianten auf, wie sich der Wettbewerb für die Steckborner Brandlücke gestalten liesse. Es gibt Ideen- oder Projektwettbewerbe, sie werden nach SIA-Normen oder frei gestaltet. Zudem können die Architekten gezielt eingeladen werden oder der Wettbewerb wird offen ausgeschrieben. In den nächsten Wochen entscheidet sich, was sinnvoll ist.

Schon gute Ergebnisse erzielt

In Steckborn hat man gute Erfahrung mit dem Instrument Architektenwettbewerb gemacht. Eine Baulücke in der Kirchgasse etwa wurde auf diese Art geschlossen. Das Projekt hat das renommierte Architekturbüro Staufer und Hasler aus Frauenfeld gewonnen und verwirklicht. Das Architektenduo bekam vergangenes Jahr den Prix Meret Oppenheim vom Bundesamt für Kultur verliehen. Architekt Thomas Hasler selbst lebt in diesem Steckborner Bau und soll als Fachpreisrichter in der Jury sitzen, die den Wettbewerbssieger für die Brandlücke auswählt. Auch der St. Galler Kantonsbaumeister Werner Binotto ist wahrscheinlich mit von der Partie. Er hatte die Jury präsidiert, die über den Wettbewerb zur Überbauung des Steckborner Lindenareals befunden hat. Architektin Bein wird als Sachpreisrichterin die drei Eigentümer in der Jury vertreten. Für die Stiftung Ortsbild soll Stiftungspräsident Walter Oberhänsli Einsitz nehmen. Stadtpräsident Roger Forrer wird die Stadt vertreten.

Finanzspritzen für Wettbewerb

Sicher ist, dass ein Wettbewerb viel Geld kostet. Deshalb hat die Stiftung Ortsbild 50 000 Franken gesprochen. Zudem übernimmt die Stiftung den Lead für den Wettbewerb.

Nicht allein die Stiftung Ortsbild sorgt sich um eine Überbauung, die dem national geschützten Stadtbild von Steckborn gerecht wird. Auch der Stadtrat favorisierte einen Architektenwettbewerb und hat 45 000 Franken dafür gesprochen. Der Kanton will mit Arbeitseinsatz in die Bresche springen und würde die Organisation übernehmen.

Der Wettbewerb sollte auf jedem Fall in diesem Jahr über die Bühne gehen. Sehr sportlich hatte Architektin Bein den Sommer angepeilt: «Die Zeit drängt wahnsinnig.» Denn die Versicherung zahlt bis maximal drei Jahre nach dem Brand.