Arboner Stadtgespräche – open air

ARBON. Der tägliche Gang zu Fuss vom Storchenplatz zur Post, das Leeren des Postfachs und der Rückweg ins Büro würde kaum eine Viertelstunde beanspruchen – egal, ob via Hauptstrasse oder Hintergasse. Netto. Normalerweise.

Max Eichenberger
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Der tägliche Gang zu Fuss vom Storchenplatz zur Post, das Leeren des Postfachs und der Rückweg ins Büro würde kaum eine Viertelstunde beanspruchen – egal, ob via Hauptstrasse oder Hintergasse. Netto. Normalerweise.

Und zweitens kommt es anders

Würde, wenn man unterwegs nicht allerlei geschäftige, pausierende oder postende Menschen anträfe und ein paar Worte wechselte. Mitunter dauert der Postgang dann halt auch länger.

Der fliegende Smalltalk weitet sich in interessante, mitunter gar tiefschürfende Diskussionen aus, fördert Neuigkeiten, Reaktionen, An- und Einsichten zutage. Von privat bis politisch spannt sich der Bogen des Ad-stand-Austausches.

Da parkiert Werkhofmitarbeiter Markus Sonderegger seine orange Kehrmaschine im Städtli und gönnt sich auf den Stufen der Schmiedstube einen Znüni. Im Haus, wo er aufgewachsen ist – zu einer Zeit, als im Städtli noch viele Kinder in den Gassen spielten. Der Kinderanteil der Städtli-Bewohnerschaft sei markant gesunken, stellt er fest.

Politik im Stand-by-Modus

Da läuft grad Notar und CVP-Parlamentarier Luzi Schmid um die Ecke. Und hält inne. Es wird ein Vorgeschmack auf die nächste Parlamentssitzung, was in der Fraktion in Vorbereitung ist. Es geht auch um Einschätzungen von Vorgängen und Themen, die die Stadt bewegt. Oder zumindest die Leute, die zu Hause geblieben sind und sich nicht irgendwo fern heimatlicher Befindlichkeiten an der Sonne räkeln – und womöglich noch mehr schwitzen als wir Daheimgebliebenen. Nebenan, im Stadthaus, ist derweil die Tagespolitik ferienbedingt im Stand-by-Modus.

Sackgasse für Rollatoren

Daheim geblieben sind auch der ehemalige Schulpräsident Ernst Kunz und Gattin Monika. Sie reisen dann wieder nach Brasilien zum Sohn, wenn sich hier der Sommer verabschiedet hat. Sie kommen grad aus dem Denner, bepacken ihre Velokörbe. Und man ist wieder mittendrin in der Politik – oder in den Themen, welche die Arboner Seele umtreiben. Altstadt, die Arboner Gastroszene, Seeparksaal und seine Mietkosten. Und auch kleine Ärgernisse hört man auf der Strasse mit: wie der meist besetzte Blaue-Zone-Parkplatz just dort an der Kapellgasse, wo das Trottoir für Rollatoren abgeflacht worden ist.

Der Vize als Diplomat

Da gesellt sich, just, als die gebeutelten Finanzen der Stadt beleuchtet, Zinserträge hinterfragt und unkonventionelle Strategien entwickelt werden, Vizestadtammann Patrick Hug dazu. Mit Mappe unterm Arm, auf dem Weg ins Stadthaus. Er erklärt sich, soweit er kann/darf, ohne «unter Pfarrerstöchtern» aus der Schule zu plaudern. Gepflegte Diplomatie – und eine trotzdem dienliche Information in einer offenen Terminfrage. Eine Anzeige in der Angelegenheit Arbon Energie werde frühestens in zehn Tagen spediert. Auch Anwälte haben Ferien.

Lohnende Zusatz-Halbstunde

Herbert Haltmeier, Arboner des Jahres 2004, passiert die Stehkonferenz. Er, gewöhnlich eine gut unterrichtete Quelle und Stammtisch-Mittelsmann, hätte auch noch einiges beizusteuern. Doch er hat es diesmal eilig. Dachdecker Kurt Mettler kommt Znüni-gestärkt aus dem Plaza. Er winkt ab und hat wieder zu seinem Betrieb zu schauen. Lukas Auer strahlt immer noch: Die Einweihung des Skateparks war sein Sommer-Highlight. Selber bleibt er aber standhaft Bahn-abstinent.

Die halbe Stunde zusätzlicher Zeitaufwand für den Postgang ist nicht für die Katz gewesen: Neben persönlichen Begegnungen haben nämlich Notizeinträge für zwei Gschichtli resultiert – und bestätigt: In Arbon läuft auch im Sommer etwas.