Arbon zu St. Gallen, Rappi-Jona zu Zürich?

Wie lange noch mag das geographisch absurde Konstrukt des ringförmigen Kantons St.Gallen Bestand haben? 30, 50 Jahre? Und was dann – wird der nördliche Teil in einem erweiterten Kanton Säntis aufgegangen sein, wie es ihn kurzzeitig während der Helvetischen Republik gab, mit den beiden Appenzell und dem Oberthurgau, oder gar in einem grösseren Kanton Ostschweiz?

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Wie lange noch mag das geographisch absurde Konstrukt des ringförmigen Kantons St. Gallen Bestand haben? 30, 50 Jahre? Und was dann – wird der nördliche Teil in einem erweiterten Kanton Säntis aufgegangen sein, wie es ihn kurzzeitig während der Helvetischen Republik gab, mit den beiden Appenzell und dem Oberthurgau, oder gar in einem grösseren Kanton Ostschweiz?

Solch utopische Fragen standen im Raum, als es am Dienstag in der Erfreulichen Universität Palace ums Linthgebiet und seine Anbindung an St. Gallen ging. Die muntere Plauderstunde versammelte erfahrene Ricken-Pendler – der von St. Gallen nach Rapperswil gezogene Kulturwissenschafter Peter Röllin, der frühere Rapperswiler Stadtrat, heutige Arboner Stadtpräsident und künftige St. Galler Regierungsrat Martin Klöti, die neu oder mit Blick auf das 2008 reduzierte Parlament wiedergewählte SP-Kantonsrätin Eva B. Keller aus Uetliburg (Gommiswald).

Südostbahn und Tunnelfiasko

Von wegen angebunden: Der funktionale, will heissen arbeitstäglich, wirtschaftlich, verkehrstechnisch, kulturell und mental gelebte Raum ennet dem Ricken entspricht nur noch wenig dem politischen, auch wenn Eva Keller an ältere Linth-Anwohner erinnerte, die «noch immer gern in Wattwil einkaufen» gingen, und Peter Röllin die – unlängst auch vom Kulturmagazin «Saiten» gefeierte – Südostbahn als «tollstes Rückgrat des Kantons» lobte.

Schnell war von grossräumigeren Korridoren ohne hindernde Berge, wie sie einst die Römer (und der Rheingletscher!) von Chur an den Bodensee und von Sargans Richtung Zürich gelebt hatten. Zukunftsweisender als das «Auslaufmodell Gemeinde-Wettbewerb» (Röllin), der wie in der Schwyzer Steueroase Wollerau letztlich die «Strukturen kaputt macht» (Klöti), wären interkantonale Agglo-Programme, die jedoch das Rapperswiler Tunnelfiasko nicht verhindern konnten. Vorbildlich gar die Fusion, wie sie Rappi-Jona zustande brachte, allerdings mit zehnjähriger Vorarbeit und nicht ohne Reibereien, wie sich laut Klöti bis heute an der Fasnacht zeige.

Fusionieren und sprengen

Der frischgebackene FDP-Regierungsrat zeigte angesichts einer «gescheiterten Raumplanung» klare Sympathien für Gemeindefusionen (namentlich in Rorschach), regionale Richtpläne und Mehrwertabschöpfungen bei Neueinzonungen. Erfrischend auch seine Antwort auf die Frage, ob ein Anschluss Arbons an St. Gallen eine Chance hätte: Das sei ihm «als Auftrag auf den Weg gegeben worden», und wenn die Stadt am See weiter mit St. Galler Bevölkerung wachse, sicher denkbarer. Im Falle Rapperswils, das 1989 von der Band Baby Jail für Zürich reklamiert wurde, mochte Röllin keine Prognose abgeben, aber natürlich sei die Metropole dominant.

Einig war sich die Runde, dass ein Kanton so stark sei wie seine schwächsten Regionen. Trotzdem erinnerte Röllin an die Idee Ludwig Haslers zum St. Galler Jubiläum 2003, «Roman Signer die Kantonsgrenzen sprengen zu lassen». Der Satz des Abends, wie ein zugezogener Zürcher an der Bar meinte. Marcel Elsener