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ARBON: Mal lyrischer, mal bacchantischer Beethoven

Das Thurgauer Jugendorchester tritt noch bis Anfang Oktober mit einem reinen Beethoven-Programm auf. An der Premiere war das Publikum von der Aufführung der anspruchsvollen Stücke begeistert.
Dmitry Mishelovich nimmt nach der Interpretation von Beethovens Violinkonzert den Applaus entgegen. (Bild: Christof Lampart)

Dmitry Mishelovich nimmt nach der Interpretation von Beethovens Violinkonzert den Applaus entgegen. (Bild: Christof Lampart)

Das Jugendorchester Thurgau, das unter der musikalischen ­Leitung von Gabriel Estarellas ­Pascual steht, ist noch nie vor den grossen Brocken der Klassik ­zurückgeschreckt. Das ist auch beim aktuellen Beethoven-Abend nicht anders, der sich aus dem Violinkonzert in D-Dur und der siebten Sinfonie zusammensetzt. Zwei Werke also, die zwar bekannt, vor allem aber aufgrund der technischen Schwierigkeiten bei den Aufführenden gefürchtet sind. Denn für beide gilt, dass sie ein Höchstmass an Konzentration und Können einfordern, zugleich jedoch sowohl dem Solisten als auch dem Orchester wenig Raum zum Glänzen lassen. Wer sich diese Kombination als Aufführender «antut», dem geht es wahrlich um die Musik an sich.

Kein Wunder, war am Samstagabend im ausverkauften Arboner Presswerk ein sehr erwartungsfrohes Auditorium anzutreffen. Mit dem ersten stellvertretenden Konzertmeister des Sinfonieorchesters St. Gallen, Dmitry Mishelovich, hatte sich das Orchester eine musikalische Persönlichkeit ins Boot geholt. Man durfte also auf das, was während der nächsten Dreiviertelstunde erklingen sollte, durchaus gespannt sein.

Die reinen Sinnesfreuden der Sinfonie

Nach dem Konzert wusste man: Das Kommen hatte sich gelohnt, denn Mishelovichs Interpretation war zart und entspannt und liess die lyrischen Passagen voll zur Geltung kommen. Und doch hatte seine Spielweise stets genug Dynamik, um die musikalische Balance zwischen Agilität und Raffinesse zu wahren. Das Jugendorchester Thurgau hielt gut mit der auf Schönheit und weniger auf Exzentrik abzielenden Spielweise Mishelovichs mit und ergänzte des Geigers Vortrag mit einem sauberen, zuweilen sehr intim wirkenden Klangbild.

Nach der Pause war dann das Jugendorchester alleine an der Reihe, indem es Beethovens «Siebte» aufführte. Hier offenbarte das Orchester, dass es sich hervorragend auf das versteht, was die Sinfonie zutiefst atmet: den bacchantischen Rausch. Und auch dass der zweite Satz (Allegretto) sehr langsam gespielt wurde, tat dem Gesamteindruck keinen Abbruch; ja dieser wurde durch diesen ohrenfälligen Kontrast sogar noch gesteigert. Pascual leitete mit grosser Umsicht und Stringenz und erreichte somit einen Klang, den er leicht in die jeweils gewünschte Richtung zu lenken wusste. Das Resultat war eine Musik, die ungebändigten Charakters war und so die Zuhörerschaft durch ihre enorme Lebendigkeit zu begeistern wusste. Der Applaus am Ende war ebenso heftig wie verdient. Dass es dennoch keine Zugabe gab, war wohl der beachtlichen Konzertlänge von zwei Stunden geschuldet, was somit zwar verständlich, nichtsdestotrotz aber ziemlich schade war.

Christof Lampart

thurgau@thurgauerzeitung.ch

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