Arbon Energie: Strafuntersuchung beim städtischen Stromversorger

ARBON. Es begann mit einem Gerücht, und bald folgte darauf eine Strafuntersuchung. Als unsere Zeitung im Juni dem Gemunkel nachging, dass jemand beim städtischen Stromversorger Arbon Energie AG in grösserem Masse Geld unterschlagen haben sollte, gab niemand Auskunft.

Tanja von Arx
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ARBON. Es begann mit einem Gerücht, und bald folgte darauf eine Strafuntersuchung. Als unsere Zeitung im Juni dem Gemunkel nachging, dass jemand beim städtischen Stromversorger Arbon Energie AG in grösserem Masse Geld unterschlagen haben sollte, gab niemand Auskunft. «Dazu sage ich nichts», sagte Alfred Näf, Präsident des Arbon-Energie-Verwaltungsrats. «Ich kann darüber keine Angaben machen», sagte Andreas Balg, Stadtpräsident von Arbon und Vizepräsident der Arbon Energie AG. Den Finanzchef konnte man indes nicht fragen. Christian Keller kehrte im Mai von einer Wanderung im Alpstein nicht zurück.

Unregelmässigkeiten geprüft

Zwei Tage nach Erscheinen unseres Artikels gab die Stadt bekannt, dass eine externe Untersuchung zu Unregelmässigkeiten bei der Arbon Energie AG laufe. Recherchen ergaben, dass der Wirtschaftsspezialist Price Waterhouse Coopers die Bücher der letzten vier Jahre prüfte. Eine Woche später kündigte der Arbon-Energie-Verwaltungsrat an, Anzeige wegen unrechtmässiger Bezüge von Geld und Dienstleistungen einzureichen. Sie brächten das Unternehmen nicht in Schieflage, sagte Balg, aber mit einem sechsstelligen Betrag sei der mögliche Schaden bedeutend. Man würde konkrete Forderungen stellen.

Gleichzeitig trat Näf vom Amt zurück. Er begründete, dass sein Vize Balg die Untersuchung ohne Absprache mit ihm in Auftrag gegeben hätte, und sie sich wegen Prämienzahlungen auch gegen ihn richtete. «Solche Prämienzahlungen hatte ich in den letzten Jahren bewilligt, stets mit einem Verwaltungsrat, in den letzten drei oder vier Jahren mit einem andern Zeichnungsberechtigten, aber nie mit einem Prämienempfänger.»

Als die Anzeige bei der Abteilung für Wirtschaftsdelikte einging, brachten die Medien zwei Namen damit in Verbindung: Neben Näf den seit März pensionierten Geschäftsleiter der Arbon Energie AG Jürgen Knaak. Später sprach die Staatsanwaltschaft aber von «drei ehemaligen Organen», gegen die sie Strafuntersuchungen wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung eröffnet habe (siehe Kasten).

Unsere Zeitung konnte den früheren Vizepräsidenten der Arbon Energie AG Hans Lienhard ausmachen. Nur er war im fraglichen Zeitraum der Aussage von Näf zeichnungsberechtigt, wie ein Blick ins Handelsregister zeigte. Die Staatsanwaltschaft muss den Zeitraum der Untersuchung und den Kreis der Personen in der Anzeige ausgedehnt haben.

Die Frage blieb offen: Wer ist der «andre Zeichnungsberechtigte» in Näfs Stellungnahme? Ausserhalb des Arbon-Energie-Verwaltungsrats konnten nur Geschäftsleiter Knaak und Finanzchef Keller zeichnen. Da Knaak im Zentrum der Ermittlungen steht – das geht aus einer Aussage von Balg im Kontext der Anzeige hervor, laut der «nicht primär Näf in Verdacht» steht – und so wohl die meisten Prämien bezogen hat, muss es Keller sein. Knaak äusserte sich indes nicht zu den Vorwürfen.

Nach dem Tod nicht belangbar

Keller taucht im Zusammenhang mit der Strafuntersuchung nicht auf, da er nach seinem Tod nicht belangbar ist. Die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden schloss ein Herzversagen oder einen Schwächeanfall aus. Es habe auch kein Verbrechen zum Tod geführt, sagte Mediensprecher Paul Broger. «Der Mann ist vom Wanderweg abgewichen und an einer Stelle von der Felswand gestürzt, an der es eine Abschrankung hat.»

Die Staatsanwaltschaft machte wegen umfangreicher Abklärungen keine Angaben zur Dauer des Verfahrens. Die Unschuldsvermutung gelte, sagte Mediensprecher Stefan Haffter.

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