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ARBEITSMARKT: «Ein bunter Strauss von Einzelfällen»

Die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen in den Arbeitsmarkt braucht nicht nur Engagement der Arbeitgeber. Gefragt sind auch Wille, Kreativität und Geduld.

Die Soziologin Annelies Debrunner hat in ihrem neuen Buch «Soziales Engagement gehört dazu» 15 Unternehmer porträtiert, die in ihren Betrieben erfolgreich Menschen mit Beeinträchtigungen integrieren. Am Donnerstagabend stellte sie anlässlich einer Podiumsdiskussion im Berufsbildungszentrum (BBZ) Weinfelden ihr Werk vor. «Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Unternehmen ein hohes ethisches Bewusstsein haben, risikofreudig sind und ein grosses Engagement bei der Lehrlingsausbildung aufweisen», sagte sie.

Im Buch werden unter anderem Alfred Müller, CEO der Stutz AG, und Viktor Gschwend, Inhaber einer Gärtnerei, porträtiert. Für Müller ist die Integration «ein Teil der Betriebskultur». Die Berufe in der Baubranche seien gefährlich, und leider komme es immer noch zu oft zu Unfällen. Häufig auch mit bleibenden Folgen. «Wir sind es den betroffenen Mitarbeitern schuldig, sie wieder ins Arbeitsleben zu integrieren.»

Viktor Gschwend machte sich nach der Ausbildung selbstständig und stellte als ersten Lehrling einen gehörlosen Jugendlichen ein. «Warnende und kritische Stimmen gab es viele, aber wir machten uns miteinander auf den Weg.» Mit Erfolg, wie er anmerkte. Allerdings gab er im Lauf der Diskussion auch zu, «damals ein wenig naiv gewesen zu sein». Wichtig sei, dass die Mitarbeiter mit im Boot seien und ein externes Coaching in Anspruch genommen werden könne. «Alleine hätte ich das nicht geschafft», sagte Gschwend. Es sei immer wieder Erstaunliches möglich, wenn sich Betriebe zur Integration bereit erklärten, sagte Achim Jungclaus von der Stiftung Zukunft Thurgau. Bei den Betroffenen handle es sich um einen «bunten Strauss von Einzelfällen». Das Rezept zur erfolgreichen Integration bestehe aus ­Wille und Haltung, Geduld und Kreativität. Es brauche aber auch Verständnis und Kommunikation. Die finanziellen Anreize seien wichtig, ständen aber nicht im Vordergrund. Alfred Müller bestätigte dies: «Wir verstehen uns als Unternehmen auch als Teil der Gemeinschaft». Von Podiumsleiter und Medienwissenschafter Heinz Bonfadelli wurde bemängelt, dass das Thema öffentlich kaum diskutiert wird. Er fragte, ob die Unternehmer zu bescheiden seien. «Die Frage, ob wir an die Öffentlichkeit gehen, ist heikel», erklärte Alfred Müller. Oft gelte es, die Betroffenen zu schützen. Zudem hätten diese wenig Interesse dar­an. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau (Agathu) habe ein 22-jähriger Afghane mit der Lehre begonnen. «Ob wir das in die Medien bringen wollen, müsste abgeklärt werden», meinte er.

Kurt Peter

thurgau@thurgauerzeitung.ch

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