Arbeiter räumen Kirche leer

Diese Woche startet die Innenrenovation der evangelischen Stadtkirche von Steckborn, die rund 1,6 Millionen Franken kostet. Die Bänke sind schon ausgebaut, die Orgel ist eingepackt und der Dachstuhl stabilisiert.

Gudrun Enders
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Arbeiter tragen eine Sitzbank aus der evangelische Kirche Steckborn heraus. (Bild: Reto Martin)

Arbeiter tragen eine Sitzbank aus der evangelische Kirche Steckborn heraus. (Bild: Reto Martin)

STECKBORN. Die Kirchenbank ist ausgebaut. Armin Hausmann als Präsident der Baukommission muss darauf Platz nehmen. Die Arbeiter machen sich einen Spass und tragen ihn davon.

Ab nächster Woche wird im leeren Kirchenschiff ein Gerüst bis unter die Decke aufgebaut. Auch die Orgel, bislang in graue Decken verpackt, wird noch zusätzlich mit Brettern geschützt.

Die beiden zuständigen Architekten Christoph Lehmann und Roland Wenger inspizieren den kahlen Innenraum. Arbeiter öffnen die Holzbretter, auf denen bis vor wenigen Minuten noch Kirchenbänke standen. Die Fachleute begutachten die Heizung darunter. Sie wird überholt, teilweise erneuert und mit einem computergesteuerten Temperaturregler ausgestattet.

Als Gips von der Decke fiel

In den 60er-Jahren zogen die Katholiken aus der paritätisch genutzten Stadtkirche in ihren Neubau um. Danach folgte eine grosse Renovation der seitdem rein evangelischen Kirche. Diese Sanierung liegt nun rund 45 Jahre zurück. Die nächste zeichnete sich da sowieso ab. Schwung kam in die Pläne, als 2010 im Chorraum Teile der Gipsdecke heruntergefallen waren. «Das waren vermutlich die Spätfolgen eines Wasserschadens», sagt Pfarrer Andreas Gäumann.

Die Stuckdecke im Chor ist längst saniert und die im Kirchenschiff ist zwar bislang sicher, aber eine Sanierung trotzdem nötig. Der Fachmann hatte damals entdeckt, dass sich der Unterbau der Stuckdecke langsam auflöst. Diese Schäden sind im Estrich gut zu sehen, denn dort wurden einige Fussbodenbretter entfernt. Architekt Christoph Lehmann und Pfarrer Andreas Gäumann blicken in ein Feld mit intaktem Unterbau, die sogenannte Boxhaut. Von oben ist nur eine Gipsschicht zu sehen. Doch im Nachbarfeld liegt diese in Krümel zerfallen auf schmalen Holzlatten. «Diese Schicht muss nach historischem Vorbild neu aufgebaut werden», sagt Architekt Lehmann.

Farbe je nach Analyseresultat

Auf dem Estrich ist gut zu sehen, wie die Decke rund einen Meter durchhängt. Nun wurde der Dachstuhl stabilisiert. Einige Arbeiten stehen im Detail noch nicht fest. Die Farbgebung der Stuckdecke etwa wird sich nach den Ergebnissen der denkmalpflegerischen Analyse richten.

Auch Elektrik und Technik werden erneuert. Dabei sollen Beamer und Leinwand Einzug halten. Kein einfaches Unterfangen in der hellen Kirche mit grossen Fenstern. Pfarrer Gäumann zeigt sich zuversichtlich: «Wir arbeiten mit der Denkmalpflege an einer Lösung.»

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