AQUAKULTUR: Anrainer gegen Fischzucht im See

Im Bodensee sollen Netzanlagen zur Aufzucht von Fischen verboten bleiben. Die internationale Gewässerschutzkommission stellt sich gegen solche Pläne aus Baden-Württemberg.

Silvan Meile
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Felchen in einem Fischereiladen am Bodensee. (Bild: Chris Mansfield)

Felchen in einem Fischereiladen am Bodensee. (Bild: Chris Mansfield)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Der Baden-Württembergische Landwirtschaftsminister wollte am Bodensee einen grossen Fisch an Land ziehen. Weil die Berufsfischer immer weniger Fische fangen, sollen sie doch welche züchten, so die Idee. Deshalb sah der Plan vor, ein Projekt mit Zuchtnetzen, sogenannte Aquakulturen, im Bodensee zu fördern. Doch das kommt rund ums internationale Gewässer nicht gut an.

Die meisten Berufsfischer sind gegen die Aufzucht von Felchen im See. Die Gefahr sei viel zu gross, falls bei einem Defekt der Netze geimpfte Fische aus dem Gehege auf wild lebende Artgenossen stossen und so Krankheiten auf diese übertragen, sagt Reto Leuch, Präsident der Schweizer Berufsfischer am Bodensee. Die Berufskollegen auf der deutschen Seeseite befürchten weiter, dass die Bewilligung dieser Art von Massentierhaltung vor allem Begehrlichkeiten bei Investoren weckt. Diese würden dann die Berufsfischer auf dem Markt konkurrenzieren und ihnen auch noch den See streitig machen.

Am Dienstag hat die internationale Gewässerschutzkommission mit Vertretern aller Anrainerstaaten das Thema «Aquakultur für Felchen als Möglichkeit zur Erhaltung der Berufsfischerei» diskutiert, auf Antrag der Delegation aus Baden-Württemberg. Aufgrund der damit verbundenen Risiken für den See nehme die Gewässerschutzkommission eine sehr kritische Haltung zum Thema Aquakultur ein, heisst es in einer Medienmitteilung. In diesem Zusammenhang wirft die Kommission gleich mehrere Fragen auf: «Wie entwickeln sich Trübung, Nährstoff- und Keimzahl im unmittelbaren Umfeld der Netze?» Ausserdem seien die Auswirkungen auf den Seeboden hinsichtlich Sauerstoffzehrung und Sedimentation ungewiss. «Und in welcher Entfernung sind die Belastungen merkbar?» Ausserdem sei auch nicht absehbar, wie sich die Aquakulturen auf die Trinkwassernutzung auswirken würden.

Netzgehege bleiben in den Richtlinien verboten

Auch der Bund vertritt eine kritische Haltung gegenüber Fischzuchtanlagen im Bodensee. «Da jedoch kein konkretes Projekt vorliegt, sind die tatsächlichen Auswirkungen auf das Ökosystem nicht genau absehbar», sagt Stephan Müller vom Bundesamt für Umwelt. Er führte am Dienstag die Schweizer Delegation an der Jahrestagung in Konstanz an. Die internationale Gewässerschutzkommission halte weiterhin am Verbot fest, das bezüglich Netzgehege-Anlagen in den Bodenseerichtlinien festgeschrieben ist. Effektiv verbindlich ist das aber nicht. «Die Rechte der Länder gehen vor», sagt Müller. Baden-Württemberg könnte die Richtlinien theoretisch missachten. Das würde aber wiederum aufgrund der nicht festgelegten Landesgrenzen im Bodensee erst recht zu juristischen Problemen führen.

Am Dienstag demonstrierte die internationale Gewässerschutzkonferenz aber Einigkeit und nahm geschlossen «eine sehr kritische Haltung zum Thema Aquakultur» ein.