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Appetit auf Biber

Mosttröpfli
Christian Kamm

Wer frisst hier wen? Die Einladung der SVP-Ortspartei Iselisberg zum sogenannten Biberfrass lässt, zumindest theoretisch, verschiedene Möglichkeiten offen. Gemeint ist aber: Menschen essen Grilliertes, trinken etwas dazu und feiern so, dass sich eine Thurgauer Idee politisch in Bundesbern durchgesetzt hat. Im Moment sieht nämlich alles danach aus, dass unter dem Biberfrass leidende Landbesitzer eines nicht mehr allzu fernen Tages für die Schäden entschädigt werden, die der nagende und grabende Biber anrichtet. Dieser kleine Nimmersatt.

Ausdrücklich nicht gemeint ist mit Biberfrass – na, Sie wissen schon, das, was man eigentlich erwarten könnte, wenn ein lästiges Tier, ein Grill und offenkundige Hungergefühle mit im Spiel sind. Nein, das nicht. Oder besser gesagt: nicht mehr. Denn der Biber hat, wie jeder kirchengeschichtlich Bewanderte weiss, historisch gesehen eine eindrückliche Karriere als fastentechnisches Schlupfloch hinter sich. Und ist darüber fast ausgestorben. Weil Fisch beim katholischen Fasten im Unterschied zu Fleisch erlaubt ist, wurde das Nagetier, das mit seinem schuppigen Schwanz an einen Fisch erinnert, ehrenhalber flugs dazu ernannt – und mit dem Segen der katholischen Kirchenoberen verspeist.

Wie gesagt: Wir gehen zuversichtlich davon aus, dass es heute Abend am Iselisberg nicht zum Äussersten kommen wird. Obwohl in der Einladung zum Biberfrass reichlich konspirativ auch noch eine Überraschung angekündigt wird. Unser Tipp: Biberli, gefüllt.

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch

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